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Bier aus Balzers

Am Anfang war der Irrtum

Manchmal kann auch ein falsch gebuchter Flug mit einer Erfolgsgeschichte enden. So geschehen bei Peter Eberle. Seither ist er Bierbrauer und glücklich darüber.

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Christoph Kaminski
20. Juli 2020
In seiner kleinen Brauerei in Balzers (FL) kann Peter Eberle bis zu 40 000 Liter seines «Prinzenbräu»  im Jahr brauen.

In seiner kleinen Brauerei in Balzers (FL) kann Peter Eberle bis zu 40 000 Liter seines «Prinzenbräu» im Jahr brauen.

«Am Anfang war das Wort», so stehts im Alten Testament – Evangelium nach Johannes, Kapitel 1. In den Memoiren von Peter Eberle wird es hingegen einmal heissen: «Am Anfang war der Irrtum.» Denn der 56-jährige Liechtensteiner aus Balzers kam durch puren Zufall ins Brauereigeschäft. «Zusammen mit Kollegen besuchte ich früher jedes Jahr eine Fitnessmesse in der Nähe von Düsseldorf mit anschliessendem Ausgang und Übernachtung in der Altstadt, die auch als längste Theke der Welt bekannt ist.»

Einmal aber war die Euphorie über die geplante Reise mit Fitness und dem Bier danach so gross, dass Peter Eberle beim Buchen des Fluges den Ziel- mit dem Abflughafen verwechselte.

Der Trip fiel sprichwörtlich ins Wasser und wortwörtlich ins Bier. Denn Eberle und Kollegen ertränkten ihren Frust in Selbigem. Doch beim früheren Fitnessfanatiker (man sieht es ihm auch heute noch an) gärte an diesem Abend die Idee, sein Bier selber herzustellen.

«Tags darauf bestellte ich ein Bierbrau-Spasskit.» Der Versuch, den edlen Trank aus Hopfen und Malz mit diesem Utensil in Eigenregie zu brauen, erwies sich als Bieridee. «Es schmeckte furchtbar und hatte mit dem Getränk, das es sein sollte, nichts zu tun», erinnert sich Eberle. Doch der Ehrgeiz des Mannes, der 33 Jahre im Staatsdienst des Fürstentums Liechtenstein gestanden hat, war geweckt. «Ich machte mich schlau, was es sonst noch gibt und besuchte daraufhin einen eintägigen Brauereikurs und nachdem es mich dann endgültig erwischt hat, ein sehr intensives Selbststudium in der Braukunst.» Das war vor zehn Jahren.

In seiner kleinen Brauerei in Balzers (FL) kann Peter Eberle bis zu 40 000 Liter seines «Prinzenbräu» im Jahr brauen.

Nach dieser Grundsteinlegung versorgte Peter Eberle zuerst einmal seinen Bekannten- und Kollegenkreis mit dem Selbstgebrauten und dieses fand grossen Anklang. Und ganz nach dem Motto «wer nichts wagt, der nichts gewinnt», klopfte er schon bald darauf bei Coop an und fragte, ob er sein Bier beim Detailhändler in Vertrieb bringen darf. Nach zwei Mustersendungen – «ich weiss nicht, ob die erste so gut war oder unterwegs verloren ging» – erhielt Eberle positiven Bescheid. Heute ist sein «Prinzenbräu naturblond» in sieben Coop- Filialen in der Ostschweiz erhältlich.

Bis letzten August war die Brauerei für den Vater von drei Kindern ein Nebenerwerb, seither sein Hauptberuf. Zusammen mit einem gelernten Braumeister, der ihm stundenweise zur Seite steht, stellt er in einer umgebauten Garage sein eigenes Bier her. Als ideale Kombination veranstaltet Eberle dazu Barbecues mit einem selbst gebauten Smoker, der aussieht wie eine Dampfmaschine aus dem 18. Jahrhundert – einfach ohne Schwungrad.

Mit derselben Liebe zum Detail hat Peter Eberle auch einen alten amerikanischen Schulbus – die aus den US-College-Filmen – zu einem stylishen Foodtruck umgebaut und fährt damit Festivals in der Umgebung an. Ebenso wie sein Bier: eine Erfolgsgeschichte.

Erhältlich in ausgewählten Coop-Supermärkten: «Prinzenbräu naturblond», Fr. 10.50/6 × 33 cl. Diverse Biere gibt es derzeit zu Aktionspreisen.