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Reportage

Delikate Früchtchen

Das erste Erdbeeri! Welch ein Anblick und welch eine Gaumenfreude. Und welch ein Krampf, bis es so weit ist. Ein Augenschein bei Rico Kuster in Diepoldsau.

FOTOS
Daniel Ammann
29. Mai 2020
Nichts für Morgenmuffel: Für die Erdbeer-Ernte muss Rico Kuster früh aus den Federn.

Nichts für Morgenmuffel: Für die Erdbeer-Ernte muss Rico Kuster früh aus den Federn.

«Greift nur zu!» Rico Kuster (44), der Bauer aus Diepoldsau SG, weiss ganz genau, dass dem Fotografen und dem Journalisten angesichts der roten, reifen Erdbeeren nicht nur das Wasser, sondern ganze Bäche im Mund zusammenlaufen. Und offenbar nicht nur denen: Ganz aufgeregt surren Bienen und Hummeln durch die Luft. Die haben hier nichts zu befürchten: «Wir verwenden keine Herbizide», erklärt Kuster, der den 32-Hektar-Betrieb 2002 von seinen Eltern übernommen hat.

Dass hier Erdbeeren wachsen, ist explizit seinen Grosseltern zu verdanken: «Sie hatten damals die Idee und ich bin ihnen heute noch dankbar.» Die Erdbeeren sind neben den 320 Muttersauen und den viereinhalb Hektaren Zucchetti ein gutes Standbein – wenn im Erdbeerjahr alles optimal läuft.

«Erdbeeren entwickeln sich besser, wenn sie nicht schon im Herbst Beeren geben.»

 

Dieses beginnt in der Regel so Ende Juni. «Dann setzen wir die neuen Pflanzen, jäten in der Folge immer wieder das Feld von Hand und brechen die Blüten aus. Erdbeeren entwickeln sich besser, wenn sie nicht schon im Herbst Beeren geben.» Kuster baut auf rund drei Hek- taren vier verschiedene Sorten an, den Grossteil davon im Freiland, 50 Aren im Schutz von Tunnels. «Diese Tunnels haben wir im Januar aufgestellt. Gott sei Dank haben sie den immer häufiger werdenden Winter- und Frühlingsstürmen standgehalten.»

Risikofaktor Wetter

Das Wetter und das Klima spielen eine grosse Rolle im Erdbeeranbau. «Dank dem Föhn ist es im Rheintal oft mild. Das kommt uns respektive den Beeren zugute», sagt Kuster. Aber nach dem Föhn kommt in der Regel schlechtes Wetter. Und wenn es zu lange ­regnet, hat der Bauer ein gröberes ­Problem: «Erdbeeren vertragen nicht zu viel Nässe, dann werden sie schnell matschig und auch anfällig für Krankheiten und Schädlinge.» Sei es wegen dem Klimawandel oder wegen der ­Globalisierung: Von solchen Schädlingen sind in den letzten Jahren bis ­anhin hierzulande unbekannte Arten aufgetaucht, gegen die es noch gar keine Nützlinge gibt, mit denen Kuster im Normalfall Schädlinge in Schach hält.

Geduld bringt Rosen ? oder eben saftige rote Erdbeeren. Auch etwas Wetterglück gehört dazu.

Etwa ab Ende April beginnt in der Regel die Ernte der Erdbeeren, die eigentlich keine Beeren, sondern Rosengewächse sind. Immer vorausgesetzt, dass alles gut geht; dass Kuster beispielsweise schnell genug ist, wenn ein plötzliches Gewitter oder gar Hagel droht. Dann ziehen er und seine Helfer die Hagelnetze über die Beeren. Und wenn er das Unglück nicht kommen sieht? «Wir haben auch schon 60 Prozent der Ernte verloren – das ist unser Risiko», meint er und zuckt mit den Schultern.

Im Optimalfall erntet der Rheintaler um die 70 Tonnen. «Wir beginnen mit dem Ablesen jeweils in aller Herrgottsfrühe und es kann sein, dass unsere Beeren schon am Nachmittag in den Coop- Läden sind.» Allerspätestens aber am nächsten Morgen stehen die Rosen, äh Erdbeeren, zum Verkauf bereit. «Regionalität ist unser Trumpf», betont Kuster: «Die Transportwege sind kurz und die Beeren sind sozusagen noch sonnenwarm.» 

Die Erdbeeren von Rico Kuster sind in Coop-Supermärkten der Region erhältlich.