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Bio bei Coop

 Die Zeichen stehen auf Grün

Das Bio-Sortiment bei Coop wächst stetig. Michael Scheidegger, verantwortlich für Produkte mit Nachhaltigkeitslabel, erklärt, warum auch Produkte aus dem Ausland die Knospe von Bio Suisse tragen und weshalb Bio mehr ist als gutes Marketing.

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01. Februar 2021
«Ein nachhaltiger, ressourcenschonender Konsum ist mir sehr wichtig», sagt Michael Scheidegger (34).

«Ein nachhaltiger, ressourcenschonender Konsum ist mir sehr wichtig», sagt Michael Scheidegger (34).

Michael Scheidegger, kaufen Sie ausschliesslich Bio-Produkte?

In meinem Einkaufskorb landen grösstenteils Bio-Produkte, weil mir ein nachhaltiger, ressourcenschonender Konsum sehr wichtig ist. Ich kaufe aber auch Produkte von anderen Nachhaltigkeitslabels wie Pro Montagna, Fairtrade Max Havelaar, Miini Region, Karma und anderen.

Unter Naturaplan gibt es mittlerweile über 2700 Produkte. Wie erkennen Sie Lücken im Sortiment?

Mit Naturaplan sind wir innovativ und immer am Puls der Zeit, aktuell zum Beispiel mit unseren Jogurts und Eistees ohne zugesetzten Zucker. Einerseits suchen die Food-Scouts von Betty Bossi weltweit nach neuen Trends, andererseits erhalten wir immer wieder Tipps von Konsumentinnen und Mitarbeitern, die wir prüfen und nach Möglichkeit umsetzen. Mit meinem Team mache 
ich auch regelmässig Sortimentschecks und lasse unsere Ideen in den Produktentwicklungsprozess einfliessen.

Müssen für neue Bio-Produkte andere aus dem Regal weichen? 

Bio-Produkte werden immer beliebter und erhalten daher mehr Platz im Sortiment. Die Verantwortlichen für die Sortimentsgestaltung berücksichtigen die unterschiedlichsten Kundenbedürfnisse und wählen einen guten Mix. Bio lässt sich auch mit anderen Trends kombinieren. So sind zum Beispiel immer mehr Produkte unserer Vegi-Eigenmarke Karma gleichzeitig Bio. Und schliesslich gibt es immer wieder Naturaplan-Produkte, die nicht mehr gut laufen und ausgelistet werden. Das schafft neuen Platz.

Wie finden Sie die richtigen Rohstoffe für ein neues Produkt?

Da wir bei Bio vor allem auf die Knospe von Bio Suisse setzen, können wir die Rohstoffe nicht einfach auf dem Weltmarkt beschaffen. Wir müssen Lieferanten finden, welche Rohstoffe liefern können, die nach den strengen Knospe-Richtlinien zertifiziert sind. Das ist vor allem bei importierten Rohstoffen oft sehr aufwändig. Dafür können wir alle Produkte und Zutaten bis aufs Feld respektive in den Stall zurückverfolgen. Mit unseren Partnern Bio Suisse und FiBL führen wir zudem Beschaffungsprojekte durch und bauen eigene Lieferketten auf.

Seit über 25 Jahren arbeiten Coop und Bio Suisse eng zusammen. Entwickelt man neue Produkte gemeinsam?

Wir von Coop sind für die Produktentwicklung zuständig, aber es kommen auch regelmässig Ideen von Bio Suisse. Diese schaut vor allem, dass die Produktion der Schweizer Bio-Bauern und die Vermarktung von Bio-Produkten im Gleichgewicht bleiben, sodass es genügend Bio-Produkte gibt, jedoch kein Überangebot. Falls es zu Überschüssen kommt, zum Beispiel bei der Bio-Milch, schauen wir gemeinsam, wie wir den Markt entlasten können – durch neue Produkte oder  Vermarktungsaktionen.

«Der Bedarf an Forschung für den Bio-Landbau ist riesig.»

Michael Scheidegger

Auch ausländische Produkte tragen die Knospe von Bio Suisse. Das ist doch ein Widerspruch.

Nein! Importierte Naturaplan-Produkte werden nach denselben strengen Knospe-Richtlinien hergestellt wie inländische. Darin ist auch vorgeschrieben, dass Knospe-Produkte und die Rohstoffe dafür nur importiert werden dürfen, wenn die Mengen in der Schweiz nicht ausreichen. Bio Suisse prüft jedes einzelne Importgesuch. Wo immer möglich setzt Coop auf Schweizer oder sogar regionale Ware. Und Naturaplan-Produkte aus dem Weltsüden sind wenn immer möglich Fairtrade-Max-Have-
laar-zertifiziert.

Trotzdem: Bio-Produkte aus Spanien oder gar Übersee: Wie geht das mit dem Nachhaltigkeitsgedanken zusammen?

Bio-Früchte und -Gemüse dürfen nur ausserhalb der Schweizer Saison importiert werden, und zwar nur aus Europa und dem Mittelmeerraum. Da Flugtransporte bei der Knospe verboten sind, macht der Transport nur einen kleinen Teil der Umweltbelastung eines Produktes aus. Daher ist es ökologischer, Früchte und Gemüse dort zu produzieren, wo die Klimabedingungen optimal sind, also 
lieber in der spanischen Sonne als im beheizten Schweizer Gewächshaus.

Coop will den Bio-Anteil weiter ausbauen und bis 2025 im Detailhandel zwei Milliarden Jahresumsatz mit Bio-Lebensmitteln erzielen. Bio Suisse will den Inlandanteil steigern. Können sich die Kunden auf mehr einheimische Bio-Produkte freuen?

Definitiv. Wo möglich setzen wir auf Schweizer Bio-Produkte. Dort, wo die Versorgung mit inländischer Ware nicht ausreicht – wie bei Beeren, Eiern oder Zuckerrüben –, unterstützen wir Projekte und Massnahmen zur Förderung des Bio-Anbaus in der Schweiz.

Die Corona-Pandemie begünstigte den Absatz von Bio-Produkten. Findet tatsächlich ein Umdenken statt?

Die Konsumenten haben durch die Pandemie häufiger und bewusster die Mahlzeiten zu Hause zubereitet und kauften mehr Bio-Produkte. Wir konnten daher den Bio-Anteil im vergangenen Jahr weiter ausbauen. Der Trend zu möglichst natürlichen, gesunden und nachhaltigen Produkten besteht aber nicht erst seit Corona. Ich erwarte darum, dass er sich auch nach der Pandemie fortsetzen wird.

Bio-Produkte sind teurer als konventionelle. Geht es Coop um Profit?

Im Durchschnitt erheben wir auf Bio-Produkte dieselbe Prozentmarge wie auf konventionelle Produkte. Bio-Produkte sind aber entlang der gesamten Wertschöpfungskette teurer: Die Bio-Bauern erzielen geringere Erträge pro Fläche, da sie keine chemisch-synthetischen Pestizide und Düngemittel einsetzen, und einen grösseren Arbeitsaufwand haben, etwa durch Jäten. Es entstehen auch Mehrkosten durch höhere Anforderungen an die Verarbeitung oder durch Kontrollen und Zertifizierung.

Alles nur ein Marketing-Gag – oder was sagen Sie dazu?

Dass Bio für uns keine Marketing-Geschichte ist, zeigen wir seit 28 Jahren mit viel Engagement. Die Bio-Landwirtschaft ist die nachhaltigste und tierfreundlichste Form der Landwirtschaft und leistet einen Beitrag zur Lösung der drängendsten Probleme wie Klimawandel, Verlust der Artenvielfalt, Überdüngung…

Apropos Engagement: Coop investiert in die Forschung zur Verbesserung des Bio-Landbaus.

Der Forschungsbedarf ist riesig: Anpassung an den Klimawandel durch die Züchtung robusterer Sorten, Bekämpfung des Klimawandels durch die Speicherung von CO₂ in den Böden, Steigerung der Erträge durch Smart-Farming, etwa durch die Entwicklung von Jät-Robotern, Förderung der Biodiversität und, und, und.

Michael Scheidegger, wir danken Ihnen für das Gespräch.