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Reportage

Walliser Schlaraffenland

Eine geheimnisvolle Wanderung im Naturpark Pfyn-Finges führt zu kulinarischen Höhepunkten und landschaftlichen Schönheiten, uralten Rebsorten und innovativen Winzern – und in die Walliser Geschichte.

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Thomas Andenmatten
13. August 2021
Die Wanderung durchdie Weinberge ist nicht streng, abertrotzdem spannendund abwechslungsreich.

Die Wanderung durchdie Weinberge ist nicht streng, abertrotzdem spannendund abwechslungsreich.

Grotschätä und Cholera. Oder Pfyfoltru und Gwäss. Solche Ausdrücke klingen wie Boten aus einer anderen Welt. Einer Welt, die normale Üsserschwizer kaum je kennenlernen. «Auch darum gibt es Savurando, eine Wanderung durch Weinberge und Dörfer, in die Vergangenheit und auch die Zukunft der Region», sagt Cindy Oggier (32). Die Einheimische ist Projektassistentin beim Naturpark Pfyn-Finges, welcher diese Wanderung anbietet. 

In den Riegel statt auf den Kompost

Die Schatzsuche ist mit einer Schnitzeljagd kombiniert, die auch für Kinder spannend ist. Bekannt ist nur der Start, der liegt in Susten/Leuk VS im dortigen Tourismusbüro. Die Teilnehmer erhalten ein Lunchpaket mit auf den Weg, auf Wunsch vegetarisch. Das ist dann schon die erste kulinarische Überraschung: Riegel und Sandwiches sind mit Traubenkernen respektive Traubenkernmehl gemacht. Das schmeckt nicht gut, das schmeckt hervorragend! «Traubenkerne wurden bis vor Kurzem einfach als Kompost entsorgt, dabei sind sie voller Nährstoffe», erklärt Cindy Oggier. Überhaupt erweisen sich die Menschen rund um den Naturpark Pfyn-Finges als sehr innovativ. Ein Bio-Winzer etwa züchtet Ouessant-Schafe, eine höchstens 49 Zentimeter hohe Rasse, welche das Gras zwischen den Reben kurz hält. 

Die reine Wanderzeit dauert rund drei Stunden. Der Weg führt weder gross auf- noch abwärts, dafür vorbei an restaurierten Trockensteinmauern, in denen sich seltene Tierarten wie die Smaragdeidechse in Sicherheit bringen. «Wir haben hier über 150 Libellenarten, bei uns brüten so rar gewordene Vögel wie der Bienenfresser, die Nachtigall oder der Wiedehopf, dazu fast unzählige Pfyfoltru», so die Naturparkfrau. Pfyfoltru? So sagen sie hier den Schmetterlingen. Und klar – da ist auch die einmalige Landschaft, durch die sich der Rotten schlängelt. Ach ja – Schlangen gibts natürlich auch, doch man muss grosses Glück haben, um eine zu sehen. 

Ein Tag freie Fahrt mit dem öffentlichen Verkehr

Spezial-Tageskarte für 49 Franken

Einen Tag lang kreuz und quer durch die ganze Schweiz reisen – möglich ist dies mit der Spezial-Tageskarte des öffentlichen Verkehrs, die es in limitierter Auflage vom 16. August bis 12. September 2021 exklusiv in ausgewählten Coop-Supermärkten, im Coop City, bei Interdiscount und coop.ch gibt (solange Vorrat). Zum Spezialpreis von nur 49 Franken haben Sie – auch ohne Halbtax-Abo – einen Tag lang freie Fahrt in der 2. Klasse auf allen SBB-Strecken, den meisten Privatbahnen, Postauto- und Schiffslinien sowie den ÖV-Netzen in vielen Schweizer Städten. Das Ticket kann vom 16. August bis am 3. Oktober 2021 eingelöst werden und lässt sich auch mit der Juniorkarte respektive Kinder-Mitfahrkarte kombinieren. 

www.coop.ch/tageskarte

Hinein ins echte Wallis

Fixpunkte auf dem Weg sind Gastronomen und Winzer, die sich Zeit zum Fachsimpeln nehmen. Einer etwa experimentiert angesichts des Klimawandels mit der Pinotage-Rebe. Die kommt aus Südafrika und ist sich hohe Temperaturen gewohnt. Andere Weinbauern setzen auf uralte Sorten wie Himbertscha oder Gwäss. «Der Gwäss, ein eher herber Weisser, wurde früher in der Butilli, einer Art Holzflasche, zum Heuen mitgenommen», erzählt die Gastgeberin in einer Kellerei. Zum Gwäss serviert sie Cholera. Dieses frühere Arme-Leute-Gericht erinnert an eine gedeckte Wähe. «Man nahm dafür das, was man noch im Keller hatte», sagt Cindy Oggier. Oft waren das Lauch, Kartoffeln und Käse. In verschiedenen Seitentälern gehörten auch Grotschätä (Dörrbirnen) dazu.

Am Schluss der Wanderung durch die Rebberge landen die Wanderer in einem Dorf, in dem sich eine uralte Rebe, dick wie ein Baumstamm, an einem Haus aus dem Jahr 1467 hochzieht. Einer der ältesten Rebstöcke weit und breit. Was nur hat dieses Haus, was hat diese Rebe alles gesehen und erlebt? Langsam dämmert einem: Savurando, das führt in ein Wallis jenseits der Postkarten-Matterhorn-Raclette-Idylle, ein echtes, spannendes Wallis jenseits aller Clichées. 

Fünf mal Savurando

Mit der Unterstützung aus dem Coop-Nachhaltigkeitsfonds bieten fünf Schweizer Naturpärke das Progamm Savurando an. Das Ziel ist überall dasselbe: eine Wanderung zu kulinarischen, kulturellen und landschaftlichen Schätzen. Der Preis beträgt allerorts 49 Franken pro Person, inbegriffen sind Degustationen und Zwischenmahlzeiten mit lokalen Spezialitäten. Die teilnehmenden Parks neben dem Naturpark Pfyn-Finges: Parc régional Chasseral, Unesco-Biosphäre Entlebuch, Biosfera Val Müstair und Parc Naturel régional Gruyère Pays-d‘Enhaut. Weitere Infos: www.savurando.ch