Realistische Romantikerin | Coopzeitung
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Reportage

Realistische Romantikerin

Sie erzählt uns jede Woche aus ihrem Leben: witzig, sympathisch und ernsthaft. Nun gibt es die Kolumnen der Bestsellerautorin Silvia Aeschbach als Buch.

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Heiner H. Schmitt
21. September 2020
Hier entstehen ihre Kolumnen: Der Schreibplatz der Bestsellerautorin ist ein Sofa.

Hier entstehen ihre Kolumnen: Der Schreibplatz der Bestsellerautorin ist ein Sofa.

Wer Silvia Aeschbach (60) zu Hause in Zürich besucht, merkt sofort: Neben ihrem Mann gibt es noch eine zweite Liebe in ihrem Leben. Und das sind Bücher. Sie stehen in vielen Regalen in jedem Zimmer. Einzelne Exemplare stapeln sich auch auf Tischen oder dem Fensterbrett. Die Bücher sind Lesestoff und Dekoration in einem. Denn die Bestsellerautorin schreibt nicht nur wunderbar, sie hat auch ein Händchen für Stilvolles und Schönes. Zum Beispiel für Kunst: Fotos und Bilder hängen und stehen wie die Bücher überall. Ihr Faible für leuchtende Farben fällt ebenfalls sofort auf. In bunten Vasen blühen Hortensien, ihre Lieblingsblumen.

Kriminalfälle und die Wahrheit

Allerdings ist alles nicht so lieblich wie es auf den ersten Blick aussieht. Denn die langjährige Journalistin pflegt auch eine dunklere Seite: «Eine grosse Leidenschaft von mir sind echte Kriminalfälle.» Trotzdem ist sie auch eine Romantikerin, wie sie uns später erklären wird.

Und das ist kein Geheimnis. In ihren Kolumnen in der Coopzeitung verrät sie jede Woche, was sie bewegt, wie sie lebt und auch, worüber sie sich aufregt. Zum Beispiel, wenn jemand demonstrativ einen Apfel laut knackend isst oder den Kaffee sehr hörbar schlürft. Muss man sich also fürchten, wenn man sie trifft? «Nein, überhaupt nicht!», sagt sie lachend. Nicht nur ihr Freundeskreis, auch ihre Fans können das bestätigen. Immer wieder wird sie auf der Strasse angesprochen. «Sogar mit Maske», wie sie erstaunt feststellt. «Ich will mich hier nicht als etwas Besonderes darstellen, aber das passiert mir wirklich oft. Daran sieht man, dass die Coopzeitung von wahnsinnig vielen Menschen gelesen wird.» Sie freut sich über solche Kontakte. «Ich bin auch schon zu spät zu Terminen gekommen, weil sich daraus so interessante Gespräche entwickelt haben.»

Dabei wird sie öfter gefragt, ob das wirklich stimmt, was sie schreibt. «Das Leben ist doch noch viel verrückter als alles, was man sich ausdenken könnte», ist Aeschbach überzeugt. «Meine Geschichten sind alle wahr.» Mit kleinen Einschränkungen: «Ich habe natürlich schon eine Grenze. Manchmal muss ich die Menschen schützen, über die ich schreibe. Dann verfremde ich die Umstände und die Person. Und ich frage sie teils auch um Erlaubnis.» Einmal ist das mit der Verfremdung ein wenig schief- gegangen, und so erfuhr die Familie aus der Zeitung zu früh über eine bestimmte Beziehung. «Das war kein grosses Drama, aber ein wenig heikel», gibt Silvia Aeschbach zu. Doch am Ende war der Familienfrieden schnell wiederhergestellt.

Verzeihen ist übrigens auch ein wichtiges Thema in ihren Kolumnen. Oft sinniert sie auch über das Leben, wie es ist, aber auch, wie es sein könnte. «Ich schreibe ja nicht nur über spezielle Erlebnisse, sondern auch über Themen wie das Älterwerden, die Gesundheit oder Beziehungen.» Über letztere besonders gerne. Auch ihr Mann kommt immer wieder in ihren Kolumnen vor, er sieht das gelassen. «Wir sind seit 25 Jahren zusammen und er hat sich daran gewöhnt», erzählt sie. «Er ist ebenfalls in der Kommunikation tätig und mein Erstleser.» Und wenn er die Kolumne einmal total daneben fände? «Das ist noch nie passiert, sonst hätte ich mich gleich scheiden lassen!»

Blauer Stuhl mit Kissen: Silvia Aeschbach mag den üppigen Bohemianstil.

Die Lieblingsblumen: Hortensien stehen in jedem Zimmer, auch in der Küche.

Doch Silvia Aeschbachs Empörung ist nur gespielt. «Mir ist sein Input natürlich wichtig.» Und sie ist ja auch noch nicht so lange verheiratet. «Mein Mann war jung ein Revoluzzer, und er wollte nie heiraten. Mir hätte das schon gefallen.» Doch vor vier Jahren war es endlich so weit. «Er hat mir keinen klassischen Antrag gemacht.» Es sei einfach so im Gespräch passiert. «Ich sagte, ich würde mich über ein grosses Fest freuen. Am liebsten in Südfrankreich, wo wir immer Ferien machen.» Dann kamen sie beide zum Schluss: «Man könnte ja heiraten!» Gesagt, getan. «Wir haben am Strand ein grosses Fest gemacht mit gut 50 Gästen. Ich trug ein cremefarbenes Spitzen-Vintage-Kleid und es war super schön!».

Silvia Aeschbach bezeichnet sich, trotz ihrer Liebe zu Real Crime, als «realistische Romantikerin». «Obwohl ich punkto Beziehungen schon manche Achterbahn gefahren bin, ist für mich die Liebe einfach das Wichtigste auf der Welt.» Und Liebe und Leidenschaft ist für sie nicht nur mit Menschen verbunden, sondern auch mit der Natur, mit Tieren, dem Schreiben, der Literatur, der Musik, dem Genuss und vielem mehr. «Allem, was meiner Seele Nahrung gibt.»

Und dann die zweite Hochzeit?

Sie schaut sich nicht nur Dokumentationen über echte Serienmörder an, sondern auch die TV-Serie «Zwischen Tüll und Tränen». Darin geht es um die Auswahl von Brautkleidern und natürlich um Hochzeiten. «Ich wechsle das ab, eine Folge Kriminalfälle, eine Folge Hochzeitsromantik. Ich weiss nicht, was das über meine Persönlichkeit aussagt, aber am liebsten schaue ich das nachts», gibt sie zu und lacht. Sie könnte sich auch vorstellen, die Hochzeit zu wiederholen. Denn Silvia Aeschbach ist eine Braut, die sich traut. «Das Ganze war so wunderbar, dass ich noch einmal so ein rauschendes Fest erleben möchte.» Mit allem Drum und Dran, Mädelsabend, einem zauberhaften Kleid, Essen und Trinken, Musik, Tanz und vielen Gästen. «Ich habe in meinem Leben noch nie ein Brautkleid probiert. Mein Ziel ist es, mindestens noch ein Dutzend verschiedene Modelle anzuziehen», sagt sie. Auch daran wird sie ihre Leser und Leserinnen sicher wieder teilhaben lassen. 

Spannend und witzig

Die Kolumnen als Buch

«Sind denn alle guten Männer schon vergeben?», fragt Silvia Aeschbach in einer Kolumne. Jetzt sind unter diesem Titel ihre Lieblingskolumnen als Buch erschienen. Wer sie liest, wird um nützliche Erkenntnisse reicher, amüsiert sich köstlich und bekommt viel Stoff zum Nachdenken. Auf die Frage nach den guten Männern gibt es auch eine Antwort. Unsere Leserinnen und Leser können das Buch mit dem Code SA2020AM für Fr. 18.90 statt Fr. 24.90 (inkl. Porto und Verpackung) beim Verlag bestellen. Per Mail: leserangebot@woerterseh.ch, telefonisch: 044 368 33 68

Die Lieblingskolumnen gibt es nun auch als Buch: «Sind denn alle guten Männer schon vergeben?», Wörterseh Verlag.