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Bento-Box

Mit Liebe befüllt

Die japanische Bento-Box ist mehr als ein hübsches Lunch-Paket. Dahinter steht eine ganzheitliche Achtsamkeits-Philosophie, die unsere Welt ein Stückchen besser machen will.

FOTOS
Fabian Häfeli
15. Juni 2020

Bereits die Samurai sollen sie geschätzt haben: die Bento-Box. Die Bento-Kultur, die Zubereitung und Aufbewahrung des Essens für unterwegs, ist in Japan bereits seit dem fünften Jahrhundert bekannt und heute beliebter denn je. Da die japanische Küche klassisch Reis mit verschiedenen Mini-Gerichten kombiniert, besitzt ein sicher verschliessbares Bento-Kästchen meist mehrere kleine Abteile, die den getrennten Transport aller Speisen und Häppchen ermöglichen. Die Boxen sind traditionell aus lackiertem Holz, aber auch aus Bambus, Metall oder Kunststoff gefertigt und kommen nicht nur beim Mittagessen zum Einsatz. In ihnen wird auch die Wegzehrung transportiert, die kleinen Köstlichkeiten fürs Theater oder ein Picknick. Zudem werden sie bei einer Teezeremonie und selbst bei Beerdigungen gereicht.

Mag es bunt: Sofie Spina, Rezeptredaktorin bei Betty Bossi.

Die «Fünfer-Prinzipien»

Die japanische Kochkunst heisst «Washoku». Der Begriff kann mit «Harmonie der Speisen» übersetzt werden, die sich positiv auf unsere Gesundheit auswirken soll. Diese Harmonie ergibt sich, indem man bei der Wahl der Zutaten die fünf Geschmacksrichtungen (bitter, salzig, sauer, süss und umami, was würzig bedeutet) berücksichtigt, fünf verschiedene Zubereitungsarten anwendet (roh/fermentiert, gedämpft, gekocht, gebraten und frittiert) und die fünf Farbwelten von Gelb, Grün, Rot, Schwarz und Weiss integriert. Man kombiniert zudem Kohlenhydrate mit Proteinquellen sowie Gemüse und fügt dem Menü gerne Obst, Nüsse und Samen bei. Die Königsdisziplin: Alle Zutaten sollen möglichst saisonal sein. Auch wenn sicherlich die wenigsten Bento-Füllungen diesen enorm anspruchsvollen Zubereitungs-Idealen bis ins Detail entsprechen, dienen sie in Japan doch immer wieder als Orientierungshilfen.

Beim Befüllen der Bento-Boxen sind der Fantasie keine Grenzen gesetzt. Sofie Spinas Geheimtipp: Gebratener Reis lässt sich mit allem aufpeppen und kombinieren. Etwa mit Bundzwiebeln, Jungspinat und Pfefferminze.

Respektvoller Umgang mit Essen

Die Annahme einer Allbeseeltheit der Dinge ist in Japan seit Jahrtausenden mit dem Alltag verbunden und auch heute noch gegenwärtig. Sie beinhaltet auch den Respekt gegenüber Nahrungsmitteln und deren Zubereitung sowie einen achtsamen Umgang mit allen Ressourcen. Die hier gezeigten, von der japanischen Küche inspirierten Bento-Rezepte dienen als eine kleine Anregung für eigene, achtsame Lunch-Ideen. Liebevoll gefüllt hat unsere Bentos Sofie Spina (30), Rezeptredaktorin bei Betty Bossi und Fooby. Sie ist selber sehr von der Philosophie angetan: «Jeder freut sich doch gleich viel mehr auf eine solche bunte Lunch-Box.» Die vor Energie sprühende Bündnerin ergänzt: «Dabei ist das Essen frisch, leicht, sättigend und kann saisonal und biologisch gestaltet werden. Zudem verwerte ich Reste und vermeide einiges an Verpackungsmaterial.» Auch wenn die Planung und Zubereitung natürlich oft etwas Zeit kosten: «Es macht Spass», sagt sie. Und: «Die Bentos haben meine Kreativität beim Kochen auf jeden Fall neu beflügelt.»

Besonders beliebt in Japan: Kinder-Bentos mit herzig verziertem Inhalt.

Bambus-Bento-Boxen für Kinder gibts bei Coop City, Fr. 9.95. Verschiedene Bento-Boxen sind auch online erhältlich unter: www.bettybossi.ch

Bento-Befüllung

Tipps und Tricks

Die Basis einer nahrungstechnisch wertvollen Bento-Befüllung bilden:

  • Kohlenhydrate wie Reis oder Körner nach Wahl wie Quinoa oder Couscous, Nudeln oder stärkehaltiges Gemüse wie Kartoffeln.
  • Proteine und Fette (Fleisch und Fisch, Eierspeisen wie ein in Stücke geschnittenes Omelett, Avocado, Nüsse, Samen oder Tofu).
  • Grünes Blatt- oder anderes Gemüse, auch eingelegt und im Teig frittiert.
  • Früchte und Toppings wie frische Kräuter, Oliven, Seetang etc. Dressings, Dips, Toppings und auch Früchte in kleinen, separaten Boxen mitnehmen, falls man das Hauptgericht aufwärmen möchte.
  • Wenn eine Box keine Abteile besitzt, können stabile Salatblätter, etwa Chicorée, oder längs geschnittene Gurkenscheiben die Trennfunktion übernehmen.