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Wandern

Gratweg im Ländle

Zwischen Liechtenstein und Österreich finden Wanderer einen spannenden Gratweg, der ohne grössere Schwierigkeiten zu meistern ist. Eine Gelegenheit, das Ländle wandernd zu erkunden.

FOTOS
Andrea Meier, Karte Janina Noser
VIDEO
Andrea Meier
29. Juni 2020

STECKBRIEF

Wandern im Ländle

An-/Abreise: Mit Zug und Bus via Sargans SG und Vaduz (FL) nach Malbun (FL). Zurück ab Steg, Tunnel via Vaduz und Sargans. Tour für zwei Tage.
Schwierigkeit: anstrengend
Technik: 4 von 5
Kondition: 4 von 5
Strecke: 16,5 km
Dauer: 7 Std. 45 Min.
Aufstieg: 1400 m
Abstieg: 1725 m

Boah! Auf dieser Wanderung hat uns Gina so richtig gefordert. Der Aufstieg von Malbun (FL) über den Augstenberg zur Pfälzerhütte geht in die Beine. Und Filmemacherin Andrea Meier (50), die mich begleitet und den Film zur Wanderung gemacht hat, ist mit ihrer Höhenangst an ihre Grenzen gestossen. Ein paar Stellen des Gratwegs sind exponiert und steil und deshalb mit Seilen gesichert. Für erfahrene Wanderer kein Problem, aber wer unter Höhenangst leidet, muss sich durch solche Passagen hindurchkämpfen – oder sie vermeiden. Gina ist übrigens keine Wanderleiterin und auch nicht unsere Personal Trainerin, sondern die 1989 verstorbene Fürstin von und zu Liechtenstein, die im Fürstentum Liechtenstein äusserst beliebte Mutter des heute regierenden Fürsten Hans-Adam II. Ihr zu Ehren wird der Wanderweg Fürstin-Gina-Weg genannt.

Der Weg startet an sich in Malbun. Wer sich jedoch die ersten 400 Höhenmeter ersparen will, der kann von Malbun mit dem Sessellift nach Sareis fahren und ist dort schon einmal auf 2000 Meter über Meer. Andrea Meier und ich haben uns für die etwas anstrengendere Variante entschieden und sind in Malbun gestartet. Wir haben geplant, unsere fast achtstündige Tour zum Naafkopf und zurück mit 1400 Höhenmetern nicht an einem Tag zu machen, sondern ihn in der Pfälzerhütte zu unterbrechen. Am nächsten Morgen wollen wir auf dem Dreiländergipfel, dem Naafkopf, den Sonnenaufgang geniessen.

Steile, aber gesicherte Passagen

Die ersten Kilometer ab Malbun sind noch einfach zu gehen. Ein breiter Forstweg, später ein einfacher Wanderweg inmitten von Bergföhren führen hinauf zum Sareiserjoch. Hier beginnt der eigentliche Gratweg. Rechts im Tal liegt Malbun, links das österreichische Gamperdonatal, und auf dem Grat ist der Weg. Richtung Spitz (2186 m ü. M.) wird es schon etwas anspruchsvoller. So richtig steinig und steil ist dann aber der Aufstieg zum Augstenberg (2359 m ü. M.). Über steile Geröll- und Felspartien erklimmen wir diesen Zwischengipfel, von dem man einen tollen Ausblick geniesst. Nach einem etwa 30-minütigen Abstieg erreichen wir schliesslich die Pfälzerhütte, unser Tagesziel. Auch dieser Abstieg ist stellenweise steil, aber an den ausgesetzten Stellen gut gesichert.

Sonnenaufgang auf dem Naafkopf

Die Pfälzerhütte liegt am Fuss des Naafkopfs auf dem Bettlerjoch. Sie gehört dem Liechtensteiner Alpenverein, ist aber mehr als eine Berg-Hütte. «Im Fürstentum ist sie so etwas wie ein Nationalheiligtum», meint Hüttenwart René Keel (55). Ihre Lage am Dreiländereck und direkt am Fürstin-Gina-Weg machen sie zu einem beliebten Ausflugsziel. Die verstorbene Fürstin Gina ist den Weg selber oft gegangen und war häufiger Gast auf der Pfälzerhütte.

Die Pfälzerhütte oberhalb von Malbun.

Der Sonnenaufgang, den Frühaufsteher vom Naafkopf aus sehen.

Der Sonnenaufgang auf dem Naafkopf ist etwas für Frühaufsteher. Der Gipfel ist von der Pfälzerhütte in einer guten Stunde zu erreichen. Bei Sonnenaufgang um 6.30 Uhr heisst das: Abmarsch um 5.30 Uhr. Der Weg ist steil, und eine Passage ist etwas ausgesetzt und erfordert Schwindelfreiheit. Nach einem schneereichen Winter, wie es der letzte war, können am Naafkopf Ende Juni sogar noch Schneefelder liegen. Bei unserem Besuch letzte Woche war das so. Die Stelle ist aber problemlos zu überqueren. Wer mit Wanderstöcken unterwegs ist, hat hier auf jeden Fall eine zusätzliche Stütze. Als wir nach einer knappen Stunde oben sind, schiebt sich grad die Sonne zwischen Fundelkopf und Windeggerspitze über den Horizont und taucht das österreichische Gamperdonatal in ein wunderbares Licht. Fast hätten wir ob dem Sonnenspektakel die beiden Steinböcke übersehen, die am Grat neben uns die wärmenden Strahlen erwartet haben.

Fantastischer Rundumblick

Vom freistehenden Gipfel des Naafkopfs haben Wanderer einen fantastischen Rundumblick. Man sieht ins Prättigau GR, erkennt Chur GR und sieht im Süden bis zum Berninamassiv. Der Säntis im Westen ist zu sehen, die Churfirsten und die Glarner und St. Galler Alpen. Die Hauptmotivation, den Gipfel und dieses Panorama wieder zu verlassen, sind der Hunger und die Aussicht auf das Frühstück in der Pfälzerhütte.

Für den Abstieg ins Tal verlassen wir den Fürstin-Gina-Weg und folgen dem Liechtensteiner Panoramaweg. Er ist Teil der europäischen Via Alpina, auf der man die Alpen von Triest bis Monaco durchqueren kann, wenn man möchte. Die ganze Route ist eher etwas für Hartgesottene. Aber der Liechtensteiner Panoramaweg lässt sich gut bewältigen. Man steigt übers Naaftal ab und folgt dann der Bergflanke des Val Valüna. So erreicht man in gut drei Stunden ohne weitere Schwierigkeiten oder Herausforderungen Steg, von wo der Bus nach Vaduz fährt.