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«Ich kehre immer zurück»

Im einsamen Promontogno mahlt seit 330 Jahren eine Mühle. Die zehnte Generation des Familienbetriebes Scartazzini & Co. fertigt hier aus Bio-Roggenmehl Maccheroni – exklusiv für Coop.

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Yannick Andrea
20. Juli 2020
Zwei Generationen, eine grosse Liebe: Die Scartazzini-Männer und ihre Familien-Mühle in Promontogno, Bergell. Vater Gian Andrea mit den Söhnen Vittorio (links) und Giulio.

Zwei Generationen, eine grosse Liebe: Die Scartazzini-Männer und ihre Familien-Mühle in Promontogno, Bergell. Vater Gian Andrea mit den Söhnen Vittorio (links) und Giulio.

Es fühlt sich an wie ein langsames Eintauchen. Ein Eintauchen in eine schattige und pittoresk erscheinende Welt. Die Räder des Vans beginnen zu quietschen, so eng sind die Kurven den Maloja-Pass (1815 m ü. M.) hinunter. Unser Ziel ist Promontogno GR, ein Dorf wie aus einer anderen Zeit, auf 823 Metern Höhe und im Schatten des berühmten Kletterbergs Pizzo Badile liegend.

Promontogno ist ein sogenanntes «Haufendorf», eine sehr überschaubare Gruppensiedlung in der Region Maloja GR im Bergell. Und wer dem steten Rauschen bis zur Brücke folgt, gelangt zum Fluss Mera, an dessen gerölligem Ufer ein geschichtsträchtiges Juwel steht: die Mehlmühle der Scartazzinis. Die Familie – so unglaublich es klingen mag – führt die Mühle in der neunten und zehnten Generation. Ihre Geschichte begann 1690 hier am Fluss Mera, der im Dialekt des Bergell, dem «Bergaiot», Maira genannt wird. Die Bedeutung des Namens leitet sich von Maria ab und bedeutet «Geliebte», «Gottesgeschenk», aber auch «die Ungezähmte».

Eine Tradition lebt weiter

Mit einem heiteren «Ueila» begrüsst uns Gian Andrea Scartazzini (59), das gesellige Oberhaupt der Familie. «Der Name ‹die Unbezähmbare› passt, denn der Fluss ist ein Segen, war früher aber richtig unberechenbar», erklärt er. «Heute müssen wir dank der errichteten Stauseen keine Angst mehr vor Überflutung haben.» Das eigene Kleinwasserkraftwerk versorgte bis 1958 die Mühle sowie die umliegenden Dörfer mit Strom. Heute produzieren die Scartazzinis zehnmal so viel Energie, wie sie verbrauchen; diese verkaufen sie dem Elektrizitätswerk. Gian Andrea ist der wohlwol- lende Leiter des Familienbetriebs, die Söhne stemmen längst eigenständig die Produktion. Vittorio (32) ist für die Mühle und das Mehl verantwortlich, Giulio (34) für die Weiterverarbeitung des Mehls zu Pasta und Backwaren. Wollten die Sprösslinge denn nie ihren eigenen Weg gehen? «Die Jungs haben ihre Schule und Weiterbildungen in Chur und in Zürich absolviert. Aber ihnen gefällt es hier und sie kamen zurück», entgegnet der 59-Jährige. «Hier können sie sich die Zeit selber einteilen, sind ihre eigenen Chefs und sonst frei.»

«Für mich waren dies sehr prägende Abenteuerplätze.»

Gian Andrea Scartazzini

Alles in Eigenproduktion

Die Genossenschaft Gran Alpin, die sich aus rund hundert Bündner Bergbauern zusammensetzt, liefert an Scartazzini & Co. die biologischen Rohstoffe, so auch den nach Bio-Suisse-Richtlinien angebauten Roggen. In der Mühle wird dieser maschinell gereinigt, ausgesiebt und so oft gemahlen, bis das Mehl die gewünschte Feinheit besitzt. Das Roggenmehl wird schliesslich mit Wasser vermischt, zur Pasta, den Maccheroni, verarbeitet, getrocknet und in Säcklein abgepackt. Exklusiv für Coop. Um alle diese Handarbeiten kümmern sich Sohn Giulio und ein Mitarbeiter im ehemaligen Familienhaus, das erste Gebäude, dem man auf der Einfahrt begegnet. Über dem Eingang prangt noch gut erkennbar der alte Schriftzug «Bäckerei». Tatsächlich ist der kleine Produktionsraum auch eine gemütliche Backstube. Zwar wird hier nichts mehr direkt verkauft, aber es wird durchaus immer noch gebacken. Von Mitternacht bis in die frühen Morgenstunden werden hier verschiedene Brote sowie das Früchtebrot und die in zwei Grössen erhältliche Bündner Nusstorte fabriziert. Einen Teil verkaufen die Scartazzinis ofenfrisch im eigenen Mini-Lebensmittelgeschäft bei der Brücke, keine 30 Schritte entfernt.

Traditionelle Rezepturen: Giulio Scartazzini ist auch für die Pastaherstellung verantwortlich.

Der Bio-Roggen wird so oft gemahlen, bis er zu feinstem Mehl wird.

Innigst mit dem Ort verbunden

«In unserer Kindheit bedeutete diese Abgeschiedenheit einfach Normalität», resümieren die jungen Männer. «Für mich waren die Mühle und das Fluss- ufer sehr prägende Abenteuerplätze», erinnert sich der Vater. «Und ich klebte stets an meinem Papa, wenn er mir in der Mühle etwas zeigte und erklärte.» Und wie geht es den dreien mit der engen Zusammenarbeit? «Eigentlich verläuft alles recht friedlich», sagt Gian Andrea und lacht. «Jeder hat seine Aufgaben und kümmert sich gewissenhaft um diese.» Die grösste Leidenschaft des jüngeren Sohnes ist jedoch das Bergsteigen. Jede freie Minute ist Vittorio in den vor der Haustüre thronenden Alpen unterwegs und arbeitet als Bergretter bei der Rega. Wenn ihn der Berg ruft, springt Gian Andrea in der Mühle ein. Giulio hingegen zieht es eher in die Welt hinaus. Oft reist er ins nahegelegene Italien, nach Como oder Mailand. Oder auch weiter. «Aber wo immer ich auch bin, ich werde immer wieder hierher zurückkehren», beteuert er. 

Für die Region

Mit Genuss Gutes tun

Die Familie Scartazzini mag die Bio-Bergroggen-Maccheroni am liebsten in Butter und Salbei geschwenkt.

Vom Kaufpreis der neu in ausgewählten Coop-Supermärkten erhältlichen Bio-Bergroggen-Maccheroni (Fr. 4.95/400 g) aus Promontogno gehen jeweils zehn Rappen an die Coop Patenschaft für Berggebiete Pro Montagna. Diese unterstützt Bergbauernfamilien in der Region.

Das Produkt ist mit dem Label «graubündenViva/regio.garantie» ausgezeichnet. Dieses steht für das Beste, was Graubünden in den Bereichen Genuss, Kulinarik und Regionalität zu bieten hat. Noch bis Oktober 2020 lässt das «Fest der Sinne» den reichhaltigen Schatz an Bündner Spezialitäten erleben: Das Programm umfasst Veranstaltungen, Märkte, Begegnungen und Führungen, die in und ausserhalb des grössten Schweizer Kantons stattfinden.

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