Der mit der Maske | Coopzeitung
X

Beliebte Themen

Schöne Schweiz

Der mit der Maske

Seine schwarze Augenbinde lässt an den unerschrockenen Zorro denken. Und sein Name verstärkt den Eindruck: Der Neuntöter ist der Vogel des Jahres 2020.

FOTOS
Sandra Schweizer
03. Februar 2020

Heuschrecken, Grillen, Käfer, Spinnen, Hummeln, Wespen oder Mäuse: Bei der Wahl seiner Nahrung ist der Neuntöter nicht wählerisch – Hauptsache Fleisch. Herrscht für einmal ein Überangebot an Futter, spiesst er überzählige Beutetiere auf Dornen und frisst sie später. Früher glaubte man, dass er zuerst neun Tiere erlegt und erst dann mit der Mahlzeit beginnt, daher sein Name. Doch das stimmt nicht.

Lebensraum

Der Neuntöter (er gehört zur Familie der Würger) lebt vorab in Kulturlandschaften mit Niederhecken, extensiv genutzten Weiden oder Obstgärten, in Rebbergen, auf Waldlichtungen oder Brachen. Dort, wo Hecken und Buschgruppen aus dem Kulturland entfernt und Insekten mit Pestiziden weggespritzt werden, ist der Neuntöter verloren: Ihm fehlen Nistmöglichkeiten und Nahrung. Sein Bestand halbierte sich in den letzten 30 Jahren auf rund 10 000 Paare 2015. Seither gehts wieder leicht aufwärts. Noch gilt der Neuntöter nicht als gefährdet, seine Wahl zum Vogel des Jahres ist aber auch als Mahnfinger zu verstehen.

Brutgeschäft

Der Rotrückenwürger, wie er auch genannt wird, ist 16 bis 18 Zentimeter lang, zwei Zentimeter länger als ein Spatz. Er kehrt als einer der letzten Zugvögel Anfang Mai aus dem Überwinterungsgebiet südlich des Äquators zurück. Dann fackelt er nicht lange, die Zeit drängt: Partnersuche, Nestbau, Eierlegen, zwei Wochen brüten, zwei Wochen Fütterung im Nest, drei Wochen Begleitung der Jungen ausserhalb des Nests – und Mitte Juli brechen die ersten Altvögel bereits wieder auf ins 8000 Kilometer entfernte Winterquartier; die Jungen folgen später.