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«Hesch gwüsst?» macht Schule

Der Lockdown war für alle Lehrpersonen sowie für die Schülerinnen und Schüler eine Herausforderung. Die Klasse 6b der Primarschule Uster ZH bekam fürs Homeschooling einen besonderen Auftrag: Sie musste «Hesch gwüsst?»-Fragen stellen und beantworten.

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Christoph Kaminski
17. August 2020

«Hesch gwüsst?»-Archiv

Am 3. November 2009 erschien in der Coopzeitung das erste «Hesch gwüsst?». Das Thema waren damals Aufzüge. Seither kamen rund 550 Beiträge zusammen. Sie beschäftigen sich mit ganz unterschiedlichen Fragen: Warum sind in der Wüste die Nächte kalt? Was sind die Fibonacci-Zahlen? Warum haben Zebras Streifen? Wie funktioniert ein Kühlschrank?

Unter www.coopzeitung.ch/heschgwuesst findet sich das «Hesch gwüsst?»-Archiv mit allen je veröffentlichten Beiträgen. Zum Schmökern, zum Ausdrucken und als PDF zum Abspeichern.

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Es herrscht Betrieb im ersten Stock des Primarschulhauses der Schuleinheit Oberuster. Es ist die erste Woche, in der wieder in Vollklassen unterrichtet wird. Bei der 6b sind trotzdem nur 17 von 23 Kindern anwesend. Glücklicherweise ist aber nicht das Coronavirus daran schuld, sondern eine ganz normale Sommergrippe und ein Magen-Darm-«Käfer».

Lehrerin Nicole Wunnerlich (48) bespricht mit ihren Schützlingen Arbeiten aus der Lockdown-Zeit. Die 13 Buben und zehn Mädchen hatten zu Hause unter anderem eigene «Hesch gwüsst?»- Beiträge verfasst, wie sie sie aus der Coopzeitung kennen; die meisten zwei oder sogar drei. Insgesamt sind fast 50 Beiträge entstanden. Nun lesen und begutachten die Kinder auch die Werke ihrer Gschpänli. Welche sind besonders spannend und warum? Was hat wen am meisten interessiert, was nicht so sehr? Wer hat sich weshalb welches Thema ausgesucht?

«Ich fand Frau Wunnerlichs Auftrag cool. So konnte man Fragen beantworten, die man sich schon lange gestellt hatte.»

 

Noah (12) etwa stellte sich die Frage «Wie entsteht ein Korallenriff?». «Seit ich in den Ferien in Griechenland erstmals ein Korallenriff gesehen habe, interessiere ich mich dafür», sagt er. Wesentlich theoretischer ging es bei Mathieu (12) zu: «Was ist die Zahl Pi?» Er mag Mathe. «Deshalb wollte ich wissen, was genau hinter Pi steckt.» Loïc (12) beschäftige sich derweil mit dem Thema «Was sind Silberionen?». «Ich fand Frau Wunnerlichs Auftrag cool. So konnte man Fragen beantworten, die man sich schon lange gestellt hatte», erklärt er.

Tatsächlich baut Nicole Wunnerlich immer wieder «Hesch gwüsst?»-Beiträge der Coopzeitung in den Unterricht ein. «Erst war das nur eine Arbeit für Mädchen und Buben, die mit Aufträgen besonders schnell fertig sind», erzählt sie. «Das sprach sich rasch herum und viele andere Schülerinnen und Schüler baten ebenfalls um solche Aufträge.»

Sinnvolle Beschäftigung

Wie alle Lehrkräfte stand auch Nicole Wunnerlich nach der Schliessung der Schulen vor der Frage, wie sie ihre Klasse zu Hause sinnvoll beschäftigen kann. Schliesslich kam sie auf die Idee, ihre Schützlinge erst Übungen mit Kurztexten und Zusammenfassungen machen zu lassen, um sie darauf zu sensibilisieren, sich auf das Wesentliche zu konzentrieren. Danach begannen die Kinder mit den «Hesch gwüsst?». «So konnten sich alle auf ihrem Niveau herausfordern und Themen wählen, die sie spannend finden.» Wie wichtig das ist, weiss sie als Lehrerin und auch als dreifache Mutter.

Sie habe etwas Ungewöhnliches machen wollen, meint Sophie (12), weshalb sie sich für «Warum haben Blobfische keine Feinde?» entschied. «Ich hatte das irgendwo gelesen und wunderte mich, weshalb das so ist. Nun weiss ich, dass Blobfische in der Tiefsee leben und wegen ihrer Schleimschicht ‹gruusig› schmecken.» Ihre Tischnachbarinnen Viola (12) und Leonie (12) dagegen liessen sich von ihren Haustieren inspirieren und wählten «Warum fressen Meerschweinchen die ganze Zeit?» und «Wie sehen Hunde?». Auch bei Ron (12) ging es mit «Trinken Fische Wasser?» tierisch zu.

Viola (l.) und ihre Tischnachbarin Leonie haben bei der Suche nach Informationen viel gelernt.

Im wahrsten Sinne sportlich nahm Noel (13) den Auftrag mit «Warum ist der FC Bayern München so erfolgreich?». Er und sein Vater seien Fans des deutschen Top-Clubs, der 2020 bereits zum 30. Mal deutscher Meister wurde. Ebenfalls am Ball bleiben wollte Ozan (12), welcher der Frage «Was ist ein Offside?» nachging. Für manche Kinder gab dagegen der Alltag den Ausschlag für die Themenwahl. «Manchmal gähne ich, obwohl ich gar nicht müde bin», sagt Reda (13). «Ich wollte erfahren, weshalb das so ist.» Fynn (13) wunderte sich, warum der Bleistift so heisst, obwohl er gar kein Blei enthält. Und Luan (12) war neugierig, wie Papier entsteht. Sogar der Lockdown selbst beziehungsweise der Grund dafür brachte Antonio (12) auf eine Idee. Er findet Viren spannend, und weil man derzeit schon alles über das Coronavirus erfahren kann, beschäftige er sich mit einem anderen Virus: «Was ist Ebola?»

Alle Buben und Mädchen mussten ihr «Hesch gwüsst?»-Thema auf eine A4-Seite schreiben und ansprechend gestalten. Einige Beiträge kommen schon recht professionell daher. Allen gemein ist, dass ihre Verfasserinnen und Verfasser kräftig im Internet dafür recherchierten und dort nicht nur nach Informationen, sondern auch nach Bildern suchten. Ein Schüler war damit seinem Thema besonders nahe, denn Julian (12) wählte «Wie funktioniert das Internet?».

Alle Kinder haben unter der Anleitung von Nicole Wunner-lich mindestens ein «Hesch gwüsst?» selbst recherchiert, geschrieben und gestaltet. 

Luan (o.l.) und Ron (o.r.) zeigen stolz ihre Fragen.

«Hesch gwüsst?» machte also Schule. Nicht zum ersten und bestimmt auch nicht zum letzten Mal, denn wie die Coopzeitung-Redaktion aus Zuschriften erfährt, bauen viele Lehrpersonen regelmässig «Hesch gwüsst?»-Beiträge in ihren Unterricht ein. «Die Kinder sollen nicht einfach nur Aufsätze schreiben, die meistens nur ich lese, sondern selbst etwas erarbeiten, das sie interessiert und auch für andere lehrreich ist», sagt Nicole Wunnerlich. «Zudem komme ich ursprünglich aus der Telekommunikations-/IT-Branche. Es ist mir daher wichtig, dass die Kinder gut schreiben können.»