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Berge so hoch – Gletscher so tief

Das grösste Gletschergebiet Eurasiens, eine 900 Meter dicke Eisschicht unter dem Konkordiaplatz, Heimat von neun Viertausendern: Das Unesco-Welterbe «Swiss Alps Jungfrau-Aletsch» bietet eine Fülle an Höhepunkten und Superlativen.

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Raphael Schmid
27. Juli 2020
Lang, sehr lang: Der Aletschgletscher ist mit 23 Kilometern der längste Gletscher Europas.

Lang, sehr lang: Der Aletschgletscher ist mit 23 Kilometern der längste Gletscher Europas.

Swiss Alps Jungfrau- Aletsch

Ausflugstipps im Welterbe

Buchbar über: www.welterbeticket.ch

  1. Gletscherwanderung: In Begleitung eines Bergführers vom Jungfraujoch in zwei Tagen via Konkordiahütte zur Fiescheralp VS wandern.
  2. Wasserfall: Im Berginnern das gurgelnde, schäumende und wirbelnde Wasser der Trümmelbachfälle im Lauterbrunnental erleben.
  3. Museum: Im World Nature Forum in Naters VS, dem modernsten Museum der Alpen, mehr über das Weltnaturerbe erfahren.

Wenn nicht jetzt, wann dann? Das Jahr der Corona-Krise ist möglicherweise der ideale Zeitpunkt für eine Fahrt auf das Jungfraujoch. Über eine Million Menschen besuchten in den letzten Jahren jährlich die höchstgelegene Bahnstation Europas auf 3454 Metern – weit mehr als die Hälfte davon waren ausländische Touristen. Von diesen werden 2020 viele fehlen. Das sorgt für Platz auf den Aussichtsterrassen sowie für eine freie Sicht. Und die Ausblicke von hier sind spektakulär. Beispielsweise jener auf den Aletschgletscher, dem mit 23 Kilometern längsten Eisstrom der Alpen. Oder jener zum Konkordiaplatz, wo drei Gletscher zusammenfliessen und eine rund 900 Meter dicke Eisschicht bilden.

Imposant: die Gletscherschlucht Rosenlaui im Reichenbachtal.

Der Konkordiaplatz gilt ausserdem als geografisches Zentrum des Unesco-Welterbes «Swiss Alps Jungfrau-Aletsch», das 2001 als erstes Naturerbe des Alpenraums in die Welt­erbeliste aufgenommen wurde. Laut Unesco stellt diese Region, die so gross wie der Kanton Jura ist, unter anderem eine der spektakulärsten Hochgebirgslandschaften der Welt dar und ist ein hervorragendes Beispiel für die Entstehung der Gebirge, der Gletscher sowie für den aktuellen Klimawandel. Und nicht zuletzt umfasst das Welterbe das grösste zusammenhängende Gletschergebiet Eurasiens – mit insgesamt rund 350 Quadratkilometern Fläche.

Über den Rand schauen

Die Gletscher, die mehr als 50 Gipfel mit über 3500 Metern und die neun Viertausender im Gebiet sind grösstenteils nur Alpinisten zugänglich. Das Welterbe lässt sich aber auch bestens von seinen Rändern aus erleben. Beispielsweise von Grindelwald BE oder Mürren BE aus – mit dem Blick auf Eiger, Mönch und Jungfrau, einem der meistfotografierten Alpenpanoramen. Zu den weiteren spektakulären Orten im Berner Oberland gehören etwa das Grimselgebiet, die enge Gletscherschlucht Rosenlaui im Reichenbachtal, das Lauterbrunnental mit seinen vielen hohen Wasserfällen oder der tiefblaue Oeschinensee oberhalb von Kandersteg BE.

Schwindelerregend: die Suone Wyssa im Walliser Gredetschtal.

Höhepunkte im Wallis sind beispielsweise die alten Wasserleitungen (Suonen) hoch über dem Rhonetal bei Visp oder die Felsensteppen an den Südhängen des Tals. Die Gräser, Büsche und Blumen, die dort aufgrund des sehr geringen Niederschlags gedeihen, findet man sonst nur in den Steppengebieten Osteuropas sowie zum Teil im mediterranen Raum. Und weiter das Rhonetal hinauf, liegen die Bel-, die Rieder-, die Bettmer- und die Fiescheralp, die sich direkt am Rand des Welterbe-Gebiets befinden. Auch von dort bieten sich atemberaubende Blicke über den Aletschgletscher bis zu Mönch und Eiger in der Ferne.