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Stabübergabe bei Coop

Der neue Verwaltungsratspräsident und der neue CEO von Coop im Interview. Joos Sutter und Philipp Wyss über Strategie, Stress und Spass bei der Arbeit.

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Heiner H. Schmitt
03. Mai 2021
Frischer Wind und frische Ware: Joos Sutter (l.) und Philipp Wyss schauen sich im Coop-Supermarkt in Oftringen AG, kurz vor der Ladenöffnung, das Sortiment an.

Frischer Wind und frische Ware: Joos Sutter (l.) und Philipp Wyss schauen sich im Coop-Supermarkt in Oftringen AG, kurz vor der Ladenöffnung, das Sortiment an.

Joos Sutter, was kann Philipp Wyss besser als Sie? 

Sutter: Er ist ganz klar der bessere Koch als ich! Am Grill kann ich noch knapp mithalten. Aber in der Küche reichts bei mir nur zum Handlanger. (Lacht.) 

Und was kann Joos Sutter besser als Sie, Philipp Wyss? 

Wyss: Fliegenfischen! Ich habe das einmal ausprobiert und hatte keine Chance. 

Wie würden Sie Philipp Wyss in drei Worten charakterisieren?

Sutter: Kreativ. Offen. Ein Macher.

Liegt Joos Sutter richtig? 

Wyss: Er bringt es auf den Punkt. Was mich auch noch charakterisiert: Ich schaue lieber nach vorne als zurück. Beruflich bin ich einer, der gerne gestaltet. Darin gehe ich auf. Privat ist mir die Familie wichtig und die Natur. Ich bin gerne draussen unterwegs, dort tanke ich Kraft und Energie. 

Sie sind auch begeisterter Wanderer.

Wyss: Richtig! Letzten Sommer gings vom Rütli nach Ascona, diesen Sommer will ich von Interlaken nach Montreux wandern. 

Joos Sutter

Verwaltungsratspräsident

Joos Sutter (57) wuchs in Thusis GR auf und studierte an der Hochschule St. Gallen Wirtschaftswissenschaften. 1996 stieg er als Finanzchef bei Import Parfumerie ein, seit 2011 war er Vorsitzender der Geschäftsleitung bei Coop. Joos Sutter ist verheiratet und Vater von drei erwachsenen Söhnen. In seiner Freizeit treibt er gerne Sport in der Natur, geht wandern oder fliegenfischen. Seit dem 1. Mai 2021 ist Joos Sutter Verwaltungsratspräsident der Coop-Gruppe.

 

Philipp Wyss

Vorsitzender der Geschäftsleitung

Philipp Wyss (55) wuchs im Kanton Luzern auf und ist gelernter Kaufmann und Metzger. 1997 stieg er bei Coop ein und war in den vergangenen Jahren stellvertretender Vorsitzender der Geschäftsleitung und Leiter der Direktion Marketing/Beschaffung. Philipp Wyss ist verheiratet und Vater von zwei Töchtern und einem Sohn. In seiner Freizeit kocht er gerne, wandert und treibt Sport. Seit dem 1. Mai 2021 ist Philipp Wyss Vorsitzender der Geschäftsleitung von Coop.

 

«Die Fähigkeit zuzuhören und zu lernen, das macht uns stark.»

Joos Sutter

Was ist Ihre Vision für Coop?

Wyss: Coop ist enorm gut aufgestellt. Was mir am Herzen liegt, ist die Nachhaltigkeit. Wir haben ein riesiges Bio-Sortiment, engagieren uns stark in gesellschaftlichen Belangen und setzen uns aktiv für die Umwelt und den Klimaschutz ein. Diese drei Säulen sind mir wichtig, sie werden die Basis für meine strategische Ausrichtung sein.

Sie haben einen spannenden Lebenslauf. Von welchen Erfahrungen profitieren Sie am meisten für den neuen Job?

Wyss: Ich lernte früh, was Kundenbedürfnisse sind. Als 20-Jähriger stand ich schon hinter der Fleischtheke und hatte direkt mit der Kundschaft zu tun. Das prägt mich bis heute. Andererseits lernte ich in den letzten 30 Jahren im Detailhandel, wie wichtig Differenzierung ist. Die Frage, wie man Dinge besser machen kann, treibt mich bis heute an.

Warum war Philipp Wyss die erste Wahl für Ihre Nachfolge als CEO?

Sutter: Einerseits ist es sein grosser Leistungsausweis. Philipp hat breite Erfahrung und kennt das Geschäft bei Coop von der Pike auf. Andererseits ist es sein Wille zur Veränderung und sein Drang nach Verbesserungen. Diese Kombination macht ihn zum perfekten Nachfolger.

Was verbindet Sie persönlich mit Philipp Wyss?

Sutter: Wir sind freundschaftlich verbunden und verstehen uns sehr gut. Über die lange Zeit, die wir zusammenarbeiten, hat sich ein grosses Vertrauensverhältnis entwickelt. 

Wie werden die Kundinnen und Kunden den neuen Coop-Chef spüren?

Wyss: Wir wollen immer zu den Ersten gehören, die Kundenbedürfnisse erkennen und abdecken. Denken Sie nur an unsere Karma-Linie, in der wir heute über 1200 vegane und vegetarische Produkte anbieten. Auf der anderen Seite spielen die Preise eine Rolle. Hier ist mir wichtig, dass wir die gleiche Qualität zu den gleichen Preisen wie die Discounter anbieten können. Und drittens will ich auch die kleineren Labels voranbringen, zum Beispiel Oecoplan, das es nur bei Coop gibt.

«Es wird anstrengender werden, davon gehe ich aus. Auf der anderen Seite wird es aber auch vielseitiger, und darauf freue ich mich».

Philipp Wyss

Was bedeutet der Wechsel an der Spitze für die Mitarbeitenden von Coop?

Wyss: Ich freue mich riesig auf die Begegnungen mit den Mitarbeitenden in den Filialen, der Logistik und den Büros. Das treibt mich an. Und mir ist wichtig, dass die Leute wissen, dass sie mein Vertrauen geniessen. 

Wie wird sich der Wechsel an die Spitze auf Ihr Leben auswirken?

Wyss: Es wird anstrengender werden, davon gehe ich aus. Auf der anderen Seite wird es aber auch vielseitiger, und darauf freue ich mich. 

Wie bewältigen Sie Stress?

Wyss: Da gibts nur eins: Raus in die Natur, dann kommt die Energie zurück!

Joos Sutter, was war die wichtigste Lektion, die Sie als CEO gelernt haben?

Sutter: Eigentlich eine ganz einfache: Zuerst immer ein paar Mal tief durchatmen, wenn etwas Schwieriges kommt. (Lacht.) Ich habe es zwar auch nicht immer geschafft, aber es tut gut, wenn man Probleme mit einer gewissen Distanz betrachtet und in Ruhe darüber nachdenken kann. 

Philipp Wyss, was haben Sie sich für die berühmten ersten 100 Tage vorgenommen?

Wyss: Es ist klar, in den nächsten 100 Tagen wird es darum gehen, Coop geordnet aus der Pandemie zu führen. Unsere Restaurants sind zum Beispiel immer noch teilweise geschlossen und Mitarbeitende werden an anderen Standorten eingesetzt. Die grösste Herausforderung wird also sein, dass wir rasch und gestärkt aus dieser Situation rauskommen und schnell wieder voll für die Kundschaft da sind.

In welchem Zustand übergeben Sie Philipp Wyss das Unternehmen?

Sutter: Coop ist strategisch und finanziell sehr gut aufgestellt und gut für die Herausforderungen der Zukunft gerüstet. Das Wichtigste sind und bleiben aber die Menschen. Unser Team hat sich zum schlagenden Argument entwickelt. Die Herausforderungen werden gross bleiben, das ist klar. Aber Coop hat die Fähigkeit, sich schnell an neue Bedingungen anzupassen. Viele Lösungen liegen in der eigenen Unternehmung. Wenn man Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern sowie Kundinnen und Kunden gut zuhört, findet man sie auch. Die Fähigkeit zuzuhören und zu lernen, das macht uns stark.

Kurze Kaffeepause: Joos Sutter (r.) und Philipp Wyss besprechen sich beim Filialbesuch im Coop in Oftringen.

Sie sind jetzt Verwaltungsratspräsident von Coop. Was ist Ihnen wichtig?

Sutter: Zuallererst die Mitarbeitenden. Sie sind das Herzstück von Coop. Die Innovations- und Anpassungsfähigkeit der Organisation an neue Entwicklungen wird entscheidend sein. Es wird darum gehen, die richtigen Fähigkeiten, Fachkräfte bei Coop zu haben, welche sich auch voll und ganz mit unseren Firmenwerten identifizieren. Dazu gehören Nachhaltigkeit, Innovation und der Service. Die Digitalisierung wird uns stark beeinflussen, zentral bleibt dabei, die Bedürfnisse der Kundschaft nicht aus den Augen zu verlieren.

Wie wird sich Ihr Leben in Ihrer neuen Funktion als Verwaltungsratspräsident verändern? Werden Sie mehr Zeit fürs Fliegenfischen haben?

Sutter: Ich arbeite immer noch sehr gerne. So gesehen, gehe ich davon aus, dass meine Arbeitstage nicht viel kürzer werden. Was sich ändern wird, ist die Intensität und die Schnelligkeit der Themen, und das ist auch gut so. 

Philipp Wyss, worauf freuen Sie sich in Ihrer neuen Funktion am meisten?

Wyss: Auf die Vielseitigkeit von Coop. Vom Supermarkt über Body Shop bis zu unseren Restaurants; die Themenvielfalt ist riesig. Und dann freue ich mich natürlich sehr auf die Menschen und die neue Crew. 

Haben Sie auch Respekt vor der Aufgabe?

Wyss: Es ist schon so, dass ich nachts auch mal aufwache und über etwas nachdenke, worüber ich mir früher vielleicht keine Gedanken gemacht hätte. Aber ich freue mich auf das, was kommt. 

Joos Sutter, was ist Ihr Fazit nach zehn Jahren als CEO?

Sutter: Wir haben sehr gute Jahre hinter uns. Wir sind stark gewachsen, haben Marktanteile gewonnen und verfügen heute mit dem Detailhandel und dem Grosshandel/Produktion über zwei starke Sparten. Die Strategien haben sich bewährt und wir sind heute in den Wachstumsbereichen wie Nachhaltigkeit und Convenience klarer Leader. Dank einer innovativen und umsetzungsstarken Coop-Crew besetzen wir wichtige Trends früh. Die Non-Food-Formate entwickelten sich erfreulich und konnten ihre Marktanteile ausbauen. Wir setzen klar auf den stationären Handel und nutzen die Chancen im Online gezielt. Die starke Ausrichtung auf die Nachhaltigkeit und die konsequente Verfolgung unserer Strategien hat dazu geführt, dass wir als attraktiver und innovativer Arbeitgeber gelten. Deshalb haben wir heute eine sehr engagierte und loyale Crew in allen Bereichen. Dafür möchte ich mich bei allen Mitarbeitenden von Coop ganz herzlich bedanken.

Joos Sutter und Philipp Wyss, wir danken Ihnen für dieses Gespräch.