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Eintauchen und relaxen!

Wir verbringen jetzt viel Zeit im Internet. Das ruft nach einem Ausgleich in der realen Welt! Zum Beispiel mit Handarbeiten. Dabei helfen uns Bücher. Reale Bücher.

25. Januar 2021
Die Nadeln klappern monoton, das wirkt wie eine Meditation. Aber nur, wenn das Muster nicht zu kompliziert ist.

Die Nadeln klappern monoton, das wirkt wie eine Meditation. Aber nur, wenn das Muster nicht zu kompliziert ist.

Bastelbedarf für den Notfall

Bastelzubehör gibt es auf bauundhobby.ch. Die Filialen sind immer noch geöffnet. Das Bastelsortiment ist jedoch aufgrund der Massnahmen nur als Abholbestellung und nicht im Laden erhältlich. Auf Microspot.ch finden Sie ebenfalls viel Material zum Basteln sowie Bastelbücher.

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Wie viele Bücher passen eigentlich ins Internet? Die Grösse des Netzes kann man mit der Menge an Information messen, die darin gespeichert sind. Die übliche Einheit dafür ist Byte. Nach der Schätzung der Webseite «live-counter.com» enthält es momentan fast 19 000 000 Petabyte an Informationen. Ein Peta heisst: Eine Eins mit 15 Nullen an Bytes. In Papier umgerechnet wären das rund 18 Milliarden Bücher à 500 Seiten.

Neue Ideen auf Papier

Doch trotz dieser Fülle an Daten und Möglichkeiten gibt es Menschen, die hartnäckig am Analogen festhalten. Und das sind die Kreativen. Natürlich arbeiten Tausende von Künstlern mit den digitalen Medien. Aber gibt es wirklich einen Künstler, der nie in seiner realen Umgebung nach Inspirationen sucht und der nie einen Bleistift in die Hand nimmt oder am Papier eines Buches riecht? Claudia Schilling (48) jedenfalls nimmt immer wieder ein schönes, grosses Buch aus ihrem Regal. Als Food-Stylistin und Kochbuchautorin beschäftigt sie sich mit dem appetitlichen Anrichten von Speisen. Dafür lässt sie sich gerne auf Papier inspirieren. «Durch das Betrachten der Bücher kommen mir neue Ideen. Oder ich schlage eine bestimmte Kochmethode nach und entwickle daraus etwas Neues.»

«Aber ein Buch kann ich schnell aufschlagen, ich kann meine Post-its hineinkleben, es ist immer da. Nicht einfach irgendwo im digitalen Universum.»

 

Doch die Baslerin kreiert nicht nur feine Gerichte, die schön aussehen. Sie ist auch eine leidenschaftliche Handarbeiterin, die gerne dekoriert und neue Bastelideen ausprobiert. Ihre Anleitungen sind auch regelmässig in der Coopzeitung zu sehen. Etwa an Weihnachten oder Ostern. «Ursprünglich bin ich Dekorationsgestalterin. Mein Herz schlägt immer noch für Dekorationen!» Recycling liegt ihr genauso am Herzen. So zaubert sie aus ausgebrannten Teelicht-Hülsen Schmuck oder verarbeitet Wachsreste zu neuen Kerzen. Claudia Schilling bastelt auch gerne mit ihren zwölfjährigen Zwillingen.

«Natürlich lasse ich mich auch im Internet, zum Beispiel von Pinterest inspirieren. Aber am Ende des Tages macht man den Computer zu und dann ist alles weg. Ich sehe es nicht physisch vor mir wie die Bücher.» Sie fühlt sich danach zwar inspiriert. «Aber ein Buch kann ich schnell aufschlagen, ich kann meine Post-its hineinkleben, es ist immer da. Nicht einfach irgendwo im digitalen Universum.» Dass sie etwas anfassen kann, ist ihr wichtig. Denn sie arbeitet nicht nur gerne mit den Händen, sondern lässt sich auch «per Hand» inspirieren. «Viele Ideen kommen mir auch bei der Herstellung der Objekte. Es kann sein, dass ein Teelicht zum Beispiel am Ende ganz anders aussieht, als ich es geplant hatte. Weil mich die Arbeit daran zu etwas ganz Neuem gebracht hat.»

Gedruckte Bücher zur Handarbeit

Der Berner Haupt-Verlag ist in der Schweiz der Leader, wenn es um das kreative Gestalten geht. Die aufwendig produzierten Bücher kommen gut an. Es gibt sie fast ausschliesslich gedruckt. «Unsere Leserinnen und Leser, die sich für handwerkliche Themen interessieren und selber gestalterisch tätig sind, schätzen ein gedrucktes und schön gebundenes Buch», ist Haupt-Sprecherin Martina Räber (36) überzeugt. «E-Books spielen deshalb für uns in diesem Bereich nur eine untergeordnete Rolle.»

Auch der Frechverlag aus Stuttgart (D) hat mit gedruckten Handarbeitsbüchern grossen Erfolg. In der Reihe «Topp» erscheint beim deutschen Marktführer jedes Jahr eine geballte Ladung an analoger Kreativität. Traditionelle Handarbeitstechniken sind dabei ebenso vertreten wie neue Trends und Materialien. «Obwohl wir seit vielen Jahren unsere Titel auch als E-Book anbieten, ist die Nachfrage nach diesem Format noch sehr verhalten», sagt Geschäftsführer Michael Zirn (52). «Auch in der Corona-Zeit hat sich daran nichts verändert.»

Eine digitale Auszeit mit realen Büchern und Handarbeiten tut uns gut. So hat das Harvard Medical Institut in einer Studie herausgefunden, dass Stricken sehr entspannend wirkt. Bei den getesteten Personen sanken zum Beispiel Pulsrate und Blutdruck. Es gibt auch ein Projekt, dass sich «Knit for Peace», also Stricken für Frieden nennt. Da geht es darum, verfeindete Parteien durch gemeinsames Stricken zu versöhnen.

Ausschalten und abschalten

Für die Planung eines Projektes mit Material und Werkzeug brauchen wir natürlich die reale Welt. Wer will schon einen virtuellen Pullover? Auch deshalb greifen die Kreativen gerne zu realen Büchern. Michael Zirn: «Dabei wird das Smartphone oder Tablet bewusst ausgeschaltet, damit man ganz in die Materialien und sein von Hand Geschaffenes eintauchen kann.» Ausserdem benötigten viele Bücher auch separate Vorlagen als Schnittmuster oder Vorlagen zum Abpausen – das lasse sich alles bei einem E-Book nur umständlich integrieren. Last, but not least: «Wir wissen, wie gerne kreative Ratgeber verschenkt werden – haben Sie schon einmal versucht, ein E-Book hübsch zu verpacken?»

«Haben Sie schon einmal versucht, ein E-Book hübsch zu verpacken?»

 

Und was wäre, wenn wir alle Informationen des Internets auf Papier hätten? Wir sparen mit der Digitalisierung einiges an Gewicht und Stauraum. Doch das ist nicht immer das entscheidende Argument. Claudia Schilling nutzt ihren Stauraum gerne. Bücher sind ja auch eine Art der Dekoration. Sie besitzt neben ihren geschätzten rund 400 kreativen Büchern in ihrem Atelier auch E-Books. «Aber die liegen als Datei in einem Ordner, ich lese sie selten.» Ihre beiden Kochbücher vom AT Verlag gibt es nur gedruckt. «Follow me» beschäftigt sich mit Grundrezepten, deren Variationen und wie man Reste verwertet. Im ersten Buch «Hin und weg» geht es um Rezepte für die Lunchbox. Als sie es schrieb, fing sie an, Lunchboxen zu sammeln. Auch dies kennen viele, die kreativ arbeiten. Man muss immer aufpassen, dass es nicht zu viel wird mit dem Sammeln von Material und Zubehör. Und mit den vielen Plänen. Werden es zu viele, fehlt plötzlich die Zeit.

Kuchen anschauen statt backen

Hier liegt der Nachteil der digitalen Inspiration: Bleibt man zu lange im Internet auf der Suche nach neuen Ideen, verhindert dies die tatsächliche Umsetzung. Claudia Schilling hat die Erfahrung gemacht, dass sie zum Beispiel auf Pinterest nach Inspiration sucht – «Und plötzlich ist eine Stunde vergangen. Ohne dass ich ein konkretes Resultat habe. Ich war so beschäftigt mit dem Betrachten der schönen Bilder. Das passiert mir mit Büchern nicht.» Ihre Beziehung zur Inspiration in den sozialen Medien bezeichnet sie als Hassliebe: «Vor lauter Kuchenanschauen verpasst man das Kuchenbacken.» Dies stellt sie auch bei ihren Kindern fest: «Sie wollen sich zum Beispiel am Nachmittag Bastelvideos im Internet ansehen. Aber am Abend haben sie nur die Videos geschaut und nichts gebastelt.» So wird die Inspiration zur Ablenkung. Bleibt man dagegen offline, kann man sich mehr auf das Tun konzentrieren. Claudia Schilling: «Ausserdem gibt es auch viele Anleitungen im Netz, die nicht funktionieren. Da vertraue ich lieber den Informationen in Büchern.»

Buchtipps für Bastel- und Strickfans

 

Steine behmalen

Das steckt drin: 20 Ideen für einen Trend, der auf vielen steinigen Wegen zu sehen ist: bemalte Steine. Figürliche Motive wie Bienen und Fische sind dabei, aber auch bunte Mandalas. Und einen QR-Code-Verweis zu Online-Inhalten wie Youtube-­Filmen zu den Anleitungen gibt es auch.

Das Zielpublikum: Dieses Buch eignet sich für die ganze Familie. Die Motive sind nach Schwierigkeitsgraden eingeteilt. Kleine Kinder werden dabei aber wohl viel Hilfe brauchen. Wer mag, kann statt der vorgeschlagenen Motive auch eigene Kreationen verwirklichen mit den Tipps und Tricks. Schöne Sprüche machen Passanten auf steinigen Wegen auch viel Freude.

Highlights: die aus mehreren Steinen zusammengesetzten Figuren

Autorin: Marion Kaiser

Verlag: EMF-Verla

 

Couture Taschen

Das steckt drin: Die 22 Taschen zum Nachhäkeln sehen aus wie direkt vom

Laufsteg: Von der Strandtasche über den Shopper bis zur edlen Clutch ist alles dabei. Das Zielpublikum: Taschenliebhaber, die gerne Neues ausprobieren. Alle, die Selbstgemachtes verschenken, elegantes Styling lieben und alle Fans von japanischem Design.

Highlights: zwei sensationell hübsche Hüte in den Farben Schwarz und Natur.

Autorin: Ayaka Chiba

Verlag: Stiebner

 

Spültücher stricken

Das steckt drin: 23 Anleitungen für kleine Kunstwerke zum Spülen, Waschen und Putzen. Mit dem kompakten Taschenbuch lässt es sich auch prima unterwegs stricken.

Das Zielpublikum: Anfängerinnen und geübte Strickerinnen. Wer nachhaltig reinigen möchte, ist mit diesen waschbaren Tüchern bestens bedient. Ausserdem perfekt für alle, denen durchgestylte Küchen und Bäder wichtig sind. Denn mit diesem Buch können Sie Spültücher stricken, die farblich zum Interieur passen.

Highlight: die Spültücher in Form von Früchten.

Autorin: Sandra Fischer

Verlag: Frechverlag, Marke Tog

 

Hexer, Drachen, Elfen   

Das steckt drin: Anhand von 21 Motiven aus der Welt der Fabelwesen erklärt der Autor seine Technik. Mit dem Nachzeichnen der Figuren können Sie üben, Ihre Fantasiefiguren zu Papier zu bringen.

Das Zielpublikum: Eskapismus bedeutet, dass man der Realität entfliehen will. Das ist nicht immer klug, aber manchmal braucht es einfach Fantasy-Inseln zur Erholung. Statt Fantasy-Filme zu schauen, können Sie sich mit diesem Buch selbst als Künstler versuchen und so in eine Fantasie-Welt eintauchen. Ganz blutiger Anfänger sollte man nicht sein, um die Figuren nachzuzeichnen – andererseits, warum nicht? Man kann sie auch kopieren und ausmalen.

Highlights: die gut durchdachten Material-Listen mit Tipps, die Drachenfigur.

Autor: Hauke Kock

Verlag: EMF-Verlag

 

Schmuck aus Golddraht

Das steckt drin: Mit einer neuen Häkeltechnik entsteht filigraner Schmuck. Das erste Drittel des Buches ist den Erklärungen und Vorbereitungen gewidmet. Danach gibt es 17 Schmuckstücke zum Nacharbeiten. Die Anleitungen sind sehr ausführlich beschrieben und bebildert.

Das Zielpublikum: Die luftig leichten Projekte werden vor allem jenen Kreativen gefallen, die gerne exakte Kleinarbeiten ausführen. Wer schon Erfahrung hat mit Draht, wird schnell loslegen können. Alle anderen sollten sich erst einmal einlesen und Übungsstücke fertigen. 

Highlights: die mit Draht eingehäkelten Schmucksteine und die voluminösen Colliers.

Autorin: Yael Falk

Verlag: Frechverlag, Marke Topp

 

Meine 100 liebsten Kreativprojekte

Das steckt drin: Der Titel ist Programm, denn 100 kreative Projekte erwarten die Bastelfans. Vom Hocker mit Snappap über einen Lampenschirm bis zur verzierten Pfeffermühle ist alles dabei.

Das Zielpublikum: Wer viele Techniken und Inspirationen in einem Buch sucht, wird mehr als fündig. Die kunterbunte Mischung mag Minimalisten nicht gefallen, doch das Pop-Art-Tablett zum Beispiel ist Kunst. Ein Platz, wo fliegende Späne kein Problem sind, ist bei manchen Projekten von Vorteil.

Highlights: die Schuhbank aus einem Schlitten sowie die Schachteln in Bücherform.

Autorin: Martina Lammel

Verlag: EMF-Verlag

 

Schöne Post

Das steckt drin: Dieses Buch hat in der heutigen Zeit fast schon etwas Subversives. Da wird Papier propagiert! Man soll Briefe von Hand schreiben – mit Tinte! Und per Post verschicken, oder noch schlimmer: persönlich vorbeibringen. Mit einer Fülle an Ideen will dieses Buch zum analogen Briefschreiben verführen.

Das Zielpublikum: Alle, die sich in der analogen Welt am wohlsten fühlen. Alle, die einen Ausgleich zu E-Mails suchen. Alle, die Papier lieben. 

Highlights: eine selbst gestaltete Briefpapier-Mappe, zauberhafte Minibücher und die Möglichkeit, an einem Kunstprojekt teilzunehmen.

Autorinnen: Tabea Heinicker, Michaela Müller

Verlag: Haupt