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Tourismus

Eine Seereise der Spitzenklasse

Wer sich den Traum einer Reise über den Atlantik an Bord der Queen Mary 2 erfüllt, erlebt britisches Flair und viel Eleganz. Für die Autorin ist es eine Reise auf den Spuren ihrer eigenen Mutter.

02. März 2020

 Die Queen Mary 2 verkehrt nicht nur zwischen Europa und den Vereinigten Staaten, sondern weltweit.

Heute ist eine Transatlantikpassage eine geruhsame Vergnügungsreise. Das Schiff fährt langsam, es kommt nach sieben Nächten in New York an. Früher ging es darum, den fernen Kontinent möglichst rasch zu erreichen, die Ozeandampfer jagten Rekorde, die kürzeste Fahrt dauerte vier Tage. Lange waren es vor allem europäische Auswanderer, welche so in die verheissungsvollen Vereinigten Staaten fuhren. 

Eine solche Auswanderin war meine Mutter. Mit 29 Jahren brach sie 1948 mit dem Schiff von Le Havre (F) nach New York auf. Gern hätte sie der Innerschweiz und der Konditorei ihrer Eltern schon früher den Rücken gekehrt, doch im Zweiten Weltkrieg war das schlecht möglich gewesen und danach musste sie lange auf ihr Visum warten. Eine Tante und ein Onkel lebten schon in Kalifornien. Nach deren Sommerferien im Kanton Uri reiste meine spätere Mama mit ihnen den weiten Weg nach San Francisco. Nur zwölf Autos kamen ihnen auf der Fahrt von Altdorf ins kriegsversehrte Le Havre entgegen. Dort waren die Hafengebäude noch nicht wiederaufgebaut, die Passagiere mussten auf ihren Überseekoffern sitzend auf die Ankunft der SS America warten. 

Die Mutter der Autorin und ihre Tante warten aufs Schiff, das sie  nach New York bringt.

Der Blick aufs Meer

Anders als auf der Queen Mary 2 (QM2) wird es an Bord des Schiffs kaum ein grosses Tages- oder Abendprogramm gegeben haben. Mama wird gelesen, aufs Meer hinausgeschaut und sich ihre Zukunft ausgemalt haben. All das kann man heute natürlich immer noch tun. Doch die QM2-Reederei Cunard mag nicht darauf vertrauen, dass dies allein die Gäste glücklich macht: Sie stellt täglich über 90 Angebote auf die Beine! Es gibt so viel zu tun, dass man glatt vergessen könnte, das Meer anzuschauen.

Meine Mama reiste mit der Konkurrenz: Eine amerikanische Reederei hatte die SS America gebaut, um die erfolgreiche britische Cunard-Line zu konkurrenzieren. Die Ozeanschiffe waren schon damals mit Schwimmbad und Promenade-Deck ausgestattet. Die ganz grosse Zeit dieser Schiffe dauerte bis Ende 1950er-Jahre. Danach reisten Auswanderer und Geschäftsleute eher mit dem Flugzeug über den Atlantik. 

 Ein Höhepunkt der Transatlantikreise mit der Queen Mary 2 ist die Einfahrt in New York.

Tanzen muss sein

Eine Frau wie die 60-jährige Berlinerin Gisela hätte meine Mama auf ihrer Überfahrt nach New York schwerlich getroffen. Gisela hat ihre erste Schiffsreise auch mit knapp 30 unternommen. Sie war begeistert, und seither sind Kreuzfahrten ihre Passion. Wann immer es ihr Budget zulässt, ist die einstige Lehrerin auf See – und das ist zwei bis drei Mal jährlich. «Wenn dir dieset Virus packt, denn kannste eenfach nüscht dajejen tun!», erzählt sie auf gut Berlinerisch an unserem Tisch auf der QM2. 

Nach dem Dinner geht sie meist tanzen. Gross war ihre Freude, als sie im Ballsaal Richard (65) wiedersah, der am selben Virus «leidet». Er und sein Lebenspartner sind ebenfalls Habitués auf der Queen Mary 2. «Er tanzt so gut, dass er sich von schlechten Tänzerinnen fernhält», sagt Gisela trocken. Für sie sei das ideal, so ist sie nicht auf die QM2-«Dance Hosts» angewiesen, welche die Cunard-Line beschäftigt. Diese führen tanzfreudige soloreisende Frauen auf die Tanzfläche. 

 Einige der Kellner im Britannia Restaurant.

Am zweiten Abend lädt der Kapitän zum Cocktail ein. Christopher Wells (63) ist erfahren und eloquent. Er stellt den Passagieren die höheren Chargen seines Teams vor; Gisela nennt die Senior Officers augenzwinkernd «Streifenhörnchen». Fast 1300 Crewmitglieder sorgen für das Wohl der nicht ganz 2600 Gäste. Auf dieser Fahrt reisen seitens der Passagiere 35 Nationalitäten mit: Mehr als die Hälfte sind Engländer, dann folgen Amerikaner und Kanadier. Aus dem deutschsprachigen Raum sind wir nicht ganz 100, ebenso viele kommen aus Frankreich und Belgien. Die Bordsprache ist klar Englisch, aber die Reden und Durchsagen des Kapitäns werden jeweils auf Deutsch und Französisch übersetzt. 

Kapitän Wells fährt die Queen Mary 2 seit elf Jahren. «Vom Weltall aus sieht die Erde mit den vielen Ozeanen bekanntlich blau aus», sagt der Engländer. Doch seiner Erfahrung nach präsentieren sich die Meere viel öfter gräulich als bläulich. Deutlich mehr Glanz und Farbe als beim Blick nach draussen ortet Wells im Innern des Schiffes. «Isn’t it glorious in here?», fragt er strahlend und deutet im festlichen Ballsaal auf die Kristallleuchter und uns Anwesende, die in Abendroben den prickelnden Champagner geniessen. 

Hinter den Kulissen

Die Kapitäns-Sekretärin heisst Opika Rai. Die 31-jährige Nepalesin lebt in Mumbai, wo sie sich an einer Hotelfachschule zur Managerin hat ausbilden lassen. Alles, was sich auf der Queen Mary an Wichtigem ereignet, läuft über sie. «Diesmal wird ein Paar an Bord heiraten», verrät sie mir. Wie die ganze Crew arbeitet sie pro Woche sieben Tage à gut zehn Stunden und hat nach vier bis fünf Monaten acht Wochen frei. Sie wirkt überaus engagiert, betont aber, dass sie darin keine Ausnahme sei: «Wir werden laufend geschult, damit wir immer noch besser werden.»

Dass die mehrheitlich aus den Philippinen stammende Mannschaft speziell zuvorkommend und die Queen Mary ein besonders elegantes Schiff sei, höre ich auch von den Kreuzfahrt-Habitués unter den Passagieren immer wieder. Vom Essen schwärmen wir alle. 

Hinter den Kulissen bietet die «Behind the Scenes Tour» (gegen Bezahlung von 120 Dollar) einen Einblick in die Welt der vielen Werktätigen. Da sind die riesigen, blitzblanken Küchen, das Deck mit den Ankern, das Reich des Kapitäns, die Brücke. Speziell spannend ist es im Maschinenkontrollraum, wo Chefingenieur Colin McIntosh das Funktionieren der vier Stabilisatoren sowie der Elektro- und Dieselmotoren erklärt. «Die Abgase des Schweröls reinigen wir hier an Bord», sagt der 45-jährige Schotte. Wie auf allen Ozeanschiffen wird Umweltschutz auch auf der Queen Mary 2 immer wichtiger. Bei den Lebensmitteln verzichtet man wo irgend möglich auf Plastikverpackungen, aus Essensresten werden kleine Pellets für die Meerestiere. 

Von Menschen und Hunden

Sich mit anderen Passagieren zu unterhalten gehört ebenfalls zu den Reizen einer Schiffsreise. Für die Mehrzahl der Gäste, die ich kennenlerne, war es nicht wie für mich die erste Kreuzfahrt, sondern ungefähr die 20. Die Begeisterung der oft ziemlich betagten Aficionados kann zwar ansteckend wirken, doch – zusammen mit etwas Champagner und Wellengang – können einem ob all der Vergleiche all die Schiffe und Routen fast ein bisschen durcheinander geraten …

 Oliver, der Leiter der Hunde-Abteilung der QM2, mit dem Berner Sennenhund Watson.

Die Queen Mary 2 nimmt als einziges Passagierschiff auch Hunde mit auf die Reise über den Atlantik. Oliver (38) von den Philippinen leitet die Abteilung. Bis zu 24 Hunden bietet er eine luxuriöse Heimstatt. Die Hundebesitzer können mehrmals am Tag zu ihren Lieblingen rein in die Kennel-Lounge, eine Art Bungalow auf dem Deck im zwölften Stock. Beim Fototermin lerne ich Watson (3) kennen, einen Berner Sennenhund, der einem amerikanischen Paar gehört. Vor einem Jahr reisten Cate und Caylor (beide 30) mit Watson von den USA nach Europa, jetzt geht es zu dritt retour nach Hause. «Natürlich haben wir ihm in Europa auch Bern gezeigt», sagt Cate. «He loved it!», sagt Caylor.  

Das Tor in die neue Welt

So lustig die Begegnungen und so fein die Speisen und Programme – das grossartige Finale dieser Schiffsreise ist die Ankunft in New York. Nie fühlte ich mich meiner Mama so nah wie am frühen Morgen des siebten Tages, als ich vom Balkon meiner Kabine aus am Horizont die ersten Lichter brennen sehe. Ich stelle mir vor, was Mama wohl durch den Kopf ging beim Anblick des ersten Streifens amerikanischen Landes oder dann etwas später beim überwältigenden Anblick der Hochhäuser New Yorks. 

Anders als ich heute, konnte sie nicht im Hafen aussteigen, sondern musste auf Ellis Island von Bord gehen. Zwischen 1890 und 1954 mussten Millionen von Einwanderern das Einreise-Prozedere auf der kleinen Insel durchlaufen. Zehntausende wurden abgewiesen. Doch hier in Ellis Island schafften die Vorfahren von mehr als einem Drittel der heutigen «Yankees» den Anfang ihres «American Dream». Meine Mama durfte hinein – und nach viereinhalb wunderbaren Jahren in San Francisco auch wieder zurück in die Schweiz. 

Und ich kann auf Ellis Island die Gebäude der Einreisebehörde besuchen, wo damals dieser Entscheid fiel. Denn Ellis Island ist heute ein von Manhattan aus per Schiff bequem erreichbares Museum. 

Das Reisebüro Cruisetour hat die Autorin auf die Schiffsreise und nach New York eingeladen. 

Über den Atlantik

Mit der Queen Mary 2

Das Reisebüro Cruisetour in Zürich bietet die Transatlantikpassage auf der Queen Mary 2 regelmässig an. Für die Reise vom 2. bis 13. Oktober 2020 gibt es Innen- und Aussenkabinen, mit und ohne Balkon, sowie Suiten. Inkl. Anreise nach Southampton und drei Hotelübernachtungen in New York sowie dem Rückflug nach Zürich kostet dies pro Person in einer Balkonkabine Fr. 3440.–. In einer Innenkabine zahlt eine Person für dasselbe Angebot Fr. 2790.–. Wer alleine reist und die Innenkabine nicht teilen will, zahlt Fr. 4790.–, für die Balkonkabine Fr. 5990.–. Eine Aussenkabine mit Balkon auf der Queen Mary 2. 

Weitere Informationen hier: https://www.cruisetour.ch/transatlantik

Einige Eindrücke der Schiffsreise

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Queen Mary Tipps: Vom Afternoon-Tea zum Gala Dinner

Die Queen Mary 2 gilt weltweit als stilvollstes Passagierschiff. Was heisst das?

Kleidung: Tagsüber kann man tragen, was man will. «But as the sun goes down, the style goes up». Anders gesagt gilt es abends garderobemässig aufzurüsten. Ab 18 Uhr ist in den meisten Bars und Restaurants «smart attire» verlangt, also formelle Kleidung: Männer sollten gepflegte Hosen und ein Jackett anziehen, Frauen elegante Hosen oder einen schicken Rock. An drei von sieben Abenden gibt es Gala Dinners. Da erscheinen die Frauen in Abend- oder Cocktailkleidern und Männer im Smoking oder dunklen Anzug mit Fliege oder Krawatte. Wer es locker haben will, kann sich – frei von Kleidervorschriften – im Selbstbedienungsrestaurant verpflegen. Doch der stilvolle Auftritt im grossen Britannia Restaurant, wo man an den reservierten Tisch geleitet und wunderbar bedient wird, ist Challenge und Vergnügen zugleich. 

Das Schiff: Die Queen Mary 2 ist 345 Meter lang und über 70 Meter hoch. Sie hat 13 Decks; besonders schön ist das rundumlaufende Promenadendeck. Es gibt vier Pools und fünf Spas, ein Kino, das zum Planetarium werden kann, und ein Theater. Der Afternoon-Tea wird von weiss-behandschuhten Kellnern im Ballsaal serviert, wo abends das Tanzen stattfindet.

Tanzen: Auf Kreuzfahrten sind viele, aber nicht alle Gäste Paare, denn auch Solo-Reisende können eine Schiffsreise durchaus geniessen. Da es meist mehr tanzwillige Frauen als Männer gibt, beschäftigt die Cunard Line «Dance Hosts», welche diese auf der Tanzfläche begleiten. Kennenlernen kann man die Hosts (und andere Ko-Passagiere) an den täglichen «Solo Traveller’s Coffee»-Treffen. 

Aktivitäten: Das Bordprogramm ist unglaublich vielfältig. Man kann Sport treiben, im Chor singen, Bridge oder Malen lernen, sich endlos pflegen und verschönern lassen oder ganz viel über Ozeanschiffe lernen. Man kann einkaufen oder sich in der schönen und weltweit grössten Schiffsbibliothek verlustieren. Die meisten Angebote sind im Preis inbegriffen.

Seekrankheit: Da der Nordatlantik ganz schön wild sein kann, empfiehlt es sich, Medikamente gegen Reisekrankheit mitzunehmen. Als erste Massnahme kann man Akupressur-Sea-Bands um die Handgelenke tragen. Mindestens der Placeboeffekt ist garantiert. Wenn hohe Wellen angesagt sind, sollte man keinen Alkohol trinken, nicht lesen, sondern den Blick weit hinaus zum Horizont schweifen lassen. 

Sprache und Bezahlung: Die Bordsprache ist Englisch, aber es wird viel auf Deutsch (und Französisch) übersetzt, so etwa die Durchsagen des Kapitäns, der täglich die Position des Schiffs und die Wetteraussichten bekannt gibt. Was nicht inbegriffen ist (Wein, Massagen etc.) bezahlt man mit der Tür- und Bordkarte, auf die man anfangs 100 Dollar lädt. 

Zeitverschiebung: Nach der Ankunft in England stellt man die Uhr eine Stunde zurück. Auf dem Schiff gewinnt man an fünf der sieben Nächte eine weitere Morgenstunde dazu. So kommt man ausgeruht und mit perfekt eingestellter innerer Uhr in New York an.