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Zwei Herzen und viel Käse

Melchior Schoch macht keine halben Sachen, dafür viele: Er ist Käser, führt gleichzeitig eine Wirtschaft und organisiert Events. Dabei ist das nur der Anfang einer langen Liste. «Schlaf wird überbewertet», sagt er mit einem verschmitzten Lächeln.

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Christoph Kaminski
21. September 2020
Käse, so weit das Auge reicht: Melchior Schoch stellt seine neusten Werke ins Regal.

Käse, so weit das Auge reicht: Melchior Schoch stellt seine neusten Werke ins Regal.

In seiner Brust schlagen zwei Herzen. «Meine Mutter war Toggenburgerin, mein Vater Appenzeller», erzählt Melchior Schoch. Er wohnt im Toggenburg, trägt dort aber auch mal eine Appenzeller Sennentracht, wenn er Lust dazu hat. In seinem Schrank hängen Trachten aus beiden Regionen, und er liebt sie genau gleich. Denn die Unterschiede zwischen den Herzen und Trachten sind eher klein. «Im Toggenburg haben die Hosenträger Fransen», erklärt er. Im Appenzellerland gibt es diese nicht. Sonst sehen sie sich sehr ähnlich. «Ich sage immer, ich mache hier Entwicklungshilfe im Toggenburg», scherzt er. Um einen Spruch ist Melchior Schoch nie verlegen.

Der 44-jährige Käsermeister ist traditionsbewusst. Doch er verlässt die vorgezeichneten Wege gerne, wenn es ihm gefällt. In seiner Käserei experimentiert er ständig mit neuen Rezepten, mit Kräutern und Gewürzen. Die Käse-Variante mit Alpenkräutern ist einer seiner Verkaufsschlager.

«Ich bin halt ein Zwilling», sagt Melchior Schoch. Dieses Sternzeichen gilt als gesellig und umtriebig. Das passt zu den zwei Herzen. Schoch möchte sich auch nicht nur auf ein Standbein fixieren. Sein Berghof in Aewil bei Ganterschwil SG ist nicht nur eine Käserei, sondern auch ein Restaurant, das einen wunderbaren Panoramablick auf das Toggenburg eröffnet. Dort serviert seine Frau Vreni eine gutbürgerliche Küche und natürlich auch Käsespezialitäten wie Käsesuppe oder Käseschnitzel. Schoch verarbeitet Bio-Milch von sieben Bauern. Die Kühe grasen rund um den Hof. So können die Gäste die tierischen Milchlieferanten ihres Käses persönlich kennenlernen. Das ist natürlich noch nicht alles. In der umgebauten Scheune nebenan gibt es aus- serdem grosse Bankettsäle und auch Übernachtungsmöglichkeiten. Hochzeiten, Beerdigungen, Vereinsanlässe, Kurse, alles kein Problem.

Ein Tausendsassa

Beim Umbau hat Melchior Schoch vieles selber gemeistert. Als Zwilling arbeitet er ja für zwei. Wände neu aufbauen, Isolationen montieren, Schoch kann vieles. Sogar die Bäume für die Möbel hat er mitgeschlagen und daraus selber Tische und Stühle gezimmert. Er muss eben immer etwas tun. Seine Tage sind lang, viel schläft er nicht. Etwa vier bis fünf Stunden. «Der Schlaf wird überbewertet», ist er überzeugt. Deshalb steht er gern früh auf. «Um vier Uhr morgens macht es Bip-bip-bip, dann fange ich an zu käsen.» Dabei geniesst er die Ruhe. Danach braucht er jedoch wieder Gesellschaft und arbeitet in der Wirtschaft mit. Abends empfängt er seine Gäste an verschiedenen Anlässen. «Wenn sie glücklich sind, bin ich auch glücklich.» Seine Arbeit ist sein Hobby.

In den Ferien war er seit Jahren nicht mehr. Reisen unternimmt er natürlich trotzdem, sie haben mit seinem Beruf zu tun, wenn er zum Beispiel Messen besucht. «Ich war schon in Dubai oder Paris oder in Pisa. Aber hier ist für mich der schönste Ort der Welt.» Nach längerem Nachdenken fällt ihm trotzdem ein Hobby ein: das Singen und Jodeln. «Wenn ich singe, fühle ich mich frei», schwärmt er.

Doch als er 40 wurde, musste auch einer wie Melchior Schoch ein wenig kürzertreten. «Seither mache ich manchmal einen Mittagsschlaf.» Und wie lange dauert der? «Nicht lange, sonst verpasse ich noch etwas!»

«Melch’s Bio-Alpenkräuter-Käse» ist erhältlich in Coop-Supermärkten der Region für Fr. 2.20/100 g.