Erfolg auf stabilem Fundament | Coopzeitung
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Rückblick 2020

Erfolg auf stabilem Fundament

Coop hat 2020 solide gewirtschaftet, bei den Supermärkten kräftig zugelegt und einen Rekord an Nachhaltigkeit aufgestellt. Bei der Jahresbilanz dankte Coop-Chef Joos Sutter den Kunden für das Vertrauen und den Mitarbeitenden für ihr Engagement in der Krise.

22. Februar 2021
Die neu gestalteten Läden, hier Vich VD, kommen bei der Kundschaft gut an.

Die neu gestalteten Läden, hier Vich VD, kommen bei der Kundschaft gut an.

Kaum Einbussen beim Umsatz – 30,2 Milliarden Franken – und ein stabiler Gewinn von 539 Millionen Franken: Sieht man nur diese Zahlen, könnte man meinen, 2020 sei für Coop ein Jahr gewesen wie jedes andere. Doch schon die Einladung zur Bilanzmedienkonferenz in der vergangenen Woche zeigte, welche Herausforderung die weltweite Pandemie nach wie vor bedeutet. Die Präsentation fand nicht wie üblich im Coop-Tagungszentrum Muttenz BL statt, sondern online.

Das vergangene Jahr habe gezeigt, dass die globalisierte auch eine fragile Welt sei, betonte Coop-Chef Joos Sutter (56). Wichtiger als Wissen sei in solchen Zeiten die Fähigkeit, sich Tag für Tag neuen Realitäten zu stellen sowie dementsprechend schnell und unkompliziert zu handeln. Und das ist Coop offensichtlich gut gelungen.

Kundennähe als Trumpf

Spürbar mit besonderer Freude präsentierte Joos Sutter die Zahlen der Coop-Supermärkte: Knapp 1,5 Milliarden Franken Umsatzwachstum – ein sattes Plus von 14,3 Prozent –, kräftig Marktanteile gewonnen und mehr als 1300 neue Mitarbeitende. Das hört sich wieder ganz und gar nicht nach Krise an. Natürlich habe man wie der gesamte Lebensmittel-Detailhandel davon profitiert, dass die Schweiz vermehrt zu Hause kochte, erklärte der Coop-Chef – die Restaurants waren ja zu. Auch sei der Einkaufstourismus ins grenznahe Ausland deutlich zurückgegangen.

«Coop ist es gelungen, die Versorgung jederzeit sicherzustellen.»

Joos Sutter

Warum aber konnte Coop überdurchschnittlich zulegen? Joos Sutter sieht dafür fünf Gründe: Zunächst die auf das Kerngeschäft und die Bedürfnisse der Kundschaft ausgelegte Strategie, die schon vor der Pandemie für steigende Marktanteile gesorgt hatte. Dann die Nähe zum Kunden mit schweizweit 944 Läden. Weiter das grösste Sortiment an nachhaltigen Produkten, die in der Pandemie besonders gefragt waren. Und viertens: «Wir haben sehr gute Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in unseren Filialen. Sie setzen die Schutzkonzepte konsequent um und schaffen so Vertrauen bei den Kundinnen und Kunden.» Als letzten Grund hebt Joos Sutter das moderne Ladenbaukonzept hervor, das offenbar nicht nur beim Coop-Chef, sondern auch bei der Kundschaft gut ankommt. Das belegen die äusserst guten Resultate der neu- und umgebauten Läden – 51 kamen im vergangenen Jahr hinzu, und insgesamt entsprechen nun 157 Coop-Supermärkte dem neuen Konzept.

Nachhaltig und preisbewusst

Wie stark Bio-Produkte und Nachhaltigkeitslabel zum Erfolg von Coop beigetragen haben, belegen zwei Rekordzahlen: Bei Bio (Produkte mit der Knospe von Bio Suisse inklusive Demeter sowie EU-Bio) lag der Umsatz erstmals über 2 Milliarden Franken. Der Nachhaltigkeitsumsatz insgesamt (dazu zählen auch Artikel mit Labeln wie Hochstamm Suisse, Fairtrade Max Havelaar und viele andere) stieg im vergangenen Jahr um 738 Millionen auf 5,4 Milliarden Franken. Ergänzt wird das Engagement von Coop in diesem Bereich durch eine Vielzahl von zukunftsweisenden Initiativen, darunter zum Beispiel für die Wasserstoff-Mobilität. Insgesamt konnte die Coop-Gruppe in den vergangenen fünf Jahren ihren CO₂-Ausstoss um rund 38 000 Tonnen senken, betonte Joos Sutter.

Links: Kundendank an Coop-Mitarbeitende. Frische und Vielfalt: Das neue Ladenkonzept der Supermärkte (u.) hat viel zum Erfolg beigetragen.

Daneben legt Coop grossen Wert darauf, ihren Kundinnen und Kunden ein attraktives und komplettes Sortiment an Tiefpreisprodukten zu bieten, in den Supermärkten ebenso wie in anderen Geschäften. Der Ausbau der Prix-Garantie-Linie um 420 auf nun insgesamt 1300 Artikel zeigte Wirkung: Neben den nachhaltigen hatten die Prix-Garantie-Produkte 2020 das stärkste Umsatzwachstum zu verzeichnen. Darüber hinaus investierte Coop für Preisreduzierungen bei weiteren 1000 Artikeln im vergangenen Jahr 145 Millionen Franken.

Strategie hat sich bewährt

Obwohl auch die Coop-Gruppe unter Pandemie und Lockdown zu leiden hatten, konnte sie insgesamt wachsen. «Unsere Strategie der Diversifizierung mit zwei Sparten hat sich bewährt», sagte Sutter. «Während es in den vergangenen Jahren oftmals positive Impulse aus den Bereichen Grosshandel und Produktion gab, hat dieses Jahr der Detailhandel besonders stark zu einer guten Ertragsentwicklung beigetragen.» Der Corona-Effekt traf in erster Linie die Coop-Gastronomie und die international tätige Grosshandelssparte Transgourmet. Zwar konnten die «Cash & Carry»-Abholmärkte in Deutschland und Osteuropa beim Umsatz zulegen, doch insgesamt blieb der Grosshandel währungsbereinigt 13,3 Prozent unter dem Vorjahr.

Frische und Vielfalt: Das neue Ladenkonzept der Supermärkte hat viel zum Erfolg beigetragen.

Im Detailhandel ist Coop auf den Schweizer Markt ausgerichtet. Da habe sich der Non-Food-Bereich überraschend schnell nach dem Lockdown erholt, vermerkte der Coop-Chef. Die Wohnsparte Livique/Lumimart, die Heimwerkermärkte von Coop Bau ​+ ​Hobby sowie die Koch- und Backprofis von Betty Bossi legten jeweils mehr als 10 Prozent gegenüber dem Vorjahr zu. Die Apotheken von Coop Vitality blieben mit 9 Prozent Umsatzwachstum nur knapp dahinter zurück, und auch Interdiscount brachte es im hart umkämpften Markt der Unterhaltungselektronik auf knapp 4 Prozent Wachstum. Schwieriger waren Geschäfte, denen das Fehlen der Flaneure und Spontankunden in den Innenstädten zu schaffen machte: Import Parfumerie, The Body Shop, Christ Uhren und Schmuck sowie die Warenhäuser von Coop City. Zulegen konnten dagegen die eigenen Produktionsbetriebe, allen voran Steinfels Swiss: Der Hersteller von Kosmetik, Reinigungs- und Hygieneprodukten hatte alle Hände voll zu tun, um die Schweiz mit Desinfektionsmitteln zu versorgen.

Mit einem starken Zuwachs von über 45 Prozent war die Online-Plattform coop.ch ebenfalls auf Wachstumskurs.

Abschluss einer Ära

Auf die Delegiertenversammlung vom Mai hin ist Joos Sutter zur Wahl als Vorsitzender des Coop-Verwaltungsrats und damit als Nachfolger von Hansueli Loosli (65) nominiert. Rückblickend zog Sutter eine positive Bilanz: «Coop konnte ein starkes Wachstum verzeichnen, hat sich mit dem erfolgreichen Ausbau von Transgourmet ein wichtiges zweites Standbein geschaffen und steht heute auf einer sehr guten finanziellen Basis. Zudem ist Coop eine attraktive Arbeitgeberin, die viele Berufseinstiegs- und Entwicklungsmöglichkeiten bietet.» Besonders hob Joos Sutter auch die klare Leaderposition in der Nachhaltigkeit und die massiven Preisreduktionen über das gesamte Sortiment hervor, bevor er sich nach zehn Jahren als Coop-Chef von der virtuell versammelten Journalisten-Runde verabschiedete.