Herzige Hörnchen | Coopzeitung
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Titelgeschichte

Herzige Hörnchen

Wir lieben sie und sie mögen unsere Nähe: Die Eichhörnchen sind zu uns in die Stadt gezogen. Wildbiologin Anouk Taucher beobachtet sie regelmässig. Und im neuen Weihnachtsspot von Coop spielt das putzige Tier ebenfalls eine wichtige Rolle.

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Getty Images
05. November 2021
Haselnüsse mögen die Eichhörnchenbesonders gerne und sammeln sie im Herbst als Vorrat.

Haselnüsse mögen die Eichhörnchenbesonders gerne und sammeln sie im Herbst als Vorrat.

Ein rundes Köpfchen, schwarze Knopf­augen und dazu ein buschiger Schwanz, mit dem es sich sogar zudecken kann: Das Europäische Eichhörnchen sieht aus wie ein Kuscheltier aus dem Bilderbuch. Nicht nur Kinder, auch Erwachsene mögen die putzigen Nager. Aber Sciurus vulgaris, wie es auf Lateinisch heisst, ist eigentlich sehr scheu. Nur mit seiner Lieblingsspeise, den Haselnüssen, lässt es sich anlocken.

Artgerechte Fütterung nur bei Bedarf

Doch das mit dem Füttern ist so eine Sache. «Eichhörnchen finden auch ohne den Menschen meist genug Futter», sagt Anouk Taucher (32). «Nur wenn im Winter der Boden gefroren ist, kann es sein, dass sie nicht an ihre Vorräte kommen und auf anderes Futter ausweichen.» Die Wildbiologin und Siedlungsökologin hat sich auf Wildtiere im Stadtgebiet spezialisiert. Sie arbeitet für das Projekt «StadtWildTiere», welches sich gemeinsam mit der Bevölkerung mit der Untersuchung von Wildtieren in Städten befasst, diese erforscht und schützt. Dazu gehört auch, dass sie regelmässig Wildtiere wie die Eichhörnchen beobachtet sowie Beobachtungen aus der Bevölkerung sammelt, um festzustellen, wie es der Population geht. Die Hörnchen halten keinen Winterschlaf und sind auch in der kalten Jahreszeit aktiv. «Deshalb legen sie Vorräte an», erklärt die Expertin. Sie mögen es schön ordentlich und sortieren sie nach Haltbarkeit.

Für «StadtWildTiere» macht Anouk Taucher auch regelmässig Führungen in Zürich und anderen Städten, um den Menschen die Bedürfnisse und das Verhalten der Wildtiere, die in der Stadt wohnen, näherzubringen. Eine der Stationen ist der Stadtzürcher Friedhof Sihlfeld. «Hier leben viele Eichhörnchen.» Auch sie mag die kleinen Nager sehr, doch sie hält respektvoll Abstand. «Man sollte Wildtiere nicht zu sehr an Menschen gewöhnen.» Doch weil sie so herzig sind, fällt es vielen Parkbesuchern schwer, die Eichhörnchen nicht zu füttern.

Und es ist genauso schwierig, sie zu zählen – sogar, wenn man sie dafür mit Haselnüssen anlockt. Deshalb gibt es keine genauen Zahlen über die Bestände. «Wir haben Futterhäuschen mit Fotofallen aufgehängt», erzählt Anouk Taucher. «Mit der Menge der gefressenen Nüsse wollten wir abschätzen, wie viele Eichhörnchen auf dem Friedhof Sihlfeld leben.» Die Tierchen haben nicht wirklich mitgemacht. «Es gab zwar ein paar lustige Fotos, doch die Nüsse haben sie nicht angerührt.»

«Eichhörnchen fressen den ganzen Tag.»

Anouk Taucher, Wildbiologin

Der Friedhof ist mit 288 000 Quadratmetern die grösste Parkanlage Zürichs und damit ein Paradies für Eichhörnchen. Er wurde 1877 eröffnet. «Hier gibt es viele alte und grosse Bäume, das gefällt den Tieren», erklärt die Spezialistin. «Ausserdem wachsen hier viele Nadelbäume. Eichhörnchen fressen die Samen aus den Tannenzapfen.» Und sie lieben die Bucheckern, die Nüsse der Buchen, die sich hier ebenfalls wohlfühlen.

Verstecken ist lebenswichtig

Doch an diesem Herbstmorgen lassen sich die Hörnchen nicht blicken. Ein paar Rabenkrähen suchen unter einer Bank nach Futter. Und ein roter Kater taucht neben einer Wiese auf. Beim Anblick von Katzen ziehen sich die Eichhörnchen vorsichtshalber zurück. Zu ihren Feinden zählen Baummarder oder Habichte.

Um zu entkommen, müssen sie geschickt sein. So ein Hörnchen kann bis zu 25 Kilometer pro Stunde schnell rennen und hüpft wie der Wind von Ast zu Ast, bis zu zwei Meter weit. Der buschige Schwanz dient dabei zur Balance. Und es baut mehrere Nester in den Bäumen, sogenannte Kobel, wo es sich verstecken kann. Das Eichhörnchen ist auch schwierig zu finden, weil es in der Regel ganz leise ist. «Lautäusserungen hört man vor allem während der Paarungszeit im Januar und Februar, wenn sie sich gegenseitig jagen», so die Wildbiologin.

Nach einer Tragezeit von 38 Tagen kommen ein bis sechs Babys zur Welt, nach sechs Wochen verlassen sie das erste Mal das Nest. Ausserhalb der Paarungszeit sind Eichhörnchen Einzelgänger. «Wer ein junges Eichhörnchen entdeckt, wendet sich am besten an die Eichhörnchenstation im aargauischen Buttwil», empfiehlt Anouk Taucher. «Nur weil es alleine ist, heisst das nicht, dass die Mutter das Junge aufgegeben hat. Man sollte es erst einmal länger beobachten.»

Mit dem Feldstecher entdeckt die Biologin schliesslich ein Eichhörnchen. Es nähert sich flink und beobachtet seine Beobachterin von der sicheren Höhe des Baumes. Und was macht so ein Hörnchen den ganzen Tag? «Es frisst», sagt Anouk Taucher. Zum einen ist das Eichhörnchen ein Nager. «Das heisst, seine Vorderzähne wachsen dauernd. Deshalb muss es sie abnutzen.» Etwa durch das Aufnagen der harten Schale von Walnüssen oder Haselnüssen und das Fressen selber. Zum anderen braucht das Eichhörnchen für die schnellen Sprünge viel Energie. «Zudem hat es eine recht hohe Körpertemperatur von 37 bis 40 Grad», so Anouk Taucher. Da verwundert es nicht, dass die rotbraunen Nager, die zwischen 200 und 500 Gramm wiegen, in einer Woche ihr eigenes Gewicht fressen können und trotzdem schlank und rank bleiben.

Ein grauer Konkurrent

Doch nicht alle Eichhörnchen sind rotbraun. Es gibt auch schwarzbraune und fast graue Fellfarben. Warum das so ist, weiss man nicht so genau. Die Vermutung: «Das dunkle Fell ist dichter und erwärmt sich schneller in der Sonne. Die dunkler gefärbten Tiere sind tendenziell in höheren Lagen und in dichten Fichtenwäldern anzutreffen», erklärt Anouk Taucher.

Allerdings müssen sich die herzigen Hüpfer vor dem Grauhörnchen aus Nordamerika fürchten. In England und Italien verdrängt es die einheimischen Eichhörnchen. Es wurde im 19. und 20. Jahrhundert von Geschäftsreisenden mitgebracht. Das Grauhörnchen ist nicht nur kräftiger und grösser, und darum gewinnen sie eher bei der Nahrungssuche. Es trägt auch einen Virus in sich, an dem es selbst nicht erkrankt. Doch unsere Hörnchen sterben daran. In der Schweiz ist das Grauhörnchen bis jetzt noch nicht aufgetaucht. Ausserdem sind die Grauhörnchen in Italien offenbar nicht mit dem Virus infiziert.

«Die dunkler gefärbten Tiere sind tendenziell in höheren Lagen und in dichten Fichtenwäldern anzutreffen.»

Anouk Taucher, Wildbiologin

Die Eichhörnchen auf den Grünflächen des Friedhofs Sihlfeld sind also vorerst in Sicherheit. Anouk Taucher entdeckt ein zweites in einem Baum. Mehr sind es an diesem Tag nicht. Die Tiere sehen gesund und munter aus. Das freut die Wildbiologin. «Das ist das Beste für die Eichhörnchen, wenn man einfach ruhig ist, sie beobachtet und sich ihnen nicht unnötig nähert.» 

Ein neuer Freund für Nevi

Es hat mit seinen blauen Augen die ganze Schweiz verzaubert. Dieses Jahr bekommt das Schneemonster Nevi aus dem Weihnachtsspot von Coop einen neuen kleinen Freund: das Eichhörnchen Flo.

Es ist eines der herzigsten Eichhörnchen überhaupt: Der neue Star des Weihnachtsspots von Coop heisst Flo. Aber eigentlich gibt es das süsse Tier gar nicht. Denn am Drehort im Studio Contentpark in Schlieren ZH wird kein lebendiges Eichhörnchen gefilmt, sondern Attrappen. Auch bei den Aussenaufnahmen in Ennenda in Glarus kamen sie zum Einsatz.

Die drei anderen Protagonisten sind im Gegensatz zu Flo echt. Die Kinder und der Hund waren schon beim letzten Weihnachtsspot dabei. «Wir haben mit Tieren, mit Kindern, mit Wetterelementen und mit 3-D-Figuren gedreht», erzählt Tobias Fueter, Co-Gründer und Regisseur bei der für den Film verantwortlichen Produktionsfirma Stories. «Aber sowohl Hund wie auch Kids sind mittlerweile abgebrühte Profis und haben es so toll gemacht.»

Flo bringt alle auf Trab

Alexia (11) und Elias (9), der ihren Bruder spielt, kennen sich also aus. Doch trotzdem macht die Attrappe des Eichhörnchens Eindruck und die beiden streicheln über das künstliche Fell. Diese Tiere sind halt in jeder Form süss.

Im letztjährigen Weihnachtsspot haben Alexia und Elias das Schneemonster Nevi getröstet. Denn Nevi war traurig darüber, dass es keine Artgenossen hat. Dank der beiden Kinder und ihrer Geschenke wurde es wieder fröhlich und liess es richtig fest schneien. Mit der zusätzlichen Hilfe von Eichhörnchen Flo gibt es diesmal noch mehr Schnee! Und wohl auch wieder die eine oder andere Träne der Rührung. 

Haben Sie ein Eichhörnchen gesehen? Helfen Sie mit bei der Erforschung der kleinen Nager und melden Sie Ihre Beobachtung unter: www.stadtwildtiere.ch