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Wandern am «Bachtel bei Finnland»

Auf dem Hausberg des Zürcher Oberlands, dem Bachtel, finden alle Winterwanderer traumhafte Wege. Und die Schlanken unter ihnen eine echte Challenge.

FOTOS
Andrea Meier, Karte: Janina Noser
VIDEO
Andrea Meier
25. Januar 2021

Ein frostiger Schleier überzieht die Bäume, und unter den Füssen knirscht es so, wie man das hierzulande fast nicht mehr kennt. Die Kältewelle, die die Schweiz Mitte Januar überrollt hat, hat dafür gesorgt, dass die Gegend in einen dichten weissen Mantel gehüllt ist. «Das ist ja wie in Finnland», ist Fotografin und Filmemacherin Andrea Meier (50) entzückt über die tief verschneite Landschaft. Wanderer kommen nun auch in tieferen Lagen in den Genuss von wunderschönen Winterwanderungen auf Schnee. Zum Beispiel am Bachtel (1115 m ü. M.), dem Hausberg des Zürcher Oberlands.

Verzauberte Landschaft

Die dreistündige Wanderung von Gibswil ZH über den Bachtel nach Wald ZH bietet keine grösseren Schwierigkeiten – es sei denn, man sucht sie, aber davon später. Vom Bahnhof Gibswil ist die Route auf den Bachtel gut ausgeschildert. Der Weg biegt schon bald nach Gibswil rechts ab und führt in den Wald hinein, ins Wissengubel-Täli.

Kaum drin, öffnet sich eine Märchenlandschaft: ein Bächlein, Brücken, die darüberführen, und hinten im kleinen Tal eine monumentale Felswand, von der ein Wasserfall herunterstürzt. Im Sommer kann man hier bräteln, spielen, sein. Jetzt beschränken wir uns gerne aufs Bestaunen des tief vereisten Wasserfalls und marschieren dann bald weiter. Bewegung gibt warm, denn sonnenverwöhnt ist das Wissengubel-Täli im Winter nicht.

Kurz vor dem Gipfel: Im Januar war der Bachtel eine tief verschneite Landschaft.

Ein steiler Aufstieg über Treppenstufen führt aus dem Kessel hinaus. Die Stufen sind verschneit, stellenweise sogar vereist. Da ist etwas Vorsicht geboten. Oben führt der Weg weiter dem Bach- tobel entlang durch Wald und Wiesen, manchmal auf der Strasse Richtung Bachtel. Beim Bachtelweiher, einem kleinen See, der in einem Naturschutzgebiet liegt und von Schilf und Büschen gesäumt ist, hat man die Hälfte des Aufstiegs geschafft.

Der Schlussaufstieg im Wald ist ein Treppenweg. Wer mitzählt, kommt auf rund 200 Stufen, die sich auf den letzten halben Kilometer verteilen, dann ist man oben. Also fast. Nun steht man vor dem Bachtelturm, einem Sende- und Aussichtsturm der Swisscom. Es lohnt sich, diese 166 Stufen noch zu gehen. Von der Aussichtsplattform auf 30 Meter Höhe ge- niesst man einen herrlichen Panoramablick in die Bergwelt mit Säntis, Rigi, Pilatus und Zürichsee. Die Verpflegung gibts aus dem Rucksack, das Restaurant Bachtel Kulm ist wie alle Restaurants derzeit geschlossen.

Bauch einziehen

Vom Bachtel bis nach Wald geht es nur noch bergab, rund 500 Höhenmeter. Unterwegs stösst man auf ein weiteres Highlight dieser Wanderung, den Bachtelspalt. Etwa 50 Meter weit führt ein Pfad durch einen engen Spalt zwischen zwei senkrechten Wänden.

Entstanden ist dieser Riss in der Landschaft bei einem heftigen Gewitter am 25. August 1939. Und irgendwann ist er vielleicht wieder weg, denn er schliesst sich ganz langsam, aber stetig. Am oberen Ende ist der Spalt so schmal, dass man den Rucksack ablegen und sich quer durchquetschen muss – schlankere Wanderer schaffen es noch, wie man auf dem Video zur Wanderung sehen kann. Das Gute daran: Der Wanderweg führt nicht durch den Bachtelspalt, sondern an ihm vorbei. Doch in fünf Minuten hat man den kleinen Umweg geschafft. 

Steckbrief

Gibswil-Bachtel-Wald

An-/Abreise: Mit dem Zug nach Gibswil, retour ab Wald

Schwierigkeit: leicht
Technik: 1 von 5
Kondition: 2 von 5
Strecke: 9,5 km
Dauer: 3 Std.
Aufstieg: 400 m
Abstieg: 540 m