X

Beliebte Themen

Babybrei von yamo

Mix it, Baby!

Wie ein Betriebswirt, ein Publizist und ein Lebensmittelwissenschaftler die Welt der Schweizer Babynahrung auffrischen.

FOTOS
Christoph Kaminski, ZVG
09. März 2020

 Tobias Gunzenhauser, José Amado-Blanco und Luca Michas (v. l.) gründeten das Zuger Start-up «yamo».

Die Initialzündung war ein veganer Monat im Jahr 2015. Die Freunde Luca Michas (33) und Tobias Gunzenhauser (32) stellten sich der Herausforderung einer ausschliesslich pflanzlichen Ernährung. Schnell fanden sie heraus, dass verarbeitete Produkte oft viele Zusätze enthalten. Am meisten erstaunte sie dies bei Babybrei. «Arglos nahm ich an, dass Babybrei wohl das Natürlichste sei, was es im Supermarkt gibt», erzählt Betriebswirt Tobias Gunzenhauser. Doch weit gefehlt, das Konsultieren der Etiketten brachte Ernüchterung. «Wie kann es sein, dass Babynahrung älter ist als das Kind, das sie isst?», fragte sich Luca Michas. Zudem fanden die beiden Zutaten wie Salz, Vitaminzusätze oder sogar Zucker, die ihrer Meinung nach nichts in diesen Gläschen verloren hatten.

Ungläubig wandten sie sich an ihren Freund José Amado-Blanco (31). Dieser studierte zu dem Zeitpunkt Lebensmitteltwissenschaften an der Fachhochschule in Wädenswil ZH und konnte sie aufklären.

Babynahrung werde in der Regel mit Hitze sterilisiert, also während rund 20 Minuten auf 120 Grad erhitzt. «Das überleben keine Keime – aber leider auch einige Vitamine nicht, und die frische Farbe des Breis wechselt in ein mattes Grau-Braun», erklärt Amado-Blanco. «Vom Geschmack reden wir mal nicht», fügt Publizist Michas an. Die drei begannen zu diskutieren, erkundigten sich bei jungen Eltern und hörten überall das Gleiche: Die Leute kauften den industriell hergestellten Brei zwar, aber nur, wenn es nicht anders ging.

Damit war der Unternehmergeist der jungen Männer geweckt. Sollte es tatsächlich nicht möglich sein, Babynahrung herzustellen, die frisch war und auch so schmeckte, der man die Frische ansah und – am allerwichtigsten – die keine Zusätze brauchte?

Mit viel Druck

Erneut wusste Amado-Blanco Rat. Er kannte das Verfahren der kalten Pasteurisation, das sogenannte High Pressure Processing HPP (Hochdruck-Verarbeitung). Dabei führt man die frischen Lebensmittel in ihrer Originalverpackung in einen riesigen Kaltwassertank und setzt sie einem hydraulischen Druck von 6000 bar aus. «Das tötet die Mikroorganismen ab, die wertvollen Vitamine und natürlichen Antioxidantien aber bleiben erhalten, da keine Hitze im Spiel ist», erklärt der Lebensmittelfachmann. Diese Methode ist in der Lebensmittelindustrie etabliert und verlängert etwa die Haltbarkeit von Fruchtsäften, Smoothies oder Guacamole. Die Freunde waren davon so angetan, dass Michas und Gunzenhauser kurzerhand ihre Jobs kündigten. Sie holten Amado-Blanco ins Boot und gründeten 2016 in Zug das Start-up «yamo».

Die Umsetzung war eine grosse Herausforderung. Denn obwohl die Hochdruckpasteurisation bestens bekannt war, gab es bis dahin europaweit niemanden, der sie bei Babynahrung anwandte. Die Jungunternehmer liessen sich dadurch nicht verunsichern. Sie probierten aus, analysierten und fanden schliesslich ein Unternehmen in der Schweiz, welches ihre Babynahrung kalt pasteurisierte. «Unsere Produkte sind bei einer Lagerung unter acht Grad problemlos fünf Wochen haltbar», sagt Tobias Gunzenhauser.

Und viel Liebe

Der Firmenname «yamo» setzt sich zusammen aus yummy (englisch für lecker) und amo (italienisch: ich liebe). «Wir essen doch alle gern, wieso sollten Babys dann nicht auch etwas Feines essen können?», schmunzelt Luca Michas. Als Publizist ist er verantwortlich für die Kommunikation und die lustigen Namen der Produkte.

Aussergewöhnlich sind im Übrigen auch die Marktforschungsmethoden des jungen Unternehmens. Die in der Testküche ausgetüftelten Breie gehen zuerst in Kitas. «Kinder sind sehr ehrlich, da merkt man sofort, ob es ihnen schmeckt oder nicht», erzählt Tobias Gunzenhauser. Immer wieder kommen auch positive Rückmeldungen von Eltern. Das freut die drei (noch) kinderlosen Männer ganz besonders, denn ihre frische Babynahrung scheint einem grossen Bedürfnis zu entsprechen. Ihr Unternehmen hat bald zwei Dutzend Mitarbeiter und entwickelt laufend neue Brei-Varianten. Auf die Frage nach ihren Favoriten antworten sie mit einem Lächeln: «Das ist doch wie mit Kindern, man hat jedes auf seine Art gern.»