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Reportage

Pionier aus Leidenschaft

Nach einem Jahr Zwangspause feiert die Coop Beachtour im Sommer 2021 ihre 20. Austragung. Dass es sie überhaupt gibt, verdankt sie dem Zuger Christian Wandeler.

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25. Juni 2021
Christian Wandeler am Rhein, vordem Basler Münster: «Hier in Basel ging alles los.»

Christian Wandeler am Rhein, vordem Basler Münster: «Hier in Basel ging alles los.»

Leidenschaft ist der beste Antrieb. Wer für eine Sache brennt, kann andere mitreissen und Türöffner für eine ganze Sportart sein. Im Schweizer Beachvolleyball ist das Christian Wandeler, der Gründer der Coop Beachtour. Der mittlerweile 58-Jährige kam 1985 erstmals mit der damals in der Schweiz völlig unbekannten Sandsportart in Berührung. Als junger Volleyball-Profi nahm Wandeler an einem Strandturnier an der kalifornischen Küste in Manhattan Beach (USA) teil. «Ich war auf Anhieb fasziniert von dieser Mischung aus Sun und Fun», erzählt Wandeler. «Das war damals eine einzige grosse Party, aber vor einem Riesenpublikum.»

«Das war damals eine einzige grosse Party, aber vor einem Riesenpublikum.»

Christian Wandeler

Mit dem heutigen Spitzensport Beachvolleyball sei das nicht mehr vergleichbar, beeilt er sich anzufügen. Für den damaligen Nationalspieler, der etwas frustriert war von den bescheidenen Erfolgsaussichten des Schweizer Indoor-Nationalteams, sollte dieses Erlebnis für die sportliche und berufliche Laufbahn gleichermassen wegweisend sein.

In der Folge versuchte sich Wandeler vermehrt selbst im Sand. Da es in der Schweiz zu jener Zeit noch keine Sandplätze für Beachvolleyball gab, fand das erste Turnier der Handvoll Sandpioniere 1990 auf dem Sand-Kies-Gemisch einer Kugelstossanlage in Jona SG statt. Ein Jahr später folgte dann Wandelers nächstes Aha-Erlebnis an einem Show-Event in Almeria (E): «Der Beach-Court befand sich mitten in der Stadt, die Stimmung war grossartig. Da sagte ich mir: Das müssen wir auch in der Schweiz haben.»

Meilenstein in Basel

Doch dazu musste die junge Sportart in der Schweiz erst einmal bekannt gemacht werden. 1992 organisierte Wandeler die ersten Schweizer Meisterschaften im Lido Luzern, an denen er mit seinem Partner Martin Walser auch gleich selbst den Titel holte. Die olympische Premiere des Beachvolleyballs 1996 in Atlanta (USA) ging dann noch ohne helvetische Beteiligung über die Bühne. Die späteren Beachvolley-Stars Martin und Paul Laciga verpassten die Qualifikation ebenso wie das knapp hinter ihnen klassierte Duo Walser/Wandeler. «Das war eine grosse Enttäuschung für uns Schweizer», erinnert sich Wandeler. Und doch war mit dem ersten Schritt auf die Weltbühne der Weg für die Sportart in der Schweiz geebnet.

Im Jahr 1997 erreichte Wandeler dann sein grosses Ziel: das erste Beachvolleyball-Turnier in einer Schweizer Innenstadt. Basel brach den Bann und erteilte die Bewilligung für die Durchführung auf dem Barfüsserplatz. «Da haben wir erstmals Aufmerksamkeit erregt», sagt Wandeler mit Genugtuung. Kurze Zeit später öffneten mit Locarno TI, Zürich und Luzern weitere Städte ihre Zentren für die Beachvolleyballer.

Plattform für die Jungen

Richtige Konstanz erreichte die Swiss Beach Tour dann aber erst mit dem Einsteigen von Coop als Titelsponsor im Jahr 2000. «Das Beachvolleyball verdankt Coop viel», meint Wandeler. Ihm ist wichtig, dass die Coop Beachtour bis heute ihrer ursprünglichen Idee treu geblieben ist: «Sie muss eine Plattform für die Jungen sein.» In verschiedenen Schweizer Städten treffen hoffnungsvolle Talente auf die Europameister, Weltmeister und Olympiasieger. Überraschenderweise war es schon zu Beginn nicht allzu schwierig, die internationale Prominenz in die beschauliche Schweiz zu locken. «Viele brasilianische Teams kamen über den Sommer nach Europa und wollten so viele Turniere wie möglich spielen», sagt Wandeler, der durch seine vielen sportlichen Gastspiele in Südamerika und den USA die ganze Beachvolleyball-Szene kannte.

20 Jahre später existiert die Coop Beachtour immer noch – und ist längst in den Agenden der ganz Grossen notiert. Auch dieses Jahr messen sich Schweizer Top-Teams wie Hüberli/Betschart und die Europameisterinnen Heidrich/Vergé-Dépré bei den Frauen sowie Gerson/Heidrich bei den Männern mit Spitzencracks aus der ganzen Welt. Christian Wandeler wird als begeisterter Zuschauer dabei sein – aber nicht mehr als Organisator. Vor sieben Jahren gab er die Leitung ab, er ist mit seiner Firma Guwa Sports Management aber immer noch bei den meisten Turnieren für den Sand und das Stadion zuständig. Denn ganz lässt ihn sein Sport wohl nie mehr los. Zumal seine 16-jährige Tochter ebenfalls schon begeisterte Beachvolleyballerin ist.