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Im Kajak die Kraft der Stille geniessen

Paddeln kann man auch, wenn man mehr trägt als nur eine Badehose. Wer im Winter mit dem Kajak auf den Brienzersee geht, findet die völlige Ruhe.

FOTOS
Rainer Eder
15. Februar 2021
Kajakguide Karel (links) und Reporter Thomas Compagno gleiten im Brienzersee dahin.

Kajakguide Karel (links) und Reporter Thomas Compagno gleiten im Brienzersee dahin.

Lautlos gleiten die Kajaks über den Brienzersee. Das Wasser ist spiegelglatt, die Stimmung an diesem Morgen ruhig, ja fast besinnlich. Ein paar Möwen hocken am Ufer und warten auf die Sonne, derweil ein Schwan wie in Zeitlupe an den bunten Kajaks vorbeizieht. Im Hintergrund scheint das Brienzer Rothorn zu höhnen: «Seht her, hier oben macht man Wintersport.» Doch Wintersport, findet Dave Storey (39), kann man auch auf dem See treiben. Seit acht Jahren bietet der in Manchester (GB) aufgewachsene Kajak- und Kletterguide auf dem Brienzersee Kajaktouren an, neuerdings auch im Winter. «Ich liebe es, im Winter auf dem See zu sein», sagt Dave. «Man ge­niesst völlige Ruhe, weil keine Badegäste und keine Boote auf dem See sind und auch viel weniger Kursschiffe verkehren. Es ist einfach Wow.»

Trockenanzug und Fleecejacke

Kajak im Winter, das klingt nicht nur nach Ruhe, sondern auch kalt – ist es aber nicht, auch wenn die Wassertemperatur nur um die fünf Grad beträgt. Die Kajakfahrer bekommen wasserdichte Trockenanzüge, darunter trägt man Skiunterwäsche und – je nach Temperatur – warme Pullis oder Fleece- jacken. Man würde so eingepackt sogar ein Kentern überstehen und könnte die Tour fortsetzen, ohne dass man eine Lungenentzündung riskiert, beruhigt Guide Karel Meulders (29), der diesen Morgen die Tour leitet. Er musste jedoch noch keinen gekenterten Gast retten. Auch wenn sich die Kajaks auf den ersten Metern etwas wackelig anfühlen, liegen sie recht stabil im Wasser und sind einfach zu manövrieren. «So leicht kentern sie nicht», versichert der Belgier.

Karel instruiert seine Gäste, wie man korrekt im Kajak sitzt.

Auch beim Kajaking gibt es derzeit Einschränkungen aufgrund der Pandemiebekämpfung, aber die sind vergleichsweise klein. Statt mit Sechsergruppen sind die Guides jetzt mit Vierergruppen unterwegs, damit maximal fünf Personen zusammen sind.

Während wir vom Strandbad Bönigen BE Richtung rechtes Seeufer gleiten, erklärt Karel, worauf es ankommt: Das Paddel nicht zu tief ins Wasser tauchen, aber auch nicht nur zur Hälfte, und regelmässig paddeln. Mittels Fusswiderstand im Boot kann man sogar lenken oder einen grossen Bogen fahren, ohne dass man nur einseitig paddeln muss.

Für eine Kajaktour muss man weder sportlich trainiert sein, noch braucht man gestählte Oberarme. Das Tempo ist gemütlich, damit alle mitkommen und den Ausflug geniessen können. In den zwei Stunden auf dem Wasser legt man drei bis vier Kilometer zurück.

Mit guter Technik gehts schneller

Zwischendurch demonstriert Karel, der neben mir fährt, dass man mit der richtigen Technik durchaus auch schneller vorwärtskommt. Er macht zwei, drei kräftige Paddelzüge und ist gleich einige Meter weiter vorne, zückt die Kamera und macht ein paar Fotos.

«Der ist wohl mit einem Paddel in der Hand zur Welt gekommen», fährt es einem durch den Kopf. Doch falsch getippt. Karel hat in Belgien 25 Jahre lang Inline-Speedskating betrieben und ist unter anderem belgischer und Europameister. Durch seinen Sport hat er die Schweiz und ihre Seen kennengelernt und vor zwei Jahren bei Dave Storey in Bönigen angeheuert.

Schon bald erreichen wir die senkrechte Felswand bei Ringgenberg BE. Karel erzählt: Die Wand gehe unter Wasser genau gleich weiter, also senkrecht hinunter. Bei klarem Wasser sehe man sehr weit hinab – «natürlich nicht zum Grund», denn mit einer maximalen Tiefe von 260 Metern sei der Brienzersee der tiefste See der Deutschschweiz. Gästen aus dem Ausland zeigt Karel gerne noch mehr von der Gegend. Ein kurzer Landausflug zur Burg Ringgenberg, die im 13. Jahrhundert erbaut wurde, sei für die meisten die Krönung der Kajaktour. «Doch den Schweizerinnen und Schweizern muss man alte Mauern nicht mehr zeigen», meint Karel und gibt das Signal zum Zurückpaddeln. 

Eine zweistündige Tour mit Guide kostet bei Hightide in Bönigen 130 Franken pro Person. Zeitaufwand inkl. Vor- und Nachbereitung ca. drei Stunden.

Angebote

Winteraktivitäten für Gäste

Aufgrund der Pandemie und der damit verbundenen Restriktionen ist das touristische Angebot an vielen Orten eingeschränkt. So finden in Interlaken BE momentan auch keine Paragliding-Tandemflüge statt. Was es aber gibt:

Schneeschuhtour mit dem Ranger auf die Lombachalp BE
Der Ranger führt Sie auf einer Halbtages-Tour durch die atemberaubende Winterlandschaft zur Lombachalp BE. Für sportliche Teilnehmer. Kosten: ab 139 Franken, inkl. professioneller Guide, Transporte, Schneeschuhausrüstung, Snack und Getränke.

Ziegentrekking Ringgenberg BE
Lassen Sie sich auf Ihrem Halbtages-Ausflug von Ziegen begleiten, die Ihr Gepäck tragen. Kosten pro Person, inkl. Picknick: 130 Franken für zwei Personen, Kinder bis zwölf Jahre sind gratis.

Station in Saanen BE
Im alten Feuerwehrmagazin Saanen ist ein ganz besonderes Spielparadies entstanden. Jung und Alt können hier werken, machen und ausprobieren. Ein Après-Ski-Erlebnis der anderen Art. Eintritt: 10 Franken.