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Wandern zum «Loueneseeeeeee»

Eine schöne, an einem Tag gut machbare Wanderung führt von Gsteig BE über die Walliser Wispile an den Lauenensee. Und im Kopf hat man dabei nur eines: den Ohrwurm vom «Loueneseeeeeee».

FOTOS
Andrea Meier
24. August 2020

STECKBRIEF

Gsteig–Louwenesee

An-/Abreise: Mit Zug und Bus via Gstaad nach Gsteig, retour mit Bus ab Lauenensee.
Schwierigkeit: mittel
Technik: 4 von 5
Kondition: 4 von 5
Strecke: 13 km
Dauer: 4 Std. 30 Min.
Aufstieg: 870 m
Abstieg: 670 m

Die Mundart-Rockband Span hat 1982 praktisch über Nacht einen Evergreen erschaffen, den noch heute, fast 40 Jahre später, fast jedes Kind in der Schweiz kennt – wenigstens den Refrain: «Dert hinger bim Louenesee.» Dieser Louwenesee, wie er auf dem offiziellen Kartenmaterial von Swisstopo heisst, ist das Ziel unserer Wanderung. Wir starten in Gsteig BE, dem unter Heimatschutz stehenden Dorf am Fuss des Col du Pillon. Den Namen verdankt Gsteig seiner topografischen Lage. Er geht auf das althochdeutsche «steiga» zurück und bezeichnet den Ort, wo der Weg zum Col du Pillon anzusteigen beginnt.

Filmemacherin Andrea Meier (50) und ich wandern nicht nach Süden Richtung Col du Pillon, wir steuern die sogenannte Walliser Wispile an, den Übergang vom Saanetal zum Lauenental. Der Weg führt zuerst Richtung Innergsteig und zur Talstation der Seilbahn Sanetsch, wo er dann in den Wald abbiegt. Die ersten paar Hundert Meter ist es noch flach, dann steigen wir parallel zu den Burgfällen die kleine Schlucht hoch. Das Wasser, das hier in Kaskaden in die Tiefe fällt, fliesst am Talboden in die junge Saane und mit ihr Richtung Aare. Der Weg ist steil, fast schon abenteuerlich, aber wunderschön. In engen Kurven windet er sich durch den Wald. Das ist angenehm an diesem heissen Tag. Wir spüren die kühle Feuchte von Moos – allerdings im Wissen, dass wir später über die Baumgrenze kommen werden.

Schön besungen und schön gelegen: der «Louwenesee» im Berner Oberland. Das Dorfbild von Gsteig im Saanetal ist geschützt.

So ist es auch. Im Gebiet «Burg» wird es lichter. Hier stand tatsächlich mal eine kleine Burg, von der heute noch der Grundriss eines alten Turmes zu erkennen ist. Der Wanderweg führt jetzt über eine Forststrasse und über offene Wiesen weiter. Die Sonne brennt unbarmherzig herunter, und noch immer liegen mehr als 450 der knapp 900 Höhenmeter vor uns.

Auf der Vorderen Wispile haben wir weitere 250 Höhenmeter geschafft – und sind es auch schon ein wenig. Das ist der Moment, in dem man sich fragt, warum man diese Richtung gewählt hat: Wir wandern 870 Höhenmeter hinauf und 670 hinunter. Die umgekehrte Richtung wäre also weniger anstrengend gewesen. Die Marschrichtung hat natürlich ihre Logik, die auch drei Stunden nach dem Start noch immer in meinem Kopf ist: Der «Loueneseeeeeee...».

Die Walliser sind noch immer da

Wir nähern uns der Walliser Wispile. Der Ausdruck «Wispile» hat übrigens weder mit Spielen noch mit Wind oder Wein zu tun. Er lässt sich auf einen keltischen Begriff zurückführen, mit dem die Bauern «gutes Weideland» bezeichneten. Tatsächlich öffnet sich auf dem Kamm ein weites Gelände. Die grosszügigen Wiesen waren schon früher einfacher zu bewirtschaften und entsprechend begehrt. Die Walliser Wispile, auf der wir nach fast 900 Höhenmetern den höchsten Punkt der Wanderung erreichen, zeugt davon, dass die Geschichte von Gsteig eng mit dem Wallis verbunden ist. Der Grundbesitz der Walliser auf Gsteiger Boden ist seit dem 14.Jahrhundert belegt und zum Teil bis heute erhalten geblieben. Die Alpweiden oberhalb von Gsteig werden teilweise noch heute mit Walliser Vieh bestossen.

«Das Bad im Lauenensee ist ein verdienter Lohn für eine Wanderung, die uns einiges abverlangt hat.»

 

Auch hier oben, auf fast 2000 m ü.M. ist es heiss. Inzwischen sind wir wieder überzeugt, die Wanderung in die richtige Richtung zu machen, denn in gut eineinhalb Stunden werden wir am See sein, und nur wenige Sekunden später im See! Ein paar Minuten geht es steil durch den Wald abwärts, dann erreichen wir einen parallel zum Hang verlaufenden Wanderweg, der etwas später in einen Forstweg mündet. Die rund 400 Höhenmeter sind in kurzer Zeit bewältigt. Das Bad im Lauenensee ist ein verdienter Lohn für eine Wanderung, die uns einiges abverlangt hat. Erst recht an einem heissen Sommertag.