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«Jeder kann an seine Grenzen stossen»

Corona, Homeoffice, möglicher Lockdown, enge Wohnverhältnisse, Zukunftsangst. Führt das zu mehr häuslicher Gewalt? Susan A. Peter (61) vom Vorstand der Dachorganisation der Frauenhäuser Schweiz und Liechtenstein (DAO) gibt Antworten.

02. November 2020
Es gibt viel zu tun: Susan A. Peter kämpft für Opfer häuslicher Gewalt.

Es gibt viel zu tun: Susan A. Peter kämpft für Opfer häuslicher Gewalt.

Der Bundesrat hat empfohlen, sich möglichst wieder ins Home­office zurückzuziehen. Fürchten Sie, dass die Fälle häuslicher Gewalt nun ansteigen werden?

Im Frühling verzeichneten wir nicht während des Lockdowns einen Anstieg der Fälle, sondern danach. Das bedeutet allerdings nicht, dass es während dieser Phase weniger häusliche Gewalt gab. Man vermutet, dass die Betroffenen einfach nicht die Möglichkeit hatten, Hilfe zu holen. Einerseits, weil sie sich aufgrund der Corona-Situation wie in einer Art Schockstarre befanden, andererseits, weil sie dauernd unter Beobachtung standen, da alle Mitglieder des Haushalts fast ständig daheim waren.

Wann waren die Frauenhäuser denn voll?

Die Schweizer Frauenhäuser verfügen über total 300 Plätze. Diese könnten manchmal dreifach belegt werden, aber dann gibt es immer wieder Zeiten, in denen durchaus freie Betten vorhanden sind. Die Gründe für diese Belegungsschwankungen sind leider unbekannt.

Wie wirken sich die Corona-Pandemie und ihre Folgen aus?

Die Situation führt bei uns allen zu mehr Stress. Stress ist ebenso ein Risikofaktor für häusliche Gewalt wie Armut, Arbeitslosigkeit, Alkohol, Ohnmachts­gefühle, enge Wohnverhältnisse oder Angst vor der Zukunft.

Kann die Extremsituation Corona aus friedliebenden Menschen gewalttätige machen?

Ja. Es handelt sich dabei aber eher um den berühmten Tropfen, der das Fass zum Überlaufen bringt. Die Gewalt­bereitschaft ist in den betroffenen Haushalten allerdings sowieso schon hoch.

Wie kann man verhindern, dass es zu häuslicher Gewalt kommt?

Jeder und jede kann an seine oder ihre Grenzen stossen. Aus diesem Grund ist es sehr ratsam, sich bereits vorher eine Strategie zu überlegen: Was mache ich, wenn ich an den Anschlag komme und die Wut in mir aufsteigen fühle? Mög­liche Strategien sind zum Beispiel den Raum zu verlassen, Holz zu hacken, Joggen oder mit dem Hund Gassi zu gehen.

Wer sind die Opfer?

Menschen aus allen sozialen Schichten, Altersstufen und Kulturen. 80 Prozent sind Frauen und 20 Prozent Männer.

Die Schweizer Frauenhäuser kosten viel Geld. Wie finanzieren sie sich?

Sie erhalten keine Bundesgelder, sondern werden ausschliesslich durch die Kantone finanziert. Da diese Beiträge jedoch längst nicht alle Kosten decken, sind die Frauenhäuser auf Spenden angewiesen. Die Dachorganisation der Frauenhäuser Schweiz und Liechtenstein ist daher sehr, sehr dankbar für die Spendenaktion von The Body Shop. Doch nicht nur das Geld hilft der DAO, sondern auch die öffentliche Aufmerksamkeit für das Thema häusliche Gewalt, welche diese Aktion generiert. 

SPENDENAKTION

Einkaufen und Gutes tun

«Come together, act together» – unter diesem Motto lanciert The Body Shop Schweiz die neue Spendenaktion. Im November/Dezember spendet die Firma vom Erlös jedes verkauften Geschenks oder Adventskalenders zehn Rappen an die Dachorganisation der Frauenhäuser der Schweiz und Liechtenstein. Zudem kann man in allen Filialen auch ohne Einkauf direkt an der Kasse einen beliebigen Betrag spenden. CEO Adrian Känel (50): «Wir sind der Überzeugung, dass jede und jeder ein sicheres Zuhause haben sollte. Wir sind stolz, Teil dieser Kooperation gegen häusliche Gewalt zu sein.»

 

Weitere Informationen hier: https://www.thebodyshop.ch