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Kamera läuft – und Action!

Seit Freitag läuft der neue Weihnachtsspot von Coop im Fernsehen. In der herzerwärmenden Geschichte findet das einsame Schneemonster Nevi in zwei Kindern neue Freunde. Ein Besuch am Drehort der Schweizer Produktion.

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Monique Wittwer
09. November 2020
Was macht das Schneemonster Nevi im sommerlichen Wald? Eigentlich soll es doch den Menschen Schnee bringen!

Was macht das Schneemonster Nevi im sommerlichen Wald? Eigentlich soll es doch den Menschen Schnee bringen!

Ein wenig skurril ist die Situation schon: Hoch über dem Walensee mitten im mystischen Buchenwald des Glarner Murgtales steht eine über zwei Meter hohe Figur mit weissem zotteligem Fell, Riesenpranken und einem herzerweichend melancholischen Augenaufschlag. Etwas ungelenk bewegt sich der weisse Riese ein paar Schritte vorwärts auf eine kleine Tanne zu und macht Anstalten, über sie hinwegzuklettern. Da tönt es hinter einem Baum: «Super gemacht, Jill, das haben wir im Kasten, danke!»

Weihnachten im August

Es ist der 5. August 2020. Der Sommer zeigt sich von seiner besten Seite, am wolkenlosen Himmel steht die warme Sonne, und im schattigen Wald lassen sich die Temperaturen aushalten. Kaum zu glauben: Hier und jetzt solls um Weihnachten, Schnee und Kuschel- momente gehen. Wir befinden uns am hochgeheimen Aussendreh für den neuen Weihnachtsspot von Coop.

In der übermannsgrossen Figur steckt Jill Wagner (20), ein Student aus Zürich, der sich einen schönen Nebenjob ergattert hat. «Ich hatte schon einige Jöbli», sagt er. «Als Puppenspieler zu arbeiten – das ist neu für mich.» Er verkörpert am Dreh das Schneemonster Nevi, das im Mittelpunkt des neuen Coop-Weihnachtsspots steht. Das Schneemonster hat eine lange Geschichte – und die liest sich wie ein Märli:

«Wenn wir aneinander denken, muss niemand alleine sein.»

Tobias Fueter, Regisseur

Es war einmal eine Schneemonster- Familie, die am Nordpol wohnte und zu der auch das junge Monster Nevi gehörte. Alle Schneemonster haben seit Jahrtausenden die Aufgabe, den Menschen Schnee zu bringen. Mit dieser Mission schickten die Eltern ihre Kinder und damit auch Nevi in die Welt hinaus. Nevi landete in der schönen Schweiz. Weil es dort keine anderen Artgenossen fand, begab es sich auf eine Reise quer durch die Welt, um andere Schneemonster zu finden. Doch Nevi musste feststellen, dass alle anderen verschwunden waren. Enttäuscht und einsam kehrte es in die Schweiz zurück und versteckte sich in seiner Höhle. Vor lauter Frust hatte es verlernt, Schnee zu zaubern.

In dieser Situation setzt die Handlung des Weihnachtsspots ein, von der aber hier nicht zu viel verraten werden soll: Eines Tages hört Nevi vor der Höhle Kinderstimmen. Es schaut hinaus, sieht dort einen Rucksack stehen. Als Nevi den Rucksack holen möchte, bellt ein Hund. Vor lauter Schreck stolpert das einsame Monster über einen kleinen Tannenbaum und verliert dabei versehentlich etwas Schnee. Was weiter passiert, sieht man im Spot. Am Ende ist für Nevi auf jeden Fall die Welt wieder in Ordnung: Es hat neue Freunde, ist nicht mehr alleine und lässt zu Weihnachten vor lauter Glück im ganzen Land dicke Flocken schneien.

Die Geschichte um Einsamkeit, Gemeinschaft und Freundschaft ist berührend. Durch den kurzen Film soll sie aber noch emotionaler werden. Früh an der Story mitgefeilt hat Regisseur Tobias Fueter (47), der schon an Schweizer Erfolgsfilmen wie «Mein Name ist Eugen» oder «Grounding» mitgearbeitet hat. «Für mich hat der Spot die wunderbare Botschaft, dass wenn wir füreinander da sind, Zauberhaftes entsteht», sagt der Zürcher. «Und dass niemand an Weihnachten allein sein muss, wenn wir aneinander denken – nicht einmal das Schneemonster.»

Auch am Set funktioniert dieses Miteinander: Nicht nur der «Puppenspieler» Jill Wagner weiss genau, was er wann tun muss, sondern auch die anderen Mitglieder der Crew – sei es Kameramann, Hundetrainerin, Drohnenlenker, Dekorateurin, Blue-Screen-Techniker oder Maskenbildnerin.

Einen besonderen Job hat Mirko Riess (35), der von Kopf bis Fuss in einen hautengen, blauen Lycra-Anzug gekleidet ist. «Bitte nicht lachen», sagt er als Erstes. Denn in seinem Aufzug schaut der junge Mann doch seltsam aus. «Eigentlich bin ich dafür zuständig, die geeigneten Locations zu finden, an denen man drehen kann», sagt er. «Aber heute bin ich auch Nevi.» Er führt in der Realität die Sprünge aus, die das Schneemonster laut Script machen soll. «Die realen Bewegungen auf Film helfen dann später dem Animator, das Geschöpf am Computer originalgetreu zu erschaffen.» Gesagt, getan: Mirko Riess hüpft unzählige Male über einen kleinen Tannenbaum – das Pendant also zur Szene, als Nevi vom Hundegebell erschrocken zurück in die Höhle flüchtet. «Das mit dem Schneien bekomme ich aber noch nicht hin», sagt der Blaumann lachend. «Leider!»

Die Energie und Freude der Kids

Wichtige Rollen im Spot spielen auch die beiden Kinder, die das Herz von Nevi zum Schmelzen bringen. Die beiden Darsteller heissen Alexia Finocchiaro (10) und Elias Bichsel (8). Alexia ist schon fast ein Vollprofi, während der Film für Elias die Premiere als Schauspieler ist. «Mein Papa ist Coiffeur und organisiert regelmässig Frisurenshows», erzählt Alexia. «Da bin ich schon als kleines Mädchen einfach mit auf den Laufsteg gesprungen und stand früh im Rampenlicht.» Im Laufe der Jahre dann haben die Eltern ihr Show-Talent entdeckt und es gefördert. «Ich durfte am Opernhaus Zürich mitspielen, bin bei Kindermodeschauen mitgelaufen und war auch schon bei einigen anderen Werbespots zu sehen», erklärt sie stolz. «Und natürlich tanze und singe ich auch bei den ‹Schwiizergoofe› mit!» Sie findet es am Set «megalässig» und geniesst es, im Mittelpunkt zu stehen.

Für ihren «kleinen Bruder», der von Elias gespielt wird, ist dagegen alles neu. «Am Anfang war ich sehr aufgeregt», sagt er. «Ich spiele ja normalerweise in meiner Freizeit Fussball oder Schlagzeug, da wusste ich gar nicht, was ich machen sollte.» Aber der Bub hat sich am Drehort rasch eingelebt. «Alle Leute kümmern sich um uns und sind supernett.» Und er ist happy, mal in eine Filmproduktion hineinschnuppern zu können. «Das Schwierige ist für mich schon ein bisschen, dass ich meinen Gspänli daheim nicht erzählen darf, was ich hier erlebe.» Er verspricht: «Ich halte zu 100 Prozent dicht!» Ein Lob gibts für die Junior-Darsteller auch vom Regisseur. «Alexia und Elias haben das toll gemacht», sagt Tobias Fueter. «Filmdrehs bestehen zu 90 Prozent aus Warten, und die Kids hatten viel Geduld mit uns – echte Profis halt.» Und er schwärmt von ihrer Vorstellungskraft: «Sie brauchten viel Fantasie beim Schauspielern, da wir ja Nevi nie richtig sehen konnten, sondern nur eine steife Attrappe den Kids gegenüber stand», so Fueter. «Ich liebe die Energie und Spontaneität, welche Kinder mit aufs Set bringen. Sie reagieren authentisch und aus dem Herzen.»

Animation erweckt Nevi zum Leben

Gespannt sind die Kids, wie der Film dann am Ende ausschaut – schliesslich ist der Dreh im Wald nur die Grundlage für die Animationsexperten, die sich in Kleinarbeit vor allem zwei Dingen widmen: Die Szenerie einerseits in eine winterliche Stimmung mit vielen schönen Schneeflocken zu tauchen und andererseits das Schneemonster Nevi glaubwürdig erscheinen zu lassen. Sowohl das steife Kostümmodel als auch der Blaumann sind ja nur Platzhalter für das Geschöpf, welches im Spot wirklich zum Leben erweckt wird. «Für ein völlig unbekanntes Wesen glaubwürdige Bewegungen, realistische Fellstrukturen, süsse Augen und echte Gefühle zu erfinden, ist eine echte Herausforderung», weiss Regisseur Fueter. Ein Team von ausgewiesenen Experten kümmerte sich dabei um Nevi. Den Charakter mit all seinen Facetten entwickelten etwa Spezialisten, die in Hollywood-Filmen wie «Alice im Wunderland» oder «King Kong» schon verrückte Kreaturen und Hintergründe erschaffen hatten.

«Bereits im Januar haben wir mit dem Brainstormen angefangen, die Hochphase war dann im Sommer – schon ein wenig skurril.»

Vanessa Finzer, Leiterin Werbung

Mit dem Ergebnis froh ist Vanessa Finzer (33). «Besondere Freude habe ich am Nevi», sagt die Leiterin der Werbung bei Coop. Sie verantwortet bei der Detailhändlerin die Produktion des Spots und hat ihn in Auftrag gegeben. «Es ist faszinierend, wie unser Schneemonster in den letzten Monaten mit viel Liebe zum Detail entstanden ist.» Die Arbeiten dafür erstreckten sich fast über ein Jahr. «Nach Weihnachten ist bei uns vor Weihnachten», so Finzer. «Bereits im Januar haben wir mit dem Brainstormen angefangen, die Hochphase war dann im Sommer – schon ein wenig skurril.» Für sie war die grösste Herausforderung, den professionellen Abstand zu Nevi zu wahren. «Teilweise kam bei mir die kindliche Begeisterung für Animation und Märchen etwas zu stark durch», lacht sie. «Aber eigentlich ist es ja etwas Schönes, wenn Nevi uns dabei hilft, das Kind im Erwachsenen zu bewahren.» 

Die Dreharbeiten fanden im August im Freien statt. Es wurden die damals gültigen Vorsichtsmassnahmen eingehalten.