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Bier aus Schwanden

Wie die Jungfrau zum Bier kam

Peter Margowski ist der Kopf und das Gesicht der Jungfraubräu AG in Schwanden. Trotz dem Hype bei den modernen Bieren stehen für die Brauerei traditionelle, klassische Bierstile im Vordergrund.

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Peter Mosimann
20. Juli 2020
«Zum Wohl!» Peter Margowski präsentiert ein frisch gezapftes Helles.

«Zum Wohl!» Peter Margowski präsentiert ein frisch gezapftes Helles.

Am Freitagabend ist im beschaulichen Dörfchen Schwanden BE, hoch über dem Brienzersee, schwer etwas los: Es gibt Feierabendbier bei der Jungfraubräu AG. «Da kommen manchmal bis zu 150 Leute», sagt Peter Margowski, Gründer und Geschäftsführer der Brauerei. «Wir sind ja hier in Schwanden quasi der einzige Ort, wo man unkompliziert ein Bier trinken kann; leider hat unser Dorf kein Gasthaus mehr.»

Dass die Brauerei Jungfraubräu ausgerechnet in Schwanden steht, ist dem Zufall zu verdanken, wie der 57-jährige Unternehmer erklärt. Geplant war nämlich ein Brauereigasthof; das inhouse gebraute Bier wird gleich nebenan im Gasthof ausgeschenkt. Als gelernter Koch mit Anstellungen in verschiedenen Schweizer Orten und als ehemaliger Tourismusdirektor von Brienz, hatte Margowski eine klare Vorstellung davon, was es braucht, um den Menschen als Gastgeber eine schöne Zeit zu bieten.

Leider konnte die Idee eines Brauereigasthofs nicht umgesetzt werden. Trotz langer Suche liess sich einfach keine passende Lokalität finden: «Entweder war die Lage schlecht oder der Preis zu hoch.»

Die Qualitätskontrolle in Sudhaus und Lagerkeller ist Chefsache.

Das Gasthaus fiel also weg, von der Anfangsidee geblieben ist die Brauerei. Im Gegensatz zu einem grossen Brauereigasthof an publikumsträchtiger Lage war ein nicht mehr gebrauchtes kleines Bus-Depot in Schwanden schnell gefunden. Nach Renovation und Umbau wurde die Jungfraubräu AG gegründet. Das war im Jahr 2011 und bereits 2012 erfolgten die ersten Sude, wie Margowski sich gerne erinnert: «Gestartet sind wir mit zwei bis drei Kesseln mit bis zu 300 Litern pro Sud.»

Eher konventionell

Wer dabei an Craftbier-Spezialitäten einer Kleinbrauerei denkt, liegt falsch. «Wir wollen ein leicht zugängliches Bier brauen. Eines, das bezahlbar ist und bei dem man sich gerne noch mal eines nachschenken lässt», betont der Chef. «Wir haben den Markt genau beobachtet. Mit unkonventionellen Craftbieren gibts hier im Oberland kaum ein Überleben.» So entstand nach und nach eine ganze Palette an unterschiedlichen Bieren. Etwa das Bergführer-Bier. «Als regelmässiger Berggänger hatte ich stets einen guten Draht zum Schweizerischen Alpenclub SAC und konnte deshalb einige Hütten mit unserem Bier beliefern.» Was lag also näher, als ein spezielles Bergführer-Bier zu brauen? Eines, das nach einem harten Aufstieg einfach schmeckt und den Durst löscht? Gesagt, getan. Das Bergführer-Bier hat das Gütesiegel der Grindelwalder Unternehmer «mit Zutaten aus Grindelwald hergestellt» erhalten, da es mit Grindelwalder Gletscherwasser gebraut wird.

Wie das Gletscherwasser in die Brauerei kommt? Die Lösung ist einfach: «Da wir für eine eigene Flaschen-Füllerei noch zu klein sind, fahren wir unser Bier regelmässig in Tanks nach Bern zum Abfüllen – und auf dem Rückweg füllen wir den leeren Tank in Grindelwald eben mit Gletscherwasser», erklärt Peter Margowski. Der Erfolg gibt ihm recht, das Bier kommt an. Und das nicht nur bei gestandenen Berggängern, wie er stolz sagt: «Wir bauen konstant aus und brauen heute bereits 4000 Liter am Tag. Unsere Ausstrahlung geht über die Region hinaus.»

«Jungfraubräu Bier Helles», Fr. 12.90/6 × 33 cl, erhältlich in ausgewählten Coop-Supermärkten. Diverse Biere gibt es derzeit zu Aktionspreisen.