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Wandern

Im Reich der Monster und Feen

Wer Schönwetterwanderungen mag, wurde diesen Sommer vom Wetter nicht nur verwöhnt. Aber: Schlechtwetterwanderungen, zum Beispiel durchs Lorzentobel und vorbei an den Höllgrotten, haben auch ihren Reiz.

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KARTE JANINA NOSER
27. August 2021
Stimmungsvoll: Lampen  und sphärische Klänge machen die Höllgrotten  zu einem Kraftort.

Stimmungsvoll: Lampen und sphärische Klänge machen die Höllgrotten zu einem Kraftort.

Wandern geht auch bei Regen. Vor allem hat man viel Ruhe. Hie und da begegnet einem vielleicht ein Hundehalter, der mit seinem Hund unterwegs ist, aber sonst hat man die Landschaft für sich allein. Und die Stimmung in der Natur ist eine ganz andere als bei Sonnenschein: Still, bis auf die Regentropfen und geheimnisvoll. Man vernimmt intensive Gerüche und geht auf samtweichem Boden. Auf Regenwanderungen verzichten muss man nur bei Sturm und Gewitter. Und Vorsicht ist in der Nähe von Gewässern geboten, wenn es intensiv geregnet hat, wie die Hochwasser im Juli eindrücklich gezeigt haben.

Die Flachmoore des Zugerbergs

Ideal für eine Regenwanderung ist das Lorzentobel zwischen Ägeri ZG und Baar ZG. Die knapp vierstündige Wanderung ab Unterägeri ist einfach, und sollte das Wetter noch schlechter werden, dass einem die Lust aufs Wandern doch vergeht, gibt es mehrere Ausstiegsstellen, wo man den Bus besteigen und zurückfahren kann.

Hat man die letzten Häuser von Unterägeri einmal hinter sich gelassen, führt die Route über mehrere Flachmoore am Fusse des Zugerbergs. Bei nasser Witterung tritt man hier leicht in Pfützen oder schlammigen Boden, aber was solls: Gute Schuhe halten das aus und am Abend kann man sie ja putzen. So weich ist das Wandern selten.

In Neuägeri trifft die Route auf die Lorze, die den Ägerisee entwässert und in den Zugersee fliesst. Hier ist eine erste Ausstiegsstelle, an der man den Bus besteigen könnte. Der Wanderweg folgt nun dem Bach ins Lorzentobel hinein. Man teilt ihn sich mit den Velofahrerinnen und Velofahrern, denn das Lorzentobel gehört auch zum nationalen Radwegenetz. Doch der Weg ist breit, und wenn alle Rücksicht nehmen, ist das kein Problem. Nach eineinhalb Kilometern verlässt der Wanderweg die Veloroute wieder und windet sich auf der linken Lorzeseite das Tobel hoch. Er steigt keine 100 Meter hinauf, dennoch ist das Gelände hier unübersichtlich, steil und gefährlich. Unbedingt auf den Wegen bleiben! Die Schilder weisen zur kleinen, aber imposanten Ruine Wildenburg, die im 13. Jahrhundert errichtet und 1985 vor dem endgültigen Zerfall bewahrt wurde. Sie war einst eine Wohnburg der Herren von Hünenberg.

Versteckter Schwarzenbachfall

Von der Ruine folgt der kurze und steile Abstieg zum Schwarzenbach, der hier in einem kleinen Wasserfall über eine Geländekante stürzt. Bei den Tobelbrücken, drei noch bestehenden, in unterschiedlichen Zeiten erstellten Brücken, könnte man erneut den Bus besteigen. Das ist jedoch nicht zu empfehlen, denn jetzt führt die Route wieder ins Lorzentobel hinein und bringt die Wanderer zum Höhepunkt des Tages, zu den Höllgrotten. Das Höhlensystem, das 1863 beim Tuffabbau entdeckt wurde und seit 1887 öffentlich zugänglich ist, kann man auch bei Regen gefahrlos besuchen. Man geht heute von oben nach unten durch die Gänge, «das erleichtert es den Gästen, die Formationen zu bestaunen», erklärt Marketingleiterin Christina Baccari (54). Früher führte der Weg in der Höhle bergauf. Das hatte zur Folge, dass sich die Gäste zu sehr aufs Gehen konzentrieren mussten und die Gesteinsformationen übersahen: Monster, Feen, Bärte, Kröten oder was auch immer man in den natürlichen Skulpturen entdeckt.

Heute rücken Lampen die Höhle ins rechte Licht und sphärische Klänge vermitteln eine mystische Stimmung. «Viele nehmen die Höhlen als Kraftort wahr», sagt Christina Baccari. Insbesondere Menschen mit einer Beeinträchtigung würden dort Reaktionen zeigen, häufig ein Lächeln, die man sonst nie bei ihnen sehe.

Die Höllgrotten kann man selbstständig besuchen und sollte dafür etwa 45 Minuten und einen zusätzlichen Pullover einplanen. In den Höhlen herrschen das ganze Jahr über 10 Grad Celsius. Von November bis März ist geschlossen, «damit das Höhlensystem und die Tiere, die darin leben, zur Ruhe kommen», sagt Christina Baccari. Immerhin besuchen jedes Jahr rund 50 000 Menschen die Höllgrotten. 

  • Die Höllgrotten sind vom 1. April bis 31. Oktober täglich von 9 bis 17 Uhr geöffnet.
  • Der Eintritt für Erwachsene kostet 12 Franken, für Kinder von 6 bis 16 Jahren 6 Franken.
  • Hunde sind erlaubt (und gratis).