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Nachhaltigkeit

Nicht nur die Luft profitiert

Seit 2007 haben Coop und der WWF zusammen 16 Klimaschutzprojekte lanciert. Katrin Oswald vom WWF erklärt, was bisher erreicht wurde und wem das nützt.

27. Juli 2020
Holz durch Biogas ersetzt: Der Gasherd erleichtert Keshar Bai das Kochen. Zudem sei das Haus weniger verraucht, weshalb es der Familie gesundheitlich besser gehe, so die indische Bäuerin.

Holz durch Biogas ersetzt: Der Gasherd erleichtert Keshar Bai das Kochen. Zudem sei das Haus weniger verraucht, weshalb es der Familie gesundheitlich besser gehe, so die indische Bäuerin.

Coop finanziert Klimaschutzprojekte, um CO2-Emissionen zu kompensieren. Wie funktioniert das?

Treibhausgase, die bei Coop durch Flugtransporte von Produkten, durch Lieferfahrten für Online-Bestellungen und durch Geschäftsreisen entstehen, kompensiert Coop im Rahmen der Zusammenarbeit mit dem WWF.

Das heisst, sie werden irgendwo anders auf der Welt eingespart?

Sie werden eingespart. Aber nicht irgendwo auf der Welt, sondern entlang der Lieferketten von Coop. Das ist der sogenannte Insetting-Ansatz.

Was bedeutet das genau?

Die Projekte, die Coop mitfinanziert, sind in Gebieten, aus denen auch Produkte kommen. Sie helfen also Menschen, die für Coop Kaffee, Kakao, Reis oder Schnittblumen produzieren.

Ist das besser, als wenn Coop andere Projekte unterstützen würde?

Ja. Coop hat so einen direkten Draht zum Projekt und zu den Menschen vor Ort. Es stärkt die Zusammenarbeit mit den lokalen Gemeinschaften und man erzielt optimale und langfristige Wirkungen für Natur und Menschen.

Es geht also nicht nur um CO2?

Die Klimaschutzprojekte müssen einen Gewinn für die Menschen vor Ort und für die Umwelt haben. Der WWF und Coop konnten den Ausstoss von über 400 000 Tonnen CO2 vermeiden und die Lebensbedingungen von 460 000 Menschen verbessern, indem wir Auffors- tungen in Kakaoplantagen unterstützt, Biogasanlagen gebaut und effiziente Öfen mitfinanziert haben, die erst noch viel weniger Holz brauchen und wegen geringerer Rauchemissionen weniger gesundheitliche Probleme verursachen. Die Projekte entsprechen alle den Vorgaben des Gold-Standards. Das bedeutet hohe Umwelt- und Sozialstandards, die von unabhängigen Dritten kontrolliert werden und transparent sind.

Gibt es auch andere Standards?

Es gibt leider viele Projekte und Zertifikate auf dem Markt, die nur eine geringe Wirkung haben. Ihr Nutzen ist kaum messbar und sie reduzieren keine zusätzlichen Treibhausgase.

«Es gibt leider viele Projekte und Zertifikate auf dem Markt, die nur eine geringe Wirkung haben.»

Katrin Oswald

Was für Projekte sind das?

Das können Parks von Windanlagen sein. Das Problem ist: Die aus unserer Sicht sinnvollen Anlagen rentieren auch ohne die Beiträge aus der CO2-Kompensation. Somit gibt es keine zusätzliche CO2-Einsparung, sondern man lässt sich etwas anrechnen, was ohnehin entsteht.

Der CO2-Kompensation wird oft vorgeworfen, ein Ablasshandel zu sein.

Der WWF hat bisher Klimakompensation nur unterstützt, wenn eine positive Wirkung fürs Klima, für die Menschen und für die Biodiversität entsteht. Und die Kompensation muss immer als Ergänzung zu ambitionierten CO2-Reduktionsbemühungen erfolgen und ist somit ein Teil des Übernehmens von Klimaverantwortung. Ablasshandel ist es, wenn ein Unternehmen überhaupt keine Anstrengungen zur Reduktion von Emissionen unternimmt, billige Zertifikate auf dem Markt kauft und dann gar behauptet, klimafreundlich zu handeln.

Katrin Oswald

Senior Manager Sustainable Sourcing Markets WWF

Katrin Oswald (43): «Klimaschutzprojekte müssen ein Gewinn für Mensch und Umwelt sein.»