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Reportage

Himmelszeichen

Im Sommer schauen wir gerne den Wolken nach. Wie von Zauberhand verwandeln sie sich in alles, was wir uns vorstellen. Vor allem aber zeigen sie uns an, wie das Wetter wird. Alexander der Grosse hatte das aber nicht nötig.

28. Juni 2020
Sie sehen aus wie  Striche, dünn und  faserig. Cirren sind Schönwetterwolken und treten in 8 bis 12 Kilometer Höhe auf. Sie bestehen aus Eiskristallen. Wenn sie sich verdichten, können sie ein Anzeichen für eine Warmfront (Niederschlag) sein.

Sie sehen aus wie Striche, dünn und faserig. Cirren sind Schönwetterwolken und treten in 8 bis 12 Kilometer Höhe auf. Sie bestehen aus Eiskristallen. Wenn sie sich verdichten, können sie ein Anzeichen für eine Warmfront (Niederschlag) sein.

Die Kelten hatten ja vor gar nichts Angst. Ausser, dass ihnen der Himmel auf den Kopf fällt. Das wissen wir nicht nur seit den berühmten Abenteuern der Comic- Helden Asterix und Obelix. Das sollen die Kelten auch zu König Alexander dem Grossen (356–323 v. Chr.) gesagt haben, als sie sich zu einer Unterredung trafen.

«Mehr als fünfzig Prozent der Erdoberfläche sind mit Wolken bedeckt.

 

Aber damals wie heute muss natürlich keiner Angst haben, dass ihm der Himmel wirklich auf den Kopf fällt. Viel eher sind es die Wolken, die uns auf den Kopf fallen. Ja, ausgerechnet die Wolken, die wie feine Watte aussehen! Sie sind nämlich tonnenschwer. Und «tonnenschwer» ist eigentlich nicht einmal der Vorname: «Eine Wolke mit einem Volumen von einem Kubikkilometer wiegt rund 1000 Tonnen. Das entspricht ungefähr dem Gewicht von 800 Autos», sagt Sarah Ruiswijk (25). Sie wollte schon als Kind Meteorologin werden und arbeitet heute beim Schweizer Online-Wetterdienst «meteoblue». Privat wie beruflich studiert sie gerne Wolken und fotografiert sie für ihre Sammlung.

Durch Wolke sieben schwimmen

Ein Kubikkilometer, das ist ein Würfel mit einem Kilometer Seitenlänge. Das klingt nach viel, aber: «Das ist die Grösse einer ganz normalen Cumulus-Wolke, also einer Schönwetterwolke.» Verantwortlich für dieses Gewicht sind Milliarden Wassertropfen. «Die Wolke fällt nicht vom Himmel, weil sie aus einzelnen Tröpfchen besteht, die so leicht sind, dass sie schweben können», erklärt Sarah Ruiswijk.

Cumulus-Wolken sind dichte, scharf voneinander abgegrenzte Haufenwolken in 0,6 bis 2 Kilometer Höhe. Für Segelflieger sind Cumuli ein Zeichen für Aufwinde. Dieser Typ ist eine Schönwetterwolke, die sich aber zu einer Cumulonimbus-Wolke wandeln und Schauer bringen kann.

Wären die Tröpfchen einer solchen Cumulus-Wolke miteinander verbunden, könnten sie sich nicht in der Luft halten. «Das wären etwa 1 000 000 Liter Wasser», so die Expertin. Damit könnte man ein Schwimmbecken von 30 Meter Länge, 12 Meter Breite und 3 Meter Tiefe füllen. Die Redensart «auf Wolke sieben schweben» sollte demnach eher «durch Wolke sieben schwimmen» heissen.

Doch irgendwann fallen uns die Wolken, wie gesagt, tatsächlich auf den Kopf. Meistens in Form von wenig schmerzhaftem Regen oder Schnee. Eisregen oder Hagel hingegen können uns Menschen oder auch Gebäuden – und nicht zuletzt den Autodächern – Schaden zufügen.

Ein Feld aus vielen kleinen Wolken in 2 bis 8 Kilometer Höhe. Dieser Typ besteht vorwiegend aus Wasser, bei tiefen Temperaturen gibt es auch Eiskristalle. Altocumuli weisen auf horizontale Strömungen hin, bringen jedoch (meist) keinen Regen.

Bringt Regen oder Schnee, stunden- oder tagelang. Die Cumulonimbus ist eine Gewitterwolke, die aus einer Cumulus-Wolke entsteht. Sie kann bis zu 12 Kilometer hoch werden und 100 Millionen Tonnen Wasser enthalten. Bringt heftigen Niederschlag, Hagel und Sturmwinde.

Regen entsteht nicht, weil die Wolke zu schwer wird. Für Regen braucht es mehr. «In der Höhe schweben neben den Tröpfchen noch andere Teilchen, zum Beispiel Staub und Russ. Das sind Kondensationskeime. An diesen Partikeln setzen sich die Wassertröpfchen der Wolken fest. «Sie werden schwerer und schwerer, bis sie vom Himmel fallen. Dann regnet es», weiss Sarah Ruiswijk.

Diese grauen Schichtwolken in 2 bis 8 Kilometer Höhe enthalten sowohl Eiskristalle als auch Wassertropfen. Sie sind ein Hinweis auf Niederschlag innerhalb der nächsten Stunden.

Diese Schichtwolken sind völlig strukturlos. Sie treten in 0 bis 2 Kilometer Höhe auf und bestehen aus Wassertröpfchen. Stratus-Wolken gibt es häufig bei Hochdruck und geringer Luftbewegung. Sie bringen keinen Niederschlag, höchstens Sprühregen.

Das ist natürlich sehr vereinfacht erklärt, denn es gibt verschiedene Typen von Wolken, etwa Eiswolken und Wasserwolken, und sie können sich in ihrer Höhe stark unterscheiden. Das beeinflusst die Regenbildung . «Gibt es weniger Kondensationskeime, weil die Luft sauberer ist, bleibt die Regenmenge trotz dichter Wolken kleiner.» Deshalb sind Regenvorhersagen sehr schwierig und nicht immer zuverlässig. Am liebsten mögen wir jedoch die Wettervorhersage «Sonnenschein und kein Wölkchen am Himmel». Oder höchstens noch Schäfchenwolken. Doch wir sollten uns auch über einen bewölkten Himmel freuen.

Wolken sind Leben

Sarah Ruiswijk: «Anhand von Satellitenbildern kann man sehen, dass mehr als fünfzig Prozent der Erdoberfläche ständig mit Wolken bedeckt sind.» Die Wolken sorgen für Niederschlag und schirmen die Erdoberfläche von der Sonnenstrahlung ab. Sie tragen aber auch dazu bei, dass die Wärme nicht in die Atmosphäre entweicht. Wolken beeinflussen das Klima also auf vielfältige Weise, während sie selbst ebenfalls vom Klima beeinflusst werden.

Diese Wolkenart tritt in Flecken, Feldern oder Schichten auf, in 0,6 bis 2 Kilometer Höhe. Stratocumuli sind die häufigsten Wolken und enthalten vor allem Wassertröpfchen. Sie erscheinen vor dem Zusammentreffen zwischen einer Kalt- und einer Warmfront und können Regen oder Schnee bringen.

Die Nimbostratus-Wolke besteht aus einer dunkelgrauen Schicht in 0,6 bis 12 Kilometer Höhe. Diese Schicht setzt sich aus Wasser und/oder Eiskristallen zusammen. Sie entsteht durch die Aufgleitbewegung an einer Warmfront. 

Gäbe es gar keine Wolken, sähe unsere Erde ziemlich trostlos aus. «Das Wetter wäre dann wohl so ähnlich wie auf dem Planeten Mars: Wir wären gänzlich ungeschützt vor der Sonneneinstrahlung», erklärt die Meteorologin. Dazu kämen sehr heisse Tage und sehr kalte Nächte. «Am Tag sorgen die Wolken dafür, dass sich die Erde nicht zu stark aufheizt, in der Nacht speichern sie die Wärme.»

«Am Tag sorgen die Wolken dafür, dass sich die Erde nicht zu stark aufheizt, in der Nacht speichern sie die Wärme.»

 

Alexander der Grosse hat sich damals nicht auf Wettervorhersagen verlassen. Er trug Amulette und Ringe, die das Wetter und alles andere zu seinem Vorteil beeinflussen sollten. Klar, ein so grosser Kriegsherr kann sogar dem Wetter Befehle erteilen, glaubte man – oder er. Und von den Kelten liess sich Alexander ebenfalls nicht beeindrucken. Nach dem Besuch seiner Gäste soll er sinngemäss gesagt haben: «Das sind doch alles Angeber!» 

Cirrocumulus heissen Haufenwolken in mehr oder weniger ausgedehnten Feldern, die aus kleinen körnigen Wolkenteilen bestehen. Die Eiskristalle in 8 bis 12 Kilometer Höhe können auf das Heranziehen feucht-warmer Luft in der Höhe hindeuten. Sie bringen selbst keinen Regen. 

Cirrostratus-Wolken (8 bis 12 Kilometer Höhe) sind faserig und bestehen aus Eiskristallen. Hinweis auf die Ankunft einer Warmfront (mit Niederschlag) innerhalb von 1 bis 2 Tagen.