Durch den Föhrenwald zur «Merängge» | Coopzeitung
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Durch den Föhrenwald zur «Merängge»

Von Sörenberg LU führt ein Winterwanderweg durch eine der schönsten Moorlandschaften der Schweiz nach Kemmeriboden BE. Aber fast gleich verlockend ist das Ziel: die legendäre «Merängge».

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Andrea Meier
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Andrea Meier
22. Februar 2021

SÖRENBERG-ROSSWEID–KEMMERIBODEN

An-/Abreise: Mit Zug, Bus und Gondel via Schüpfheim und Sörenberg nach Rossweid, zurück mit Bus und Zug via Escholzmatt.
Schwierigkeit: mittel
Technik: 1 von 5
Kondition: 2 von 5
Strecke: 11,4 km
Dauer: 3 Std. 30 Min.
Aufstieg: 150 m
Abstieg: 640 m

Es ist eine Märchenwelt, in die man auf der Rossweid, oberhalb von Sörenberg, eintaucht: Die ganze Moorlandschaft ist schneebedeckt und strahlt eine winterliche Ruhe aus. Zwischen den knorrigen Bergföhren verlaufen Spuren von Rehen, Eichhörnchen, Füchsen und Hasen. Um diese idyllische Stimmung zu spüren, muss man sich jedoch ein paar Schritte von der Bergstation Rossweid entfernen, denn hier dominiert der Skisport mit Gondelbahn und Schneebar. Aus den Lautsprechern dröhnt Stimmungsmusik. Eine ebenfalls verlockende Sache – hätten wir Ski und nicht Wanderschuhe an den Füssen.

So wandert man gemütlich, weil vorwiegend bergab durch diese wunderschöne Moorlandschaft. Im Rücken die Brienzer Rothornkette, vor uns die berühmte Schrattenfluh, eine durch Verwitterung entstandene, imposante Karstlandschaft. Gelegentlich passieren uns Langläufer, die hier die gleiche Spur haben wie wir Wanderer, zweimal überqueren wir eine Skipiste.

Auf Shoppingtour im Hofladen

Nach rund einer Stunde haben wir diesen landschaftlich reizvollen Teil der Wanderung hinter uns und erreichen das Berggasthaus Salwideli. Es wäre der ideale Zeitpunkt für einen Einkehrschwung, zumal Pächter Ernst Weg- müller Gastro-Partner der Unesco-Bio- sphäre Entlebuch ist, die dieses Jahr schon den 20. Geburtstag feiern kann. Doch es ist Mitte Februar, die Restaurants sind noch geschlossen. Etwas Tee aus der Thermoskanne muss reichen.

Der Abschnitt durch die schneebedeckte Moorlandschaft zwischen Rossweid und Salwideli ist ein Highlight dieser Winterwanderung. Zwischen den knorrigen Bergföhren findet man viele Tierspuren.

Weiter führt der Weg am Fuss der Schrattenfluh talabwärts. Die weisse Landschaft wird einzig durch ein paar Höfe unterbrochen, die ebenfalls in Winterruhe dazuliegen scheinen. Einen kurzen Stopp legen wir bei der Alp Schneeberg ein. Dort zieht uns der Hofladen an – nicht nur zum Aufwärmen. Wer noch Platz im Rucksack hat, kann hier Produkte aus der Biosphäre Entlebuch kaufen. Käse, Teigwaren, Honig, Tee, Sirup und vieles mehr sind im Angebot. Sogar ein kühles Bier oder ein Glacé stünden für hartgesottene Winterwanderer parat. Die zertifizierten Regionalprodukte sind ein wichtiger Teil des Konzepts der Biosphäre Entlebuch, die mit solchen Produkten die Entwicklung und Wertschöpfung der ganzen Region fördert. «In Kombination mit einem naturnahen Tourismus unterstützen wir die nachhaltige Regionalentwicklung. Und offenbar machen wir das richtig», sagt Franziska Hofer (35) von der Biosphäre. 2011 zeichnete die Unesco das Entlebuch sogar zur Modell- Biosphäre aus.

Bei Küblisbühlegg verlässt der Winterwanderweg wieder die Strasse. So kommen uns sicher keine Autos mehr entgegen – dafür wird der Weg anstrengender. Seit dem letzten Schneefall sind noch kaum Wanderer hier durchgegangen, darum müssen wir unseren Weg durch den Tiefschnee selber spuren.

Das strengt an. Irgendwann denkt man sich: «Jetzt wäre ein Kaffee schön.» Kommt dieser Gedanke kurz vor dem Hof Schönisey, hat man Glück. In diesem als Blockhaus gebauten grosszügigen Hofladen steht sogar eine Kaffeemaschine. Daneben gibts im Kühlschrank viel Büffelprodukte: Trockenwurst, Trockenfleisch und Käse.

Am Ziel gibt es die «Merängge»

Kurze Zeit später überquert der Weg die Emme und damit die Kantonsgrenze zu Bern. Wir befinden uns nun im Bumbachtal, in dem wir zwischen den Gebieten Hohgant und Schrattenfluh durchmarschieren. Auf der Strasse geht der Weg noch die letzten Kilometer bis Kemmeriboden, wo wir das Postauto für die Rückfahrt nehmen können.

Der Lohn nach der Wanderung: eine Portion «Merängge mit Nidle».

Doch Halt! Vor lauter Stalldrang nach der dreieinhalbstündigen Wanderung hätten wir das Wichtigste fast vergessen: die legendäre «Merängge mit frischer Nidle», die im Landgasthof Kemmeriboden-Bad serviert wird und für die Gäste aus der ganzen Schweiz anreisen. Ein Traum aus Schaum und Rahm, den man im Restaurant genies­sen oder – solange die Restaurants geschlossen sind – im Laden des Hotels kaufen kann. 

Die BLS verkaufen für diese Winterwanderung ein Spezialticket (erhältlich bis 28. März 2021). Im Preis von Fr. 39.– (Fr. 25.– mit Halbtax) sind dabei: Postauto und Zug ab und nach Schüpfheim LU, Bergbahn auf die Rossweid, eine Geschenkpackung Merin­gues im Regiolädeli vom Gasthof Kemmeriboden-Bad.