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Üse Summer i dr Schwiiz

Spektakuläre Überquerung der Alpen

Über 196 Brücken, durch 55 Tunnels und mehrere Klimazonen: Die einzigartige Strecke der Rhätischen Bahn zwischen Thusis GR und Tirano (I) gehört seit 2008 zum Unesco-Weltkulturerbe in der Schweiz.

FOTOS
Robert Bösch, Christoph Sonderegger, Erik Süsskind
07. Juni 2020
Der 65 Meter hohe Landwasserviadukt bei Filisur ist die grosse Sensation auf der Fahrt von Thusis nach Tirano.

Der 65 Meter hohe Landwasserviadukt bei Filisur ist die grosse Sensation auf der Fahrt von Thusis nach Tirano.

RhB Albula/Bernina

Ausflugstipps im Welterbe

Viadukt: Den berühmten Landwasser­- viadukt nach 30-minütiger Fahrt ab Filisur GR mit dem Zügli des «Land- wasser-Express» bestaunen.

Gletschermühlen: Ein kurzer Spaziergang von der Bahnstation Cavaglia GR an der Bernina-Linie zu den Gletschermühlen und dort die Urkraft der Natur entdecken.

Museum: In die beeindruckende Geschichte der Bahnlinie eintauchen bei einem Besuch im Bahnmuseum Albula in Bergün.

Buchbar überwww.welterbeticket.ch

Kurz nach Alvaneu Bad GR bricht im Zugabteil der Rhätischen Bahn Unruhe aus. Kameras werden gezückt, alle stürmen auf die rechte Seite und öffnen die Fenster. Schon kommt er in Sicht: der 65 Meter hohe Landwasserviadukt. In einer eleganten Rechtskurve quert er das Tal und endet abrupt an einer Felswand. Die Kameras klicken und Sekunden später taucht die Komposition in den direkt folgenden Tunnel. Der Landwasserviadukt ist nur eines der weit herum bekannten Fotomotive entlang der schmalspurigen, 122 Kilometer langen Bahnstrecke von Thusis GR nach Tirano (I). Diese führt über Albula- und Berninapass, über 196 teils spektakuläre Brücken und durch 55 Tunnels. Erbaut haben sie zwischen 1898 und 1920 bis zu 5000 meist italienische Arbeiter unter heute unvorstellbaren Bedingungen.

Wer die ganze Strecke befährt, durchquert drei Sprach- und Kulturregionen sowie mehrere Klimazonen. Die Erbauer haben die Landschaft für den damals bereits aufkeimenden Tourismus regelrecht inszeniert. Diese Einheit von Landschaft und Technik war 2008, neben der für die Bauzeit beispielhaften Ingenieursleistung, mit ausschlaggebend für die Aufnahme der Bahnstrecke in die Unesco-Welterbeliste.

Der bequemste Weg, das Welterbe kennenzulernen, ist der «Bernina Express», der dank seinem Panoramawagen eine besonders gute Aussicht bietet. Auf der mehr als vierstündigen Fahrt ab Chur reihen sich die landschaftlichen und eisenbahntechnischen Höhepunkte wie Perlen auf einer Kette aneinander: Kurz nach Thusis führt die Strecke durch die wilde Schinschlucht und bald schon über den Landwasserviadukt. Oberhalb von Bergün GR schraubt sich der Zug dann durch ein verwirrendes Karussell mit Kehr- und Spiraltunnels nach Preda GR hoch und wechselt dabei viermal die Talseite. Wer hier aussteigt, kann zum Palpuogna-See hochlaufen, der als einer der schönsten Flecken der Schweiz gilt.

Von Preda fährt der Zug schliesslich durch den Albulatunnel ins Engadin und steil hoch zum Berninapass auf 2253 m ü. M. Die letzten Bäume bleiben zurück und machen den Blick frei auf die Engadiner Bergwelt mit Piz Bernina (4059 m ü. M. und damit der einzige 4000er der Ostalpen) und Piz Palü (3900 m ü. M.). Auf der Passhöhe folgt mit dem Lago Bianco ein weiterer Höhepunkt: Das Schmelzwasser der Gletscher gibt dem See seine einzigartige milchig-blau-grüne Färbung.

Weiter südlich macht die karge Hochgebirgslandschaft den Kastanienwäldern und Palmen im mediterran geprägten Puschlav GR Platz. Und bald schon überquert der Zug die Grenze nach Italien: «Benvenuti a Tirano – stazione terminale». 

Serie der Coopzeitung

Unesco-Welterbestätten

Das Unesco-Label «Welterbestätte» erhalten ausschliesslich Kultur- und Naturgüter von «aussergewöhn­lichem universellem Wert». Die Schweiz verfügt über zwölf Unesco-Welt­erbestätten. Sie alle stehen für die bedeutendsten Natur- und Kulturschätze unseres Landes – ein Muss, sie gesehen und erlebt zu haben. Die Coopzeitung stellt in ihrer Sommerserie einige dieser Stätten vor.