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Ein tierisches Wandergebiet

Die Schlucht «le Thiergarth» ist ein etwas versteckter Winkel der Schweiz zwischen dem Kanton Bern und dem Jurastädtchen Delémont. Aber Tiere gibts da ...

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Andrea Meier
27. September 2021

Der Name der Schlucht, Tiergarten oder Thiergarth, wirkt etwas fremd in der französischsprachigen Gegend in der Nähe von Delémont. Tatsächlich sind Mischformen mit französischen und deutschen Begriffen sehr typisch für das Val Terbi. So gibt es die «Vorburg» in Delémont, den «Pierreberg» in Courcelon JU oder die «Petite Schönenberg» in Vermes JU. Zwischen der West- und der Deutschschweiz gab es immer wieder solche Verbindungen, vor allem aus der Zeit, in der diese Region noch zum Bistum Basel gehörte, oder dem Indus- triezeitalter, als sich viele Deutschschweizer Arbeiter in Delémont niederliessen.

Es ist die reiche Fauna, die der Schlucht den Namen «Thiergarth» gegeben hat. Hier tummeln sich Rehe, Hasen, Füchse, Wildschweine und Dachse. Und in der Galerie Arche Noah, gleich am Eingang der Schlucht bei Vicques JU, wird es noch abenteuer- licher: Hier sieht man Eisbären und Pinguine, Elche, Bisons und die ganze reichhaltige Tierwelt Afrikas mit Nashörnern, Leoparden, Gazellen und so weiter. Sie kamen allerdings erst, nachdem die Schlucht ihren Namen bereits hatte. Doch davon später.

Es gibt gute Gründe, die Wanderung durch die Thiergarth-Schlucht in Corban JU zu starten und nach Vicques zu gehen. Man bewältigt den grössten Aufstieg gleich zu Beginn der Wanderung, und – gerade mit Kindern fast wichtiger – der Höhepunkt der Tour folgt zum Schluss.

Botanischer Lehrpfad

Hat man nach Corban einmal den Jurahöhenzug mit dem Namen Plain-Fayen erreicht, steht man 250 Höhen- meter oberhalb des Talbodens und damit auch schon am höchsten Punkt der Wanderung. Ein gutes Gefühl, denn ab da geht es nur noch – na ja, fast nur noch – abwärts. Und das reizvoll. Der Abstieg ins Val Terbi erfolgt entlang eines liebevoll gestalteten botanischen Lehrpfads. Oben steht eine mächtige Waldkiefer, und unterwegs erklären

Holztafeln die Flora und Fauna der Gegend, in der Pilze und Beeren wachsen, Insekten ihre Arbeit verrichten und Säugetiere leben. In Vermes lohnt sich der Besuch der Pfarrkirche Saint-Pierre-et-Paul, die Anfang des 18. Jahrhunderts auf dem Fundament einer mittelalterlichen Kapelle erbaut wurde. 1962 entdeckte man bei einer Renovation gotische Wandmalereien, die vom Anfang des 15. Jahrhunderts stammen und Szenen aus dem Leben Jesu zeigen. Sie gehören zu den wichtigsten Kulturgütern des Kantons.

Tierpräparator Christian Schneiter in seinem Atelier, in dem er über 3000 Präparate geschaffen hat.

Kurz nach Vermes führt der Weg in die Schlucht. Die Bäume spenden Schatten und ganz unten rauscht der Bach La Gabiare, dessen Wasser später in die Birs fliesst. Die Tiere, die der Schlucht den Namen gegeben haben, sieht man, wie immer in freier Natur, nur mit sehr viel Glück. Zuverlässiger findet man sie, wenn man gleich nach der Schlucht den Wanderweg nach Vicques für 500 Meter verlässt. So gelangt man zur Arche Noah oder – französisch – zur Arche de Noé. Es ist die grösste private Sammlung von Tierpräparaten in ganz Europa. Geschaffen hat die Exponate der Tierpräparator Christian Schneiter (54).Schneiters Berufsstand gehört zu einer aussterbenden Art. Zu seinen Auftraggebern gehören Museen, aber auch Privatpersonen, häufig Jäger. Doch das ­Interesse an Tierpräparaten, deren Erstellung eine Mischform von Kunst und Handwerk sei, habe stark nachgelassen – und das Wissen darüber auch.

«Solange man die Tierpräparate nicht isst, ist Arsen auch kein Problem.»

 

Kürzlich, ereifert sich Schneiter, habe eine Schule alle Tierpräparate entsorgt, weil ein Analysegerät Arsen entdeckt habe. «Arsen wird bei allen Präparaten zum Schutz des Fells eingesetzt», erklärt Schneiter. Dafür hätte es kein Analysegerät gebraucht, «das hätte ich denen sagen können. Aber solange man die Tierpräparate nicht isst, ist Arsen auch kein Problem.»

Wer die Wanderung zu Ende gehen möchte, kehrt nun den halben Kilometer zurück zum Eingang der Schlucht und folgt der Route rund 45 Minuten weiter bis Vicques. Lohnenswert in dem kleinen Ort ist der Besuch der modernen Kirche Notre-Dame du Rosaire mit ihren bemalten Glasfenstern. Die Kirche wurde 1959 bis 1961 zum Teil in Fron- arbeit der Bevölkerung erbaut. Wer sich hingegen in der Galerie Arche Noah mit der Zeit vertut, kann gleich vor dem Haus in den Bus steigen. 

Die ganze Route auf Schweiz Mobil