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Die Zehn-Seen- Rundfahrt

Eine Tageskarte macht so einiges möglich: Zum Beispiel eine Reise zu den zehn grössten Seen quer durch die Schweiz. Und das kam so.

26. Oktober 2020

Die Idee entstand bei einem kühlen Bier in freundschaftlicher Runde. Die Frage: Ist es möglich, mit dem Zug so durch die Schweiz zu reisen, dass man an einem einzigen Tag die zehn grössten Seen der Deutsch- und der Westschweiz zu Gesicht bekommt? «Nein», sagte der eine, ein an sich sehr netter Kerl, aber ein ebenso unverbesserlicher Autopendler. «Dazu reicht die Zeit nicht. Und die Hälfte der Anschlüsse verpasst du wegen Verspätungen sowieso.» Der Journalist, seines Zeichens eingefleischter Bahnpendler, fühlte sich herausgefordert: «Würde mich doch wundern, wenn das im Bahnland Schweiz nicht möglich wäre.» Die Wette galt, und so machte er sich tags darauf ans Planen.

«Die Hälfte der Anschlüsse verpasst du wegen Verspätungen sowieso.»

 

Ausgangs- und Endbahnhof soll Olten SO sein! Natürlich. Der Eisenbahnknotenpunkt drängt sich als Startpunkt für eine solche Reise ja auf. Und schon bald ist klar: Strebt man eine möglichst kurze Reisezeit an, schafft man die zehn Seen problemlos. Allerdings, die attraktivsten Strecken befährt man dabei nicht. Also nutzen wir die zeitliche Reserve, um der Reise etwas Sinnlichkeit angedeihen zu lassen. Statt nach der Startetappe Olten–Lausanne VD über Bern oder via Lötschberg an den Thunersee und von dort nach Luzern zu rasen, entscheiden wir uns für den «Golden Pass» über Montreux VD, Zweisimmen BE, Spiez BE, Interlaken BE. Höhepunkt: die Fahrt im nostalgischen Panoramic-Express von Montreux nach Zweisimmen BE. Und statt in Rorschach SG den Bodensee nur kurz zu «berühren» und über St.Gallen wieder nach Olten zu sausen, gönnen wir uns die Strecke Rorschach–Romanshorn TG dem Schwäbischen Meer entlang.

Mit der Zentralbahn von Interlaken Richtung Luzern.

Eine weitere Alternative wäre, die schnelle Strecke Luzern–Thalwil ZH–Sargans SG durch die etwas beschaulichere Fahrt mit dem Voralpen-Express von Luzern via Arth-Goldau SZ und Rothenthurm SZ bis Uznach SG zu ersetzen und von dort mit der S-Bahn über Sargans nach Rorschach SG zu reisen.

Theorie und Praxis stimmen überein

So weit, so gut. In der Theorie steht die Reise: Start in Olten um 6.02 Uhr, Rückkehr um 20.38 Uhr. Da bleiben also locker zwei, drei Stunden Reserve für einen Spaziergang an einem See oder ein gemütliches Mittagessen in Interlaken – oder eben einen verpassten Zug. Und wie sieht es in der Praxis aus? Genauso wie in der Theorie. Die Fahrt im IC nach Lausanne erinnert noch nicht sehr an einen gemütlichen Zugsplausch: zu viel Business bei den Passagieren. Weiter nach Montreux: nicht viel besser. Doch dann beginnt das Vergnügen: Der besagte Panoramic-Express mit seinen Belle-Époque-Wagen wartet. Und da lernt der Journalist etwas Neues: Auch Eisenbahnen haben Geschwister. Schwester der Montreux-Berner Oberland-Bahn ist seit drei Jahren die Nankai Electric Railway in Japan – so stehts auf den Wagen geschrieben.

Montreux, 8.47 Uhr: 

Im Belle-Époque-Wagen im «Golden Pass» gehts hoch über den Genfersee Richtung Berner Oberland.

Es folgt der schönste Teil des Tages. Durch Kehrtunnel, wie man sie von der Albula- und Gotthard-Linie kennt, schraubt sich der Zug hoch über den Genfersee, und hinter den Bergen gehts runter nach Zweisimmen. Berner Oberland pur, und das setzt sich im Zug nach Spiez und dann nach Interlaken fort. Es ist kurz nach Mittag, und der planmässige Aufenthalt von über 30 Minuten in Interlaken lässt den Gedanken an ein Picknick oder einen Spaziergang entlang des Wassers aufkommen.

«Zwölf Züge, elf Mal umsteigen – null Verspätung, null verpasste Züge.»

 

Noch die genussvolle Fahrt über den Brünig nach Luzern, und danach ist die Reiseroute wieder deutlich urbaner. Zug, Baar ZG, Thalwil, Wädenswil ZH, Walensee, Sargans und von dort nach Rorschach: Aus dem Siedlungsgebiet kommt man kaum mehr heraus. Eine kurze Fahrt dem Bodensee entlang, dann bietet sich in Romanshorn die letzte Gelegenheit, noch einmal an einem See zu flanieren und vielleicht eine der Reservestunden zu investieren. Denn von Verspätungen und verpassten Anschlüssen, wie sie der autofixierte Freund vorausgesagt hat, keine Spur. Und das soll sich auch auf der letzten Etappe über Zürich zurück nach Olten nicht mehr ändern. Zwölf Züge, elf Mal umsteigen – null Verspätung, null verpasste Züge. Wette gewonnen! 

Die Zehn-Seen-Fahrt

Der Fahrplan der Reise

Olten ab 06:02
Lausanne an 07:45
  ab 07:50
Montreux an 08:10
  ab 8:44
Zweisimmen an 10:52
  ab 11:02
Spiez an 11:47
  ab 12:05
Interlaken an 12:28
  ab 13:04
Luzern an 14:55
  ab 15:35
Thalwil an 16:12
  ab 16:21
Sargans an 17:21
  ab 17:36
Rorschach an 18:21
  ab 18:24
Romanshorn an 18:43
  ab 18:48
Zürich an 19:55
  ab 20:03
Olten an 20:38