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Titelgeschichte

Wohin geht die Reise?

Welche Ziele sind in diesem Jahr angesagt? Welche Reiseart soll es dieses Mal sein? Wann und wie bucht man am besten Flüge? Und kann man klimafreundlicher reisen – auch in die Ferne? Wir beantworten die wichtigsten Fragen für die Ferien im Jahr 2020.

FOTOS
Sam Power; Josh Nezon;
13. Januar 2020

Obacht, liebe Millennials: Diese Zeilen könnten eure feinen Gemüter nachhaltig erschüttern. Es gab nämlich einmal eine Zeit, als Safari noch kein Browser und das Reisen ein echtes Abenteuer war. Flüge kosteten zwar ein Vermögen, dafür rauchten wir aber schon kurz nach dem Start und wurden vorher auch nicht wie Vieh durch die Abfertigung getrieben. Unsere Tickets hatten wir nicht elektronisch, sondern zusammen mit den Travelers Cheques (jeder einzelne von Hand unterschrieben, bis das Handgelenk schmerzte) in den Reiseunterlagen. Gebucht hatten wir logischerweise nicht online, sondern im Reisebüro.

Es gab keine Handys, kein Internet, keine Social Media. Neuigkeiten aus der Heimat kriegte man mit etwas Glück aus der Fernausgabe einer Tageszeitung, Telefonanrufe waren teuer und kompliziert, die Devise lautete: No News is good News – keine Neuigkeiten sind gute Neuigkeiten. Das feite einen trotzdem nicht davor, dass die Freundin nach der Rückkehr unter Umständen weg und die Katze schon seit zwei Wochen tot war. Und doch sage ich: Es war eine tolle Zeit!

Darum, liebe Millennials: Geht auf Reisen. Und haltet euren Kindern, die irgendwann nur noch in der Virtual Reality unterwegs sind, die gleiche Predigt wie ich euch heute.

Herzlich

Wo ist es teurer geworden, wo billiger?

Dank des starken Schweizer Frankens haben sich im letzten Jahr viele Währungen verbilligt. So ist es für Schweizer in Schweden, Brasilien, Südkorea, Norwegen, Dänemark, Australien, Neuseeland und im Euroland deutlich günstiger geworden. Nur sechs Währungen haben sich verteuert: So bekommt man in Mexiko, Kanada, Grossbritannien, Taiwan, Südafrika und Singapur etwas weniger für den Franken.


Welche Reiseart passt zu mir?

Die Vorteile von ...

... Pauschalreisen: 

  • Man muss sich um nichts kümmern, meist ist alles eingeschlossen.
  • Betreuung vor Ort gewährleistet.
  • Man ist meist gut gegen eine Pleite des Veranstalters abgesichert (Reisesicherungsschein).
  • Recht auf Umbuchung oder gar Stornierung bei Streik, Krisen oder Unruhen.
  • Besonders für Familien geeignet, da durchwegs Kinderbetreuung angeboten wird.
  • Oft günstiger als einzeln zusammengestellte Bausteine.

... Gruppenreisen

  • Man muss sich nicht um die Organisation kümmern.
  • Man hat Reisebegleitung und lernt leicht Gleichgesinnte kennen.
  • Es gibt einen Tour-Guide, der einen mit Insider-Infos versorgt.
  • Wer nicht gerne alleine reist, ist perfekt aufgehoben.
  • Maximales Erlebnis in kürzester Zeit.
  • Man ist meist gut gegen eine Pleite des Veranstalters abgesichert (Reisesicherungsschein).

... Individualreisen

  • Komplett flexibel, was Feriendauer, Reiseroute oder Hotelwahl angeht.
  • Kurzfristige Änderungen sind möglich. 
  • Intensivere Beschäftigung mit Land und Leuten, daher mehr Erlebnis.
  • Stärkung der Selbstsicherheit.
  • Ungeplante Überraschungen können spannend sein.
  • Reisegspänli kann man sich vor Ort selbst aussuchen.

Trend-Länder für 2020

Da muss man unbedingt hin! Der weltweit bekannteste Reiseführer-Verlag «Lonely Planet» empfiehlt jedes Jahr Trend-Destinationen. Für 2020 sagt er folgenden Ländern eine rosige touristische Zukunft voraus: 

  1. Bhutan
  2. England
  3. Nordmazedonien
  4. Aruba
  5. Swaziland
  6. Costa Rica
  7. Niederlande
  8. Liberia
  9. Marokko
  10. Uruguay

Das buddhistische Paro Taktsang-Kloster in Bhutan.

Trend-Städte für 2020

Nicht nur angesagte Länder stellt der Lonely-Planet-Verlag vor; auch auf Städte mit vielleicht unentdecktem Potenzial weist er hin. Die Trend-Städte des neuen Jahres sind:

  1. Salzburg, Österreich
  2. Washington DC, USA
  3. Kairo, Ägypten
  4. Galway, Irland
  5. Bonn, Deutschland
  6. La Paz, Bolivien
  7. Kochi, Indien
  8. Vancouver, Kanada
  9. Dubai, VAE
  10. Denver, USA

So verringert sich der CO2-Fussabdruck

Reisen erweitert den Horizont des Reisenden, es bringt einen gewissen Wohlstand in ärmere Länder. Aber es schadet der Umwelt. So reist man weniger klimaschädlich:

  1. Der Kluge reist im Zuge: Am besten ist die Reise mit der Eisenbahn. In Europa gibt es mittlerweile ein gut ausgebautes Netz an Hochgeschwindigkeitszügen. Die beste Adresse für Bus- und Zugtickets: www.thetrainline.com 
  2. Die Klasse machts: Wer nicht aufs Fliegen verzichten will, kann die Auswirkung reduzieren. Der CO2-Fussabdruck pro Passagier ist deutlich geringer bei Flügen in der Economy als in Business oder First Class. 
  3. Kein Zwischenstopp! Der Start eines Flugzeugs verbraucht viel Kerosin; Flüge innerhalb Europas mit mehrmaligem Umsteigen sind daher schädlich. Lieber Nonstop-Flüge wählen.
  4. Unbedingt ein Stopp! Je länger ein Flug dauert, desto mehr Kerosin muss getankt und mitgeführt werden. Faustregel: Einen mehr als zehn Stunden dauernden Flug zu unterbrechen, reduziert den Schaden an der Umwelt. 
  5. Weniger ist mehr: Wer nur das mitnimmt, was man wirklich braucht, spart Gepäckgebühren und schont die Umwelt. 
  6. Herumkommen vor Ort: Wer im Ferienland den öffentlichen Nah- und Fernverkehr nutzt, schont auch dort die Umwelt. Und dies ist auch noch günstiger als ein Mietwagen.
  7. Umweltverträglicher wohnen: Ein Aufenthalt im Ressort ermuntert Hotelinvestoren, noch mehr zu bauen. Wie wärs daher mal mit einem Aufenthalt bei einer lokalen Familie oder mit einem Wohnungstausch? Auch der Aufenthalt in Öko-Hotels kann positive Auswirkungen haben. Plattformen für weltweiten Wohnungstausch (meist gebührenpflichtig): www.homelink.de, www.haustauschferien.com oder www.intervac-homeexchange.com
  8. Flüge und Kreuzfahrten kompensieren! Die schädlichen Auswirkungen eines Fluges oder einer Kreuzfahrt kann man mit einem Geldbetrag kompensieren, der für Klimaschutzprojekte verwendet wird: www.myclimate.org, www.atmosfair.de

Immer mehr Schweizer reisen mit dem Zug ins Ausland.

Welche Versicherung braucht es für die Ferien?

Vor jeder Reise sollte man überprüfen, ob die bestehende Hausrat- oder Krankenversicherung nicht bereits die wichtigsten Fälle abdeckt. Auch bei vielen Kreditkarten sind diverse Reiseversicherungen eingeschlossen – bei der Supercard-Kreditkarte von Coop etwa ist eine Reise- und Flug-Unfallversicherung inklusive, bei der Folgen von Unfällen mit den Transportmitteln abgesichert sind. Wer eine andere Kreditkarte besitzt: Hier muss man das Kleingedruckte genau studieren. Diese Versicherungen sind ratsam:

  1. Annullations- und Reiserücktrittsversicherung: Krankheit, Jobverlust oder die Veränderung der politischen Situation vor Ort kann es nötig machen, eine Reise abzusagen. Hier gilt: Je teurer eine Reise und je strikter die Regeln eines Anbieters bei einer Stornierung, desto mehr lohnt sich eine solche Absicherung.
  2. Reisegepäckversicherung: Wer mit teurer Design-Kleidung verreist, sollte das Gepäck gegen Verlust absichern – sofern eine solche Versicherung nicht bereits in einer bestehenden Hausratversicherung enthalten ist. 
  3. Auslandskrankenversicherung: Bei Europa-Ferien sind Krankheiten meist mit der Schweizer Krankenversicherung abgedeckt. Es reicht, die Versicherungskarte vorzuzeigen. Wenn es weiter weg geht, muss man unbedingt im Kleingedruckten des Versicherungsvertrags überprüfen, ob das Zielland eingeschlossen ist. Wenn nicht, braucht es eine zusätzliche Auslandskrankenversicherung. 

Impfschutz für die Reise

Auf www.safetravel.ch kann man sich über obligatorische Schutzimpfungen und Prophylaxen jedes Landes informieren. Bevor es in die Ferien geht, sollten alle Basisimpfungen wie Masern, Windpocken, Mumps, Röteln oder Hepatitis B den aktuellen Empfehlungen entsprechen – Diphterie und Tetanus sollten alle 20 Jahre aufgefrischt werden. Informieren und impfen lassen kann man sich in ausgewählten Coop-Vitality-Apotheken, beim Hausarzt, Tropenarzt (www.osir.ch/aerzte-fuer-reisemedizin) oder in einem Impfzentrum. Die Gelbfieberimpfung wird nur in Impfzentren und von bestimmten Ärzten durchgeführt. Auskunft geben das Schweizerische Tropen- und Public Health-
Institut (Swiss TPH) in Basel, die Reiseberatung des Inselspitals in Bern, die Impfstelle im Spital Schwyz, das Zentrum für Reisemedizin der Uni Zürich und das Impfzentrum von Swiss International Air Lines.


5 Tipps zum Zahlen und Geldabheben im Ausland

  1. Heben Sie nicht mit der Kreditkarte Geld ab; die Gebühren dabei sind hoch. Auch beim Abheben mit der Maestro-Karte fallen Gebühren an; meist sind diese jedoch geringer und fix. 
  2. Beim Abheben möglichst Bankautomaten von grossen Bankinstituten aufsuchen, hier werden weniger Gebühren verlangt.
  3. Bezieht man Geld mit Plastikkarte am Automaten oder zahlt man an einem Hand-Terminal im Restaurant, immer die Rechnung in der Währung des Reiselandes begleichen, da sonst oft ein Wechselkursaufschlag von bis zu 10 Prozent erhoben wird.
  4. Kleine Beträge bezahlt man mit Kreditkarte, grössere Summen  mit Maestro-Karte – sofern möglich (in den USA oder Japan werden diese nur selten akzeptiert). Bezahlen mit Bargeld ist zwar gebührenfrei, aber wer will schon mit einem Bündel Banknoten im Ausland seinen Cappuccino begleichen?
  5. Tauschen Sie Geld nicht auf offener Strasse. Suchen Sie lieber Wechselstuben oder Bankfilialen auf. Das ist sicherer.

Bargeldlos bezahlen? In den meisten Ländern kein Problem.

Wo im Flieger sitzt man am besten?

  • Der sicherste Sitzplatz: am besten in der Reihe der Notausgänge, hier ist man im Fall der Fälle am schnellsten aus der Maschine. 
  • Der leiseste Sitzplatz: vor den Flügeln und den Triebwerken. Laut ist es im hinteren Bereich des Flugzeugs; noch lauter am Notausgang, da diese Türen nicht so gut schallisoliert sind.
  • Der beste Sitzplatz für Unsichere: Direkt in den Reihen über den Tragflächen sind die Erschütterungen am wenigsten zu spüren.
  • Der ungestörteste Sitzplatz: weit weg von Bordküche und Toiletten.
  • Gang oder Fenster? Manche geniessen lieber die Aussicht, andere brauchen den Platz zur Gangseite. Letztere müssen nicht über Mitreisende hinwegsteigen, wenn sie austreten müssen. Übrigens: Der Mittelsitz ist am unbeliebtesten. Deshalb gilt die Regel, dass man als Mittelplatz-Sitzender beide Armlehnen beanspruchen darf.
  • Der Sitzplatz mit dem meisten Platz: in der Notausgangsreihe – allerdings muss man dafür bei vielen Fluglinien extra bezahlen. 

Unter seatguru.com kann man sich für jeden Flug über die Sitzplatzkonfiguration des Flugzeugs informieren.


Wie, wann und wo bucht man Flüge?

Zeitpunkt der Flugbuchung: Europaflüge bucht man am besten sieben Wochen im Voraus, Langstreckenflüge etwa vier bis fünf Monate vor Abflug. Der beste Buchungstag ist der Dienstag. 
Art der Buchung: Bei Flugsuchmaschinen nicht «exaktes Datum», sondern «+/– fünf Tage» anklicken, dann werden die günstigsten Flüge angezeigt. Auch beim Zielort kann man den Radius vergrössern. Nahe gelegene, kleine Flughäfen sind oft günstiger zu erreichen als grosse Hubs.

Wo man am besten bucht: Online-Metasuchmaschinen wie skyscanner.ch, ebookers.ch oder swoodoo.ch durchsuchen alle Airlines. Google-Flights (google.com/flights) hat sich in kurzer Zeit zur wohl bedienungsfreundlichsten und mächtigsten Flugsuchmaschine weltweit entwickelt. 

Tipp: Oft ist es sinnvoll, direkt bei der Fluglinie zu buchen – hier fallen meist keine versteckten Gebühren an. Wer komplizierte Gabelflüge oder Routen mit mehreren Stopps sucht, geht ins gute alte Reisebüro. Dieses kann Sondertarife anbieten, auf die Online-Buchungsportale keinen Zugriff haben.

Interview

Die Trends bei Pauschalreisen

Welche Ziele angesagt sind, welches Budget es braucht und wann man buchen soll. Andi Restle (53), Geschäftsleiter von ITS Coop Travel liefert die Antworten. Hier geht's zum Interview.