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Schöne Aussichten und ein langer Weg

Zwischen Genfersee und Saanetal wandelt man auf den Spuren des Etivaz-Käses, bewältigt lange Abstiege und findet das grösste Holzhaus der Schweiz.

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Andrea Meier
02. August 2021

Der Hausberg von Montreux VD, Rochers-de-Naye, ist ein klassischer Ausflugsberg: mit der Zahnradbahn hinauf, Aussicht geniessen – und mit der Bahn wieder hinunter. Man kann den imposanten Fels am Genfersee aber auch als Startpunkt für eine Wanderung nehmen. Dann befindet man sich – je nach Marschrichtung – auf der zweiten oder zweitletzten Etappe der Via Alpina, der Weitwanderung von Montreux bis Vaduz (FL). Die Etappe von Rochers-de-Naye bis Rossinière VD ist anspruchsvoll: Mehr als 800 Meter Aufstieg und fast 1900 Meter Abstieg sind zu bewältigen.

Man kann den imposanten Fels am Genfersee aber auch als Startpunkt für eine Wanderung nehmen.

 

Oben auf den Rochers-de-Naye ge­niesst man einen herrlichen Weitblick über die Alpenkette. Richtung Süden stehen die Dents du Midi markant beim «Eingang» ins Wallis, Richtung Osten blickt man bis zum Eiger, und im Westen sieht man das Mont-Blanc-Massiv. Bei gutem Wetter erkennt man sogar die Wasserfontäne des Jet d’eau, des Wahrzeichens von Genf.

Es empfiehlt sich jedoch, diese Aussicht nicht zu lange zu geniessen, denn bis Rossinière stehen rund sechseinhalb Stunden Marschzeit bevor. Der erste Abstieg beginnt beim Alpengarten La Rambertia auf den Rochers-de-Naye, wo über 1000 Alpenpflanzen gehegt und gepflegt werden.

Über offenem Feuer

Der steile Abstieg, für den es sich lohnt, die Wanderschuhe fest zu schnüren, führt in den Talkessel und zum Col de Chaude. Kurz nach dem Passübergang befindet sich das Chalet du Col de Chaude, eine jener Alpen, auf denen der Waadtländer Etivaz-AOP-Käse hergestellt wird. Käser Olivier Yersin (61) und sein Team produzieren pro Jahr gegen zwölf Tonnen dieses Hartkäses, der nach einem traditionellen Rezept aus Rohmilch und über offenem Feuer in Handarbeit hergestellt wird.

Von den Rochers-de-Naye blickt man auf den Genfersee und über die Alpen.

Nur etwas mehr als hundert Alpkäsereien in den Waadtländer Alpen produzieren Etivaz, dessen Laibe zwischen 15 und 35 Kilogramm schwer sind und dessen würzig-fruchtiger Geschmack mit der leicht nussigen Note den Kräutern zu verdanken ist, die die Kühe auf den Alpen finden. Im Hofladen der Alp kann man den Käse kaufen.

Ein steiniger Weg über Wiesen und durch Wald führt weiter talabwärts. Bald kommt der Lac de l’Hongrin mit seinem mächtigen, zweibogigen Staudamm ins Blickfeld. Der Damm ist für Fussgänger begehbar, und im See darf man fischen und baden. Nach über zwei Stunden Abstieg erreicht man schliesslich den Hongrin-Fluss, den Abfluss des Stausees.

Hier kann man die Schnürsenkel wieder etwas lockern, denn nun folgt ein Aufstieg. Über steile Wiesen geht es fast 600 Höhenmeter hinauf nach Linderrey, wo man den Bergkamm überquert. Von oben geniesst man einen herrlichen Blick auf den Lac de l’Hongrin und den Gebirgskamm im Osten mit dem Mont d’Or und dem Gros Van. Und man hat den grossen Aufstieg des Tages hinter sich. Die Wanderkarte zeigt: Nun geht die Route nur noch bergab – doch Vorsicht.

Rossinière: Das Dorf der Chalets

Das «nur noch» ist fehl am Platz, denn der Weg ist noch weit und der Abstieg bis Rossinière hat es in sich. Anfänglich wandert man auf einem Strässchen, doch beim Col de Sonlomont verlässt die Route diese Fahrstrasse und folgt der Bergflanke bis zur Krete bei La Tanchin. Dort taucht der Weg ein in den Wald oberhalb von Rossinière. In langen Serpentinen fällt er steil ab. Die besonders exponierten Stellen dieser Traversen sind mit Drahtseilen gesichert. Trittsicherheit und Konzentration sind jetzt wichtig, erst recht, wenn die Füsse schon schmerzen und die Kräfte nachlassen.

Blick auf den Lac de l'Hongrin, im Hintergrund der Mont d?Or.

Zuletzt führt die Wanderroute am kleinen Stausee Lac du Vernex vorbei. Über eine 1650 erbaute Steinbrücke gelangt man auf die andere Seite der Saane und ins Dorf Rossinière. Wer hier noch Zeit und Energie hat, sollte sich den Ort ansehen. Rossinière ist berühmt für seine Holzchalets mit den kunstvoll bemalten Fassaden. Ganz in der Nähe des Bahnhofs befindet sich das grösste Holzhaus der Schweiz, das Grand Chalet. Das Haus steht auf einer Grundfläche von 500 Quadratmetern und hat 113 Fenster.