X

Beliebte Themen

Üse Summer i dr Schwiiz

Saurier am Luganersee

Tief im Innern des Monte San Giorgio im Südtessin liegen unzählige versteinerte Tiere und Pflanzen. Auf einem Erlebnisweg oder im Museum von Meride erfährt man, was sie uns über die Zeit vor mehr als 200 Millionen Jahren erzählen.

FOTOS
Jacqueline Quattropani/OTRMBC, F. Banfi/Fondazione Monte San Giorgio, Jacques Perler/OTRMBC
07. Juli 2020
Der Monte San Giorgio am Luganersee birgt tief in seinem Inneren viele Geheimnisse.

Der Monte San Giorgio am Luganersee birgt tief in seinem Inneren viele Geheimnisse.

 Monte San Giorgio

Ausflugstipps ums Welterbe

  • Familienklassiker: Im bereits seit 1959 bestehenden Swissminiatur in Melide TI die Schweiz im Klein- format bestaunen.
  • Mountainbike: Von Mendrisio TI nach Meride TI radeln, weiter zur Alpe di Brusino mit gemütlichem Grotto und zurück nach Mendrisio.
  • Museum: Im «Museo dei fossili del Monte San Giorgio» in Meride 235 bis 245 Millionen Jahre alte Fossilien bestaunen.
Weitere Informationen hier: https://www.welterbeticket.ch

Meereslagunen, feinsandige Strände und Palmen – so wie heute auf den Malediven hat es in der Triaszeit vor 200 bis 250 Millionen Jahren dort ausgesehen, wo heute das Südende des Luganersees liegt. Gut 100 Millionen Jahre später war es damit vorbei: Die afrikanische drückte gegen die eurasische Platte und faltete die Alpen auf. Dabei wurde auch der Meeresboden bei Mendrisio nach oben gedrückt und tauchte aus dem Wasser auf. So entstand der pyramidenförmige Monte San Giorgio. Grund, dem Karibikfeeling nachzutrauern, gibt es keinen. Denn an Land wie im Wasser wären einem damals zahlreiche, auch fleischfressende Saurier begegnet.

Dass man heute so viel über die Fauna und Flora im Südtessin vor mehr als 200 Millionen Jahren weiss, ist den vielen Fossilien zu verdanken, die während den letzten 150 Jahren hier gefunden wurden. Fossilien sind Überreste von Pflanzen oder Tieren, die im Gestein eingeschlossen sind. Die Voraussetzungen für ihr Entstehen waren im Gebiet des heutigen Monte San Giorgio optimal: ruhige Lagunengewässer, sauerstoffarmes Wasser und ein schlammiger Meeresgrund.

Das Gestein des Monte San Giorgio: von aussen unscheinbar, aber ...

... darin versteckt sich zum Beispiel das über zwei Meter lange Meeresreptil Ceresiosaurus calcagnii.

Der Ticinosuchos ferox, ein Landreptil aus der Trias vor 200 bis 250 Mio. Jahren.

Im Unterschied zu anderen Fundstätten auf der Erde, besteht diejenige im Tessin nicht nur aus einer, sondern aus fünf übereinanderliegenden Schichten. Diese entstanden über Jahrmillionen hinweg durch die Ablagerung von Sedimenten am Boden des Meeres. Mehr als 20 000 Versteinerungen entdeckten Forscher bis heute bei Grabungen. Einen solchen Reichtum an Fossilien aus der Triaszeit findet man sonst nirgends. Entsprechend gilt der Monte San Giorgio, der auf schweizerischem und italienischem Boden steht, als bedeutendste Fundstätte dieser Epoche weltweit. Der schweizerische Teil wurde deshalb 2003 als Unesco-Weltnaturerbe anerkannt, der italienische 2010.

Tief unter dem Boden

Einfach zu entdecken sind die Spuren aus der Triaszeit auf dem Monte San Giorgio nicht – schliesslich liegen die Schätze meist tief unter dem Boden. Trotzdem lässt sich auf dem Berg die über 200 Millionen Jahre alte Geschich- te in wenigen Stunden erleben – beispielsweise bei der Wanderung auf dem Geo-Paläontologischen Erlebnisweg oder einer Tour von der Seilbahnstation in Serpiano TI zum Gipfel, von wo aus man die Alpenlandschaft, wie sie vor 30 bis 135 Millionen Jahren entstanden ist, gut sehen kann. Vom Gipfel geht es ins Dörfchen Meride, ins «Museo dei fossili del Monte San Giorgio» mit seinen zahlreichen Fundstücken. Sehenswert ist auch das Museumsgebäude selber, das der bekannte Tessiner Architekt Mario Botta (77) erweitert und umgebaut hat. Zurück in die Neuzeit führt schliesslich ein Spaziergang durch die engen und malerischen Gassen von Meride.

Unesco-Welterbestätten

Serie der Coopzeitung (5)

Das Unesco-Label «Welterbestätte» erhalten ausschliesslich Kultur- und Naturgüter von «aussergewöhn­lichem universellem Wert». Die Schweiz verfügt über zwölf Unesco-Welt­erbestätten. Sie alle stehen für die bedeutendsten Natur- und ­Kulturschätze unseres Landes – ein Muss, sie gesehen und erlebt zu haben. Die Coopzeitung stellt in ihrer Sommerserie einige dieser Stätten vor.

 

Weitere Informationen hier: https://www.whes.ch