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Bier aus Luzern

Süffig solls sein

Brauer wurde Udo Remagen eher zufällig. Vor zehn Jahren hat es den gebürtigen Deutschen in die Innerschweiz verschlagen. Seitdem ist er bei «Luzerner Bier» Herr über die Tanks.

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Monique Wittwer
20. Juli 2020
Gönnt sich gerne ein schlichtes Lager: Für Udo Remagen muss man ein Bier «saufen» können.

Gönnt sich gerne ein schlichtes Lager: Für Udo Remagen muss man ein Bier «saufen» können.

Udo Remagen zapft sich lachend ein selbst gebrautes Blondes aus einem der Edelstahltanks. «Ich saufe Bier in rauen Mengen», scherzt er. Damit ist gleich klar, der 51-Jährige nimmt kein Blatt vor den Mund. «Nicht falsch verstehen, in Franken sagen wir das so», fügt er grinsend an. Geboren und aufgewachsen ist der Braumeister im Raum Nürnberg (D). Dort, wo der Gerstensaft zu den Grundnahrungsmitteln zählt und es so viele Brauereien pro Einwohner gibt, wie nirgendwo sonst auf der Welt. Remagen braut sein Bier trotzdem lieber in der Innerschweiz. Seit Beginn steht er an den Gärtanks der Brauerei Luzerner Bier.

Udo Remagen war der Erste, den Geschäftsführer David Schurtenberger (51) vor zehn Jahren einstellte. Heute sind es drei Festangestellte und eine Handvoll Stundenlöhner, die hier mitten in der Stadt Luzern dafür sorgen, dass den Luzernern ihr Bier nicht ausgeht. Die Brauerei im Tribschenquartier ist mit ihren 500 Quadratmetern zwar überschaubar, doch das soll so sein.

Vergangenes Jahr gingen hier über 2300 Hektoliter Bier über die Rampe. Neben saisonalen Kreationen und verschiedenen Spezialbieren ist das «Luzerner Bier – Original» das Steckenpferd der jungen Brauerei. Ein frisches und trübes Lager, von dem sich Remagen gleich noch einen grossen Schluck genehmigt: «Oje, das kann ja heiter werden», sagt er schmunzelnd.

So gerne er heute Bier trinkt und braut, so zufällig hat er diese Leidenschaft für sich entdeckt. Schuld daran war das Arbeitsamt – «ohne Witz jetzt». Denn der damals 16-Jährige fand nach der Schule erst keine Lehrstelle. Auf dem Arbeitsamt blätterte er sich dann durch den Ordner mit Vorschlägen. Auf der letzten Seite stand Brauer. «Wieso eigentlich nicht?», dachte er, obwohl er bis dahin noch nie Bier probiert hatte. Seine Mutter wollte den Lehrvertrag nicht unterschreiben, das übernahm sein Vater. «Bestimmt, weil Brauer in Franken Freibier bekommen», lacht er.

Seit zehn Jahren in Luzern

Nach der Lehre ging Remagen ins Militär, dann mit dem Rucksack auf Reisen, arbeitete hier und dort in unterschiedlichen Brauereien. 1998 zog es ihn in die Schweiz, wo er zehn Jahre in Basel bei «Unser Bier» braute. 2010 holte ihn David Schurtenberger dann nach Luzern. Hier in der Innerschweiz fühlt sich der zweifache Vater wohl. Und wenn er nicht gerade braut, ist er viel unterwegs, schwingt sich am liebsten aufs Velo oder wandert am Pilatus.

Ein eingeschworenes Team: David Schurtenberger (links) und Udo Remagen.

So unkonventionell wie er ist, beim Brauen zeigt er sich eher konservativ. Da konzentriert er sich lieber auf das Wesentliche, verzichtet auf unnötige Experimente. Privat trinkt er am liebsten «ein schönes, schlichtes Lager».

Wenn er am Bier rumnippen muss, passt ihm das gar nicht. Es soll süffig sein. Im Fachjargon nennt sich das «Drinkability». Oder wie es Remagen salopp sagt: «Man muss ein Bier saufen können.» Der Alkohol soll versteckt sein, man muss nach dem ersten Schluck mehr trinken wollen. Deshalb schmeckt das Luzerner Bier auch so wie es eben schmeckt: süffig, ohne viel Schnickschnack, aber alles andere als langweilig. Weil es das Wort «langweilig» bei Udo Remagen gar nicht gibt.

Erhältlich in ausgewählten Coop-Supermärkten: «Luzerner Bier Original» für Fr. 12.50/6 × 33 cl und «Luzerner Bier Red Ale» für Fr. 18.–/6 × 33 cl. Diverse Biere gibt es derzeit zu Aktionspreisen.