Das coole Prickeln aus den Bergen | Coopzeitung
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Reportage

Das coole Prickeln aus den Bergen

Das Tal der Drôme (F) bietet beste Bedingungen für die Muskatellertraube: südliche Sonne und erfrischende Alpenkühle. Daraus entsteht nach einer besonderen Methode die Clairette de Die – ein Schaumwein ohnegleichen.

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Juan Robert
16. November 2020

Clairette de Die AOC Tradition Jaillance

– auf coop.ch

Naturaplan-Bio-Clairette de Die AOC Jaillance, doux, Fr. 8.95 statt Fr. 12.95/ 75 cl (Aktion gültig bis 31. Dezember), in ausgewählten Coop-Supermärkten und online bestellbar.

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Eine Ferienreise nach Südfrankreich führt meist durch das Rhonetal. Hat man Valence erreicht, ist das Ziel nicht mehr weit: Hier beginnt die Provence. Hier kann man aber die Autobahn auch verlassen und dem Lauf der Drôme entgegen nach Osten fahren in Richtung Berge. Ziel ist ein Ort, der seine Berühmtheit dem einzigartigen Schaumwein verdankt, der dort gemacht wird, die Clairette de Die.

Eine typische Rebsorte des Südens stand Pate für den Namen, die Clairette Blanche, obwohl sie für das Aroma nur eine Nebenrolle spielt. Viel wichtiger ist die Sorte Muscat à petits grains blancs, Gelber Muskateller. Nach den Regeln der Appellation d’Origine Contrôlée (AOC), der geschützten Ursprungsbezeichnung, hat sie einen Anteil von mindestens drei Vierteln und sorgt damit für das intensiv fruchtige Bouquet des Schaumweins.

Eiskalt erwischt

Eine Besonderheit ist die traditionelle Methode zur Herstellung der Clairette de Die. Der frisch gepresste Trauben- saft wird geklärt, gefiltert und kommt in gekühlte Edelstahltanks – ohne Zusatz von Zuchthefen. «Die Spontangärung durch natürlich im Most vorhandene Hefen bei Temperaturen knapp über null Grad prägt den Charakter unseres Schaumweins», erklärt Olivier Rey (53), Präsident der Weinbaugenossenschaft Caveau Jaillance – per E-Mail. Der Ende August geplante Besuch in Die fiel der Pandemie zum Opfer, wir wurden quasi ebenso eiskalt erwischt wie die Hefen im Most. Immerhin konnte der Fotograf aus Valence zur Weinlese kommen.

Caveau Jaillance – das sind 200 Wein­güter, ein Viertel davon Bio-Betriebe. Genossenschafts­präsident Olivier Rey erfüllt auch die strengen Regeln von Bio Suisse.

Die Rebgärten von Olivier Rey liegen knapp zehn Kilometer südlich der Kellerei in Solaure-en-Diois oben an den Hängen über der Drôme. Wie die meisten Weinbauern der Region hatte schon sein Vater neben den Trauben auch anderes angebaut. Die Flurnamen sind beredtes Zeugnis dieser Tradition: Serre des Vignes und Serre des Boeufs heissen die Anhöhen oberhalb des Hofs – Bergrücken der Reben und der Rinder.

Natürliche Vielfalt

Allenthalben gibt es hier Nussbäume und Obstgärten. Viele Bauern halten auch Hühner und Schafe. Unten im Tal säumen Gemüse- und Lavendelfelder die Landstrasse. Damit sind die Produzenten nicht allein vom Wein abhängig, und die abwechslungsreiche Naturlandschaft kommt auch der Biodiversität zugute. Rey arbeitet seit 1998 nach Bio- Regeln, und seine Weine – ebenso wie die von drei anderen Winzern der Genossenschaft – dürfen heute sogar die Knospe von Bio Suisse tragen. Bei Coop sind sie als Naturaplan-Clairette de Die erhältlich.

Junger Wein: Die erste Probe des Jahrgangs 2020 ist vielversprechend.

Als Bio-Weinbauer ist der Genossenschaftspräsident nicht allein. Gut ein Viertel der 200 zur Caveau Jaillance gehörenden Betriebe setzt inzwischen auf nachhaltige Produktionsmethoden, sei es gemäss der französischen Bio-Norm, den strengen Regeln von Bio Suisse oder mit biodynamischer Landwirtschaft. Das Département Drôme ist so etwas wie der Kanton Graubünden im Schweizer Weinbau: Pionier und Spitzenreiter in Sachen Bio.

«Den ersten Bio-Wein hat die Genossenschaft im Jahrgang 1989 produziert.»

Nicolas Fermond

Mit knapp 1200 Hektar Rebfläche in 30 Gemeinden ist die Genossenschaft der grösste Weinproduzent in der Region. Sie hat im vergangenen Jahr knapp 6,9 Mil- lionen Flaschen Clairette de Die abgefüllt – das sind fast drei Viertel der Gesamtmenge dieser Appellation. «Den ersten Bio-Wein hat die Genossenschaft im Jahrgang 1989 produziert», erklärt Nicolas Fermond (39) – ebenfalls per E-Mail. Da ging er noch zur Schule, heute ist er technischer Direktor bei Caveau Jaillance. Inzwischen ist es beim fertigen Wein ebenso wie bei den Rebflächen: 23 Prozent sind Bio, die Kellerei ist die grösste Produzentin von Bio-Schaumwein in ganz Frankreich.

Der kleine Unterschied

Gegenüber Champagner oder Crémant ist die Clairette de Die ein echtes Naturkind. Und noch dazu eines mit grosser Tradition: Bereits der römische Gelehrte Plinius der Ältere (23–79 n. Chr.) berichtete, dass die gallischen Vocontier einen perlenden Wein herstellten, indem sie die Gärung des Weins verlangsamten: Sie stellten dazu die Tongefässe ins eiskalte Wasser des Flusses. Das Wissen der Vorfahren nutzen die Winzer an der Drôme bis heute. Sie kühlen den Most so weit herunter, dass die Verwandlung von Zucker zu Alkohol durch die Hefen nur langsam erfolgt. Hat der Alkoholgehalt vier bis fünf Prozent erreicht, füllen sie den jungen Wein in Flaschen, aber ohne Dosage. Anders als bei Champagner und Crémant braucht es diese Zugabe von Zucker und Hefe nicht, um in den folgenden sechs bis zwölf Monaten den fein perlenden Schaumwein mit seiner typischen Süsse und Aromatik reifen zu lassen. Schliesslich verlässt der Wein das Flaschenlager. Er wird von der Resthefe befreit und für den Verkauf abgefüllt, auch diesmal ohne Dosage. So kommt die Clairette de Die dann zu uns in die Schweiz, zum Apéro oder in Drinks, auch wenn wir einmal nicht nach Südfrankreich fahren können.