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Wandern

Im Angesicht der Viertausender

Crans-Montana verwöhnt seine Winterwanderer förmlich: Von kurzen Spaziergängen bis zu mehrstündigen Wandertouren haben die Walliser alles im Angebot.

27. Dezember 2019

 

Sie sehen richtig: Filmemacherin Andrea Meier (49) und ich sind hier mit Schneeschuhen unterwegs. Aber keine Sorge, wir haben die Sportart nicht gewechselt. Es geht in der Wanderrubrik nach wie vor ums Wandern – im Winter ums Winterwandern. Und Crans-Montana VS verfügt über ein riesiges Netz an Winterwanderwegen. Aber Anfang Dezember 2019, als wir für diese Reportage ins Wallis fuhren, lag erst wenig Schnee, und die Wege waren noch nicht präpariert. So mussten wir uns mit Schneeschuhen behelfen.

Wandern abseits der Pisten

Das kann allerdings dem, was Crans- Montana als Wanderdestination ausmacht, nichts anhaben: der Blick auf das Walliser Bergpanorama. Dent Blanche, Matterhorn, Zinalrothorn, Weisshorn und viele weitere Gipfel präsentieren sich den Wanderern von ihrer schönsten Seite.

Wir beginnen unsere Rundwanderung in Aminona. Von diesem östlichsten Gemeindeteil von Crans-Montana gibt es keine Bergbahn mehr ins Skigebiet und daher ist Aminona im Wesentlichen den Wanderern und Schneeschuhgängern vorbehalten. Man wandert abseits von Skianlagen und -pisten und hat die Natur für sich. Die Strasse, die hier als Wanderweg dient, steigt sanft an Richtung Weiler Crêta d’Asse. Fichten und Lärchen versperren anfänglich noch den Blick ins Val d’Anniviers und auf die Walliser Viertausender. Was man sieht, sind die vielen Flechten an den Bäumen. «Das ist ein Zeichen für gute Luft», erklärt Wanderleiterin Lori Bigler-Bumann (63), die uns auf der Rundwanderung begleitet. Sie kennt die Gegend gut und macht im Winter auch Schneeschuhtouren mit Gästen.

Von Gletschern geschaffene Ebene

Lärchenholz ist das Hauptbaumaterial für die Chalets im Wallis. Bearbeitet von Sonne, Wind, Wasser und Schnee, sind die Fassaden typischerweise auf der Südseite braun und auf der Nordseite grau. Beim Weiler Crêta d’Asse erkennt man, dass Crans-Montana auf einer kleinen Hochebene über dem Walliser Talboden liegt. «Der Rhonegletscher ist hier während der letzten Eiszeit auf die Gletscher der Seitentäler gestossen und hat den Talgrund und das Plateau geschaffen», erklärt Lori Bigler-Bumann. Im tiefen Winter führt die Wanderroute weiter hinauf zur Cave du Sex, wo der schöne Weg entlang der Suone, Bisse de Tsittoret, beginnt. Erotisch darf man von der Cave du Sex allerdings nicht zu viel erwarten, der Begriff «Sex» stammt vom lateinischen Wort saxum, der Fels.

Ein Spass für verspielte Gemüter, geht aber nur mit Schneeschuhen: Rennen im Tiefschnee.

Weil auf dem Suonenweg Anfang Dezember 2019 wenig Schnee, dafür Eis liegt, meiden wir ihn und nehmen die kürzere Route über L’Aprily. Nach rund 30 Minuten erreicht man so das Maiensäss Colombire, das heute ein Öko-Museum ist. Besucher – das Museum ist nur auf Reservation geöffnet – erfahren dort, wie die Menschen früher ihr Leben organisiert und im Laufe eines Jahres ihre vertikale Migration vollzogen haben: vom Dorf, wo sie im Winter lebten, ins Maiensäss (natürlich im Mai) und schliesslich auf die Alp, wo sie den Sommer verbrachten. Im Unterschied zu anderen Alpenregionen kennen die Walliser Bauern nicht nur drei, sondern vier Stufen: Mitte Februar bis Mitte April zogen die Familien mit den Tieren in tiefer liegende Orte und arbeiteten in den Rebbergen und Gärten. Die Kühe wurden dort auf die Weide gebracht. Bis Ende März ist in Colombire von 10 bis 16 Uhr jeweils auch das Restaurant geöffnet.

Die Arbeit der Eichhörnchen

Ab Colombire führt der Weg sanft abwärts. Kurz vor Plumachit biegen wir scharf nach links ab und folgen dem markierten Weg zurück nach Aminona. Hier sind wir wieder im Wald aus Fichten, Lärchen, Föhren und Arven. Auf dem Boden liegen viele Tannenspitzen: «Das Ergebnis der Arbeit der Eichhörnchen, die die Nüsschen herausbrechen», erklärt Lori Bigler-Bumann. Im Herbst werden die Nüsse von den Eichhörnchen als Vorrat vergraben, um diese im Winter zu nutzen. Die angelegten Lager müssen sie jetzt, wenn der Schnee hoch liegt, wiederfinden.