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Üse Summer i dr Schwiiz

Pfahlbauern auf der Spur

Vor 5000 Jahren lebten unsere Vorfahren als Pfahlbauer oft an Seeufern. Aber nicht immer. Eine verschwundene Kultur, die dank digitaler Technik, Nachbauten und Museen erkundet werden kann.

FOTOS
Laténium/M.Juillard, B. Arnold
22. Juni 2020
Die Rekonstruktion von drei Häusern aus der Zeit der Pfahlbauer im Laténium in Hauterive.

Die Rekonstruktion von drei Häusern aus der Zeit der Pfahlbauer im Laténium in Hauterive.

Pfahlbauten um die Alpen

Ausflugstipps im Welterbe

  1. Spazieren: Zwischen Hurden SZ und Rapperswil SG über den Holzsteg flanieren; dort, wo einst auch die Pfahlbauer den See querten.
  2. Baden: Im idyllischen Nussbaumersee zwischen Winterthur ZH und Frauenfeld TG ins kühle Nass eintauchen.
  3. Museum: Im Laténium in Hauterive NE bei Neuenburg nachgebaute Häuser und Fundstücke aus der Zeit der Pfahlbauer entdecken.

Buchbar über www.welterbeticket.ch

Eine Fahrt in die Tiefgarage kann auch eine Reise in die Vergangenheit sein. Beispielsweise im Parkhaus Opéra unter dem Sechseläutenplatz in Zürich; genau an dieser Stelle siedelten vor gut 5000 Jahren die Pfahlbauer. Überreste davon können in einer kleinen Ausstellung im Parkhaus besichtigt werden.

Die Ausgrabungen in Zürich sind nur ein kleiner Teil der Forschung zum Leben der Pfahlbauer, die hierzulande vor gut 150 Jahren startete. Damals entwickelte der Altertumsforscher Ferdinand Keller (1800–1881) seine Theorie über die frühere Lebensweise an den Seen, in der er erstmals auch das Wort «Pfahlbauer» verwendete. Er vermutete, dass die Pfahlbauer in Häusern auf Platt- formen über dem Wasser gelebt haben, um sich vor wilden Tieren und feind- lichen Stämmen zu schützen. Kellers Theorie prägte fast hundert Jahre lang unsere Vorstellungen vom Leben der Pfahlbauer – sollte sich aber als nur teilweise richtig erweisen. So fand man später auch Überreste von Häusern auf Pfählen, die vermutlich gar nie im Wasser gestanden hatten – oder nur bei Hochwasser.

Auch wenn Kellers Theorie nicht ganz stimmte, sind die Funde in den Seen für die Erforschung des Altertums im europäischen Alpenraum doch von grosser Bedeutung. Denn viele organische Materialien haben im Schlick der Seen, abgeschnitten von der Sauerstoffzufuhr, Jahrtausende überstanden. Die grosse Bedeutung dieser Überreste führte 2011 zur Aufnahme von 111 Stätten in der Schweiz, Deutschland, Österreich, Italien, Frankreich und Slowenien in die Weltkulturerbe-Liste der Unesco. Von diesen Stätten befindet sich gut die Hälfte in der Schweiz, verteilt auf 56 Standorte im Mittelland.

Das Unsichtbare hören

Ein Ausflug zu den einstigen Standorten von Pfahlbauerdörfern führt in schöne Landschaften am Wasser: etwa an den Bodensee nach Arbon TG, den Zürichsee nach Meilen ZH und Zürich, den Vierwaldstättersee nach Kehrsiten NW, den Genfersee nach Versoix GE oder an den Neuenburgersee nach Auvernier NE. Zum Weltkulturerbe gehören aber auch Fundstätten an kleineren Gewässern, wie etwa am Nussbaumersee TG oder am Burgäschisee SO.

Ein Taucher sucht auf dem Seegrund bei Cortaillod nach Spuren alter Kulturen.

Innenansicht eines Hauses aus der Bronzezeit (ca. 1000 v. Chr.), rekonstruiert im Laténium in Hauterive.

Einen vertieften Einblick in die Pfahlbauerzeit bietet das Museum «Laténium» in Hauterive NE am Neuenburgersee und in Gletterens FR, ebenfalls am Neuenburgersee. Und auch in Wauwil LU am Sempachersee finden sich Nachbauten von Häusern aus der damaligen Zeit. Dass sich viele Fund- stätten einstiger Pfahlbaudörfer heute unter Wasser befinden, ist zwar schade, doch die moderne Technik erlaubt trotzdem Einblicke in die damalige Welt. Mithilfe einer interaktiven Karte, die unterwegs mit dem Smartphone abgerufen werden kann, erfährt man bei einem Besuch der Unesco-Standorte in kurzen Erzählungen, wie das Leben an der jeweiligen Fundstelle zur Zeit der Pfahlbauer ausgesehen hat. 

Link zur Karte:www.palafittes.org

Serie der Coopzeitung (3)

Unesco-Welterbestätten

Das Unesco-Label «Welterbestätte» erhalten ausschliesslich Kultur- und Naturgüter von «aussergewöhn­lichem uni- versellem Wert». Die Schweiz verfügt über zwölf Unesco- Welt­erbestätten. Sie alle stehen für die bedeutendsten Natur- und Kulturschätze unseres Landes – ein Muss, sie gesehen und erlebt zu haben. Die Coopzeitung stellt in ihrer Sommerserie einige dieser Stätten vor.

Weitere Informationen hier: https://www.whes.ch