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Bier aus Davos

Die etwas wildere Brauerei

Von der Bieridee bis zum Start-up: Innerhalb von zwei Jahren hat sich die «Davoser Craft Beer»-Brauerei mit handwerklich hergestellten Bieren einen Namen gemacht. Dabei geholfen hat ihr eine lokale Sagengestalt – und eine rheinländische Frohnatur.

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Yannick Andrea
20. Juli 2020
«Bier ist wie Pizza ? das geht immer!», sagt Gutschmidt lachend. Ein Lieblingsbier hat er nicht. «Das hängt von Stimmung, Jahreszeit, Wetter, Anlass und vielen weiteren Dingen ab.»

«Bier ist wie Pizza ? das geht immer!», sagt Gutschmidt lachend. Ein Lieblingsbier hat er nicht. «Das hängt von Stimmung, Jahreszeit, Wetter, Anlass und vielen weiteren Dingen ab.»

Er ist ein «echte Kölsche Jung», also ein waschechter Sohn der Millionenstadt Köln (D). Ausgerechnet ihn hat es in die Bündner Berge verschlagen. Hannes Gutschmidt (38) ist Braumeister bei «Davoser Craft Beer», einer jungen Kleinbrauerei im Luftkurort auf über 1500 Metern. «Mit Davos bin ich schon lange verbunden», erzählt die rheinländische Frohnatur. «Als kleiner Junge verbrachte ich jedes Jahr die Winterferien hier und lernte die Stadt lieben.» Seit 2009 wohnt Gutschmidt schon in Davos, macht im Winter mit dem Snowboard die Pisten unsicher, organisiert Punk-Konzerte und braut hauptberuflich Bier. Mit seiner un­konventionellen, wilden Art passt er gut zur Kleinbrauerei, bei der vieles ­anders läuft als bei alteingesessenen Unternehmen.

Einer der vier Gründer ist Jan Caflisch. «In einer Bierlaune hatten drei Freunde und ich die Idee, eine eigene Brauerei mit handwerklich hergestellten Bieren aus hochwertigen Zutaten aufzubauen», erzählt der 37-Jährige, der für Produktion und Vertrieb zuständig ist. «Wir wollen keine Biere für den Massengeschmack produzieren, sondern nur solche, die uns selbst schmecken.» Als Laien – Caflisch ist zum Beispiel von Haus aus Marketing-Dozent – merkten sie schnell, dass sie fachkundige Unterstützung brauchten. «Zudem fehlte uns das nötige Geld», sagt Caflisch, der den Eisschnelllauf liebt und in dieser Renndisziplin früher gar Mitglied der Schweizer Nationalmannschaft war. Kurzerhand sammelten sie bei Familienangehörigen und Freunden, die mit ihnen die Liebe zu besonderen Bieren teilten, per Crowdfunding 70 000 Franken – genug für die Gründung des Bier-Start-ups.

Bierbrauen ist bei «Davoser Craft Beer» noch Handarbeit: Hannes Gutschmidt holt den Treber, also die Reste des gekochten Gerstenmalzes aus dem Sudhaus.

Mit Jan Caflisch testet er «sein» Bier, das bis zu vier Wochen gegärt und gelagert hat.

Die Sage vom Wildmannli

Inspirieren liessen sich Caflisch und Co. vom Davoser Wildmannli. Dieses Geschöpf lebte der Sage nach in den Davoser Bergen und half den Menschen bei schwierigen Aufgaben. Als Dank für seine Dienste wollte es keinen Lohn – allenfalls ein Sack Gerste fürs Braugetränk war willkommen. Angeblich hat man vor genau zwei Jahren sein Braurezept wiederentdeckt. Ein Zufall?

Ob die Geschichte tatsächlich stimmt und die «Davoser Craft Beer»-Brauerei genau das «wilde» Bierrezept aufleben hat lassen, lässt Caflisch offen. Dem Gerstensaft vom Wildmannli und dem der jungen Brauerei ist auf jeden Fall eines gemeinsam: «Wir verwenden frisches Davoser Bergwasser, das dem Bier die einzigartige Frische verleiht», sagt Hannes Gutschmidt, der mit seinem Fachwissen das Herz der Brauerei ist. Ihm gefällt, dass er die Freiheit hat, Neues aus­zuprobieren. «Im Gegensatz zu Gross­betrieben wie der Kölner Gilden-Brauerei, bei der ich gelernt habe und die Biere in riesigen Mengen produziert, kann ich hier meine Ideen einbringen und zusammen mit den Eigentümern Biere erschaffen, die etwas ganz Besonderes sind.» 

«Davoser Craft Beer» Blonde (Fr. 2.95/33 cl), IPA (Fr. 3.60/33 cl) und Pale Ale (Fr. 3.30/33 cl), erhältlich in ausgewählten Coop-Supermärkten. Diverse Biere gibt es derzeit zu Aktionspreisen.