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Veganer Käse

Alles ausser Käse

Zwei Geniesser stellen ihren Lebensstil auf vegan um und tüfteln in der heimischen Küche so lange, bis ihnen der perfekte Parmesan-Ersatz aus Nüssen gelingt.

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Heiner H. Schmitt
17. Mai 2020
Ein experimentier­freudiges und kulinarisch kreatives Team: Sabina und Thomas Sigrist.

Ein experimentier­freudiges und kulinarisch kreatives Team: Sabina und Thomas Sigrist.

Nussmesan Classic

Der andere «Käse»

Die aromatischen Streusel sind beim Kochen vielseitig einsetzbar. Sie verleihen den Gerichten einen würzig-nussigen Geschmack.

Nussmesan Classic, Fr. 8.–/125 g, erhältlich in ausgewählten Coop-Supermärkten und bei coop@home.

Die Geschichte von Nussmesan, einer pflanzlichen Alternative zu Parmesan, beginnt im Herbst 2016. Sabina und Thomas Sigrist beschliessen, in Zukunft keine tierischen Produkte mehr zu essen. «Während einer dreimonatigen Weltreise kam ich zur Einsicht, dass eine vegane Ernährung aus ethischen und gesundheitlichen Gründen für mich der einzig richtige Weg ist», erzählt Thomas Sigrist (43). Der gelernte Koch will jedoch zuerst mit seiner Frau (39) darüber reden. Seine Argumente überzeugen sie, auch für die Ernährungsberaterin und Personal Trainerin ist Ernährung ein zentrales Thema. «Natürlich haben wir anfangs den Geschmack gewisser Speisen vermisst – bei mir war es die Milch im Kaffee, bei Thomas ein gutes Stück Fleisch», sagt Sabina Sigrist. Dennoch ist die Entscheidung für eine vegane Ernährung kein Verzicht: Das Paar entdeckt eine völlig neue und genussvolle Art zu kochen. Doch etwas fehlt: «Eines unserer liebsten Gerichte war immer Pasta mit viel Parmesan», sagen die beiden. Doch die Suche nach einer pflanzlichen Alternative zum italienischen Käse-Klassiker ist unbefriedigend. «Die meisten Produkte bestehen hauptsächlich aus gehärtetem, gesättigtem Pflanzenfett, das bekanntermassen ungesund ist», so Sabina ­Sigrist.

Deshalb nehmen die beiden den Mixer in der Küche ihrer Wohnung in Volketswil ZH in Betrieb und kreieren kurzerhand etwas Eigenes. Als Basis dienen gemahlene Mandeln und Cashewnüsse. Das Ergebnis kann sich sehen lassen: kleine Krümel, die dem Reibkäse zumindest äusserlich in nichts nachstehen. Es überzeugt auch ethisch, denn die Mandeln stammen aus Europa, die Cashews sind fair produziert. Aber wie ist es mit dem Geschmack? «Ich könnte den Nussmesan löffelweise essen», gesteht Sabina Sigrist lachend. Natürlich bleibt er der Favorit für Teigwaren, aber sie findet ständig neue Wege, ihn in Rezepte einzubauen, streut ihn über Aufläufe, verwendet ihn für knusprige Panaden oder einen würzigen Pesto.

Nachdem auch das nähere Umfeld Gefallen an dem geschmackvollen Topping findet, machen die beiden das Ganze zur Geschäftsidee. Die Zürcher gründen die Firma Chopf-Nuss, lassen ihre Küche vom kantonalen Lebensmittelinspektorat abnehmen, gestalten Etiketten und eine Webseite. An einem Weihnachtsmarkt im Jahr 2018 verkaufen sie ihr Produkt schliesslich zum ersten Mal öffentlich – mit grossem Erfolg. Die Marktbesucher finden den Nussmesan geschmacklich so fein, dass die Sigrists am Abend ausverkauft nach Hause gehen. Von diesem Zeitpunkt an kommt das Ehepaar mit der Herstellung in der privaten Küche kaum nach. Mittlerweile übernimmt ein industrielles Unternehmen die Produktion der grösseren Mengen. «Dass wir Nussmesan nun sogar in einem Grossverteiler wie Coop anbieten können, ist wunderbar», freut sich Thomas Sigrist. Doch für die beiden Geschäftsleute ist hier noch lange nicht Schluss. Sie erfreuen sich am Entwickeln weiterer Nussmesan-Varianten und anderer pflanzlicher Produkte. 

Rezept

Brokkoli-Pesto mit Nussmesan

Das brauchts für 10 Portionen

  • 300 g Brokkoli roh, gerüstet und in kleine Stücke geschnitten
  • 3 dl Olivenöl extra vergine
  • ½ Zitrone, ausgepresst
  • 2 Knoblauchzehen, geschält
  • 70 g Nussmesan Classic
  • Salz, Pfeffer

So wirds gemacht

Alle Zutaten bis und mit Knob- lauch in einen Standmixer geben, zuerst langsam und pulsierend, dann schneller mixen, bis die gewünschte Konsistenz erreicht ist. Falls nötig, Olivenöl nachgeben. Nussmesan dazugeben und verrühren, nach Geschmack würzen.

Tipp: Der Brokkoli-Pesto kann in einem verschlossenen Glas im Kühlschrank mehrere Tage auf­bewahrt werden.