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Reportage

Der fliegende Holländer

Nein, fliegen kann Bruno Schläpfer eigentlich nicht. Aber er bringt die alten Holländer wieder zum Fliegen.

FOTOS
Christoph Kaminski
27. Juli 2020
Bruno Schläpfer  ist beim Tüfteln und Feilen in der Werkstatt ganz in seinem Element.

Bruno Schläpfer ist beim Tüfteln und Feilen in der Werkstatt ganz in seinem Element.

Manche Männer erleben nach der Pensionierung ihren zweiten Frühling und kaufen sich einen Sportwagen oder eine Harley-Davidson. Bei Bruno Schläpfer ist das ein wenig anders. Zwar haben es auch ihm Fahrzeuge angetan, aber die glänzen nicht mit Pferdestärken. Eher mit Arm- und Beinstärken. Schliesslich sammelt und restauriert der 67-Jährige in Wald im Zürcher Oberland begeistert alte Dreiräder und Trottinetts. Besonders die Cyclo-Skiffs, besser bekannt unter dem Übernamen «Holländer», haben es ihm angetan. Das sind eine Art flach konstruierter Kinderdreiräder, die mittels Schwenkarmen mit Ruderbewegungen in Schwung gebracht werden. Wahrlich kein alltägliches Hobby für einen munteren Pensionär.

«Plötzlich war meine Kindheit wieder da.»

 

Dabei hat die ganze Leidenschaft für die skurrilen Dreiräder schon vor gut sechzig Jahren angefangen. Und zwar mit einem Jass, wie Bruno Schläpfer erklärt: «Mein Vater war leidenschaftlicher Jasser. Zu meinem sechsten Geburtstag erspielte er sich kurzerhand den Holländer eines Gegners, dessen Bub dem Gefährt entwachsen war.» Damit ging für den kleinen Bruno ein Traum in Erfüllung. Denn so ein Holländer war quasi der Rolls-Royce unter den Dreirädern, wie Schläpfer weiss: «Der hat damals im Spielwarengeschäft ‹Franz Carl Weber› 130 Franken gekostet. Das war viel Geld, das hätten wir uns kaum einfach so leisten können. Ein normaler Arbeiter verdiente zu jener Zeit vielleicht 600 bis 700 Franken!» Ganz einfach war es nicht, mit dem neuen Gefährt fahren zu lernen. «Bis ich das begriffen habe und das erst noch auf dem holprigen Kopfsteinpflaster …» Doch irgendwann fiel der Zwanziger und dann war der kleine Bruno «der King». Bis dann vier Jahre später der Nachbar beim Parkieren mit seinem Auto dem Cyclo-Skiff das Leben aushauchte. Für den Jungen ging eine Welt unter.

Das gefällt dem Auge: Schläpfer liebt farbenfrohe Designs.

Später lernte Bruno Schläpfer dann Maschinenmechaniker. Doch die Arbeit in der Fabrik war nichts für ihn, wie er sagt: «Ich merkte schnell, dass ich mein eigenes Ding machen muss.» Also machte er sich mit 23 Jahren selbstständig und reparierte und verkaufte Motorgeräte. Von der Kettensäge über den Rasenmäher bis hin zum Schneemobil. Und das mit grosser Konsequenz: «Für Geld habe ich mich nie wirklich interessiert. Was mich nicht überzeugte, habe ich auch gar nicht erst angefasst.» Beim Holländer war das natürlich anders. Und als eines schönen Tages einmal ein arg desolater Cyclo-Skiff in seiner Werkstatt landete, hat es ihm unwillkürlich den Ärmel reingezogen. Oder wie er sagt: «Plötzlich war meine Kindheit wieder da.»

Bruno Schläpfer kümmert sich auch um die «Holländer» von Fabriken, die den Betrieb längst schon dicht machen mussten.

Heute ist Schläpfer wie gesagt pensioniert. Aber in seiner Werkstatt steht er noch jeden Tag. Motorsägen und Co. repariert er nicht mehr. Dafür stapeln sich die Cyclo-Skiffs in grossen Regalen, dazu kommen auch noch andere Dreiräder und Trottinetts, die allermeisten sind Schweizer Fabrikate, deren Hersteller schon lange die Türen schliessen mussten. So wie auch der Hersteller der Cyclo-Skiffs in Nyon VD.

«Ich hatte Glück, dass ich in meinem Alter gerade noch den Sprung ins digitale Zeitalter geschafft habe.»

 

Das macht die Arbeit an den ungewöhnlichen Dreirädern nicht einfach, auch wenn die Technik der Gefährte prinzipiell simpel und rein mechanisch daherkommt. Doch der Teufel steckt im Detail. Zum Beispiel bei den Ersatzteilen. Die gibt es nämlich weder für gute Worte noch für Geld. Woher auch? Und genau hier fängt Schläpfers Vergnügen an. Sein Erfindergeist ist genauso ausgeprägt wie seine Kreativität, wenn es um die Improvisation geht. Zum Beispiel bei den längst nicht mehr erhältlichen Reifen auf den schmalen Rädern. Also fertigt der Mechaniker diese kurzerhand selber an. In Vollgummiqualität aus Meterware. Was in der gewünschten Qualität und Farbe in der Schweiz niemand liefern konnte. Der findige Tüftler bemühte darum das Internet – «Ich hatte Glück, dass ich in meinem Alter gerade noch den Sprung ins digitale Zeitalter geschafft habe» – und wurde fündig. In China! Berührungsängste hatte er dabei keine, im Gegenteil: «Die Chinesen sind wirklich nette Kerle und auch schlau. Es ging keine zwei Wochen und ich hatte die Reifengummis im Haus.» Und das sogar in zeitgenössischem Weiss. Den passenden Industrie-Vulkanisierer, um aus der Meterware Reifen zu machen, hat er dann schnell gefunden, wie er erläutert: «Der klebt unheimlich stark. Einmal verklebte ich mir aus Versehen die Finger damit, das konnte ich nur mit Schmirgelpapier wieder entfernen.» Autsch!

Kontaktfreude ist hilfreich

So zieht das eine das andere mit sich. Denn selbstverständlich nützt so ein Pneu ohne Felge wenig. Und nach Jahrzehnten in Kinderhand sind unbeschädigte Felgen ein reiner Wunschtraum. Doch kontaktfreudig, wie Schläpfer ist, fand er auch hier eine Lösung. Respektive einen der wenigen Metalldrücker, die es in der Schweiz noch gibt. «Der presst mir aus Blechrondellen die zwei Radhälften in die richtige Form und schweisst sie punktgenau zusammen.»

Dreiräder in hoher Vollgummiqualität stapeln sich in Schläpfers Werkstatt.

Und da diese kleinen Gefährte nicht nur aus Rädern, sondern auch aus Chassis, Antriebseinheit, Sitz, Lenker, Radkappen und vielen weiteren Details bestehen, hat der muntere Tüftler mehr als genug zu tun, bis so ein Flitzer wieder nahezu neuwertig dasteht. Rechnen tut sich das kaum. Aber die Freude, die Schläpfer daran hat, ist sowieso unbezahlbar. Einzig selber fahren tut er sie nicht mehr, wie er selber sagt: «Die sind ja nur bis 75 Kilo Belastung zugelassen. Das geht heute leider nicht mehr. Es würde mich reuen, wenn da etwas kaputt geht.» 

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