Natürliche, ungeschminkte Weine | Coopzeitung
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Natürliche, ungeschminkte Weine

20. Oktober 2020

Ein neuer Begriff geistert durch die Weinwelt und entzweit die Gemüter: Natural Wine oder Naturwein. Es handelt sich um eine Bezeichnung, die weder geschützt noch gesetzlich geregelt ist. Bei der Vinifikation eines Naturweins wird indessen nichts zugesetzt und nichts entzogen. Einzig Schwefel kommt in sehr geringen Mengen dazu, wenn überhaupt. Aus Respekt vor der Natur arbeiten die Winzer im Rebberg ökologisch oder gar biodynamisch.

Die Anhänger des relativ jungen Trends loben die Lebendigkeit, die Authentizität, die Emotionen, den Strauss neuer Geschmäcker dieser Gewächse. Nur ein Naturwein sei in der Lage, das Terroir auszudrücken. Die Skeptiker bemängeln die mikrobiologisch zweifelhaften, durchoxidierten, undefinierbaren, gar fehlerhaften Beispiele, von denen es zu Hauf gebe. Tatsächlich ist es leider so, dass nur wenige Winzer wissen, wie guter Naturwein gekeltert wird.

Zu den raren, ernstzunehmenden Produzenten zählen die Geschwister Renner aus dem österreichischen Anbaugebiet Burgenland. Mit dem Label «Rennersistas» sorgen Stefanie, Susanne und Georg, die den Familienbetrieb jetzt führen, seit einiger Zeit für Furore und Aufsehen. Ihr Credo: Naturweine müssen sauber sein und dürfen weder stinken noch eine flüchtige Säure aufweisen. Das Trio agiert nicht dogmatisch, sondern fügt auch eine kleine Dosis Schwefel dazu, wenn es erforderlich ist.

Namentlich die roten Beispiele der Rennersistas sind keine extremen Naturweine. Sie zeigen eine unverfälschte Frucht und eine klar erkennbare Herkunft, sind natürlich, lebendig, ungeschminkt. Dies beweist auch der hervorragend gelungene, aromatisch eigenständige Blaufränkisch 2017 aus der Edition Peter Keller, der meinem Geschmacksbild eines Naturweins entspricht (Fr. 29.95, auf www.mondovino.ch). Neben der Spannung und Tiefgründigkeit unterscheidet sich diese exklusive Abfüllung zudem von anderen Naturweinen: Sie ist genussvoll – wohl das wichtigste Kriterium bei der Beurteilung.

Solche Gewächse abseits des Mainstreams regen zum (Nach-)Denken nach, erweitern den Blick für neue, respektive «alte» Ansätze in der Weinbereitung, zumal auch der Rebbau mit zunehmenden Umweltproblemen zu kämpfen hat. Wegen den vielen extremen Produzenten wird es aber wohl eine Nische bleiben.