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«Ja» zur Tradition und Regionalität

Das Coronavirus sorgte in diesem und im vergangenen Jahr nicht nur für Hunderte Hochzeitsabsagen. Die Pandemie veränderte auch die Art und Weise, wie wir an Hochzeiten feiern und essen.

FOTOS
Heiner Schmitt, Juli Marleen Photography
10. Mai 2021
Schweizer Klassiker wie Pastetli oder Flädlisuppe könnten künftig öfter auf der Hochzeitstafel landen.

Schweizer Klassiker wie Pastetli oder Flädlisuppe könnten künftig öfter auf der Hochzeitstafel landen.

Oft bleiben vom rauschenden Hochzeitsfest nur Fotos, die man immer wieder in die Hand nimmt und die einen an die wundervollen Stunden erinnern. Bilder von der Braut, die im weissen Kleid am Arm ihres Vaters auf ihre grosse Liebe zuschreitet. Momentaufnahmen vom Hochzeitstanz, den gerührten Zuschauerinnen und Zuschauern. Fotos von einer festlich gedeckten Tafel mit edlen Weinflaschen, Pastetli und Flädlisuppe.

Pastetli und Flädlisuppe? Und das an einer Hochzeit? Durchaus, wenn es nach dem Schweizer Hochzeitsmagazin «Swiss Wedding» geht. In der ersten Ausgabe des Jahres wagen sich die Redaktoren an eine Trendprognose im Bereich der Eheschliessung. Auch etwas Beständiges wie die Eheschliessung ist in der Art, wie sie gefeiert wird, Veränderungen unterworfen.

Heiraten wie einst die Eltern

«Damit hat niemand gerechnet: Schleier, Kirche, Feuersteine sowie Spiele und Diaschau als Abendprogramm … wer hätte gedacht, einmal so zu heiraten, wie es die eigenen Eltern damals taten», heisst es im Magazin. Zurück zur Tradition heisst es auch beim Essen, wenn eben von Flädlisuppe und Pastetli die Rede ist. Die Trends werden nicht einfach aus dem hohlen Bauch heraus geschrieben, sondern sind fundiert, wie Marilena Maiullari (48), Chefredaktorin des Magazins, erklärt: «Diese Trends definieren wir nach Gesprächen mit unserem Branchennetzwerk und dem Austausch mit Brautpaaren.» Oft sind es auch Themen aus dem Ausland, die sie schon länger auf dem Radar hatte.

Sinnbild für Traditionen

Die Rückkehr zu den Traditionen ist für die ganze Branche überraschend gekommen. «Corona hat dafür gesorgt, dass man sich mehr auf seine Werte zurückbesinnt», sagt Maiullari. Die Pastetli und die Flädlisuppe stehen dabei sinnbildlich für die Traditionen. «Nebst den alten Bräuchen steht auch Swissness wieder vermehrt im Zentrum.» Brautpaare wollen derzeit lieber keine Experimente eingehen und feiern deshalb im eigenen Land und mit lokalen Produkten.

Apéro-Klassiker

Ein Klassiker sind die Traiteurplatten von Coop. Zurzeit liegt deren Hauptsaison vor allem um die Feiertage herum im Winter. Doch warum sollte man die Platten nicht auch am Apéro nach der Zeremonie servieren? Von Fleisch-, Fisch- oder Käseplatten bis zu gefüllten Partybroten ist alles abgedeckt. Sogar süsse Torte zum Dessert könnte das Brautpaar bestellen und je nach Geschmack individuell gestalten lassen.

Weitere Infos unter www.coop.ch/traiteurplatten

Regionale Produkte kommen beim Apéro zum Beispiel in Form von Cheese­cake zum Einsatz. Der klassische Dessert-Kuchen hat einen rezenten Twist bekommen. Als Highlight auf dem Buffet werden Käselaibe verschiedener Grös­sen aufeinandergestapelt und der Begriff «Käsekuchen» wird mit einem neuen Bild konnotiert.

Simone Glarner (37) beobachtet den Wechsel hin zum Regionalen und Saisonalen ebenfalls. «Corona hat das noch einmal akzentuiert.» Glarner ist Hochzeitsplanerin und führt in Zug ihr Geschäft Liebesding Wedding Planning. «Durch Corona wurde vielen klar, wie wichtig es ist, lokale Anbieter und Produzenten zu unterstützen – gerade auch bei Hochzeiten.» In jeder Krise werde das Bewusstsein für die eigenen Werte und Traditionen wieder geschärft.

«Ich beobachte, dass junge Brautpaare heute bei ihren Hochzeitsessen einen alternativen Ansatz verfolgen.»

Simon Ragaz

 

Die Regionalität zeigt sich auch bei der Wahl der Produkte. Zum Beispiel bei Käse aus der Region.

Kindheitserinnerungen ausleben

Eine Hochzeit darf laut Glarner heute durchaus bodenständig und einfach sein – auch im Bereich des Essens. «Es muss nicht immer so gesittet zu- und hergehen wie früher.» Eine Bratwurst als Mitternachtssnack sei durchaus akzeptabel. Gemeinsam um das Feuer zu sitzen und eine Wurst in die Glut zu halten, schreibt Simon Ragaz (47) der Erinnerung an die Kindheit zu. Der Inhaber des Berner Cateringunternehmens Ragaz Catering hat im vergangenen Jahr nur eine Handvoll Hochzeiten bedienen können anstatt der rund 20, die für ihn sonst normal sind. Für 2021 sind die Hoffnungen entsprechend gross.

«Ich beobachte, dass junge Brautpaare heute bei ihren Hochzeitsessen einen alternativen Ansatz verfolgen», sagt er. «Sie wollen weniger das klassische, servierte Menü. Auch ein Buffet ist derzeit eher gegen den Trend.» Stattdessen setzten sie auf eine lockere Sommerfest-Atmosphäre mit einem Barbecue. «Sie wollen einfache, greifbare Gerichte.» Langweilig ist das Catering durch diese Entwicklung für Ragaz nicht geworden. «Ich finde das sehr spannend. Man ist einfach wieder näher am Produkt.» Der Trend mit der Regionalität ist für ihn nichts Neues. «Wir verfolgen diesen Grundsatz sowieso und geben den auch vor.»

Auch 2021 wird geheiratet. Trotz einer globalen Pandemie, trotz Hindernissen und trotz nervenzehrendem Umplanen. Es wird anders sein, als wir das gewohnt sind. Vieles, das aber über die Jahre in Vergessenheit geraten ist, wird dafür wiederkommen. So werden die Bilder, die an all diesen Eheschliessungen geschossen werden, an Fotos erinnern, die wir zuletzt im Hochzeitsalbum unserer Eltern gesehen haben. Mit einem tanzenden Brautpaar, stolzen Verwandten, lokalem Käse und Pastetli oder Flädlisuppe.

Regionale Hochzeit im Zürcher Afrika

Nachhaltigkeit und Regionalität wird bei der Hochzeit von Katrin Andres (31) und ihrem Mann Fabian Felder (33) eine Rolle spielen. Standesamtlich sind die beiden bereits verheiratet, das grosse Fest hätte im vergangenen Oktober stattfinden sollen. Aufgrund der unsicheren Lage hat sich das Paar aber dazu entschieden, das Ganze um ein Jahr zu verschieben. Gefeiert wird, sofern die Situation das zulässt, im Zoo Zürich. «Wir sind grosse Afrika-Fans, versuchen aber möglichst wenig zu fliegen. Ersatz bietet uns so die Lewa Savanne im Zoo», sagt Katrin Andres. Eine Destinations-Hochzeit, nur einen Steinwurf vom eigenen Zuhause entfernt. Zudem setzt der Zoo beim Essen einen starken Fokus auf die Nachhaltigkeit und verwendet lokale und regionale Produkte. Sobald die Tore zum Zoo geschlossen worden sind, die Besucherinnen und Besucher ihn verlassen haben, wird die Hochzeitsgesellschaft auf eine Entdeckungsreise mitgenommen. Im Elefantenhaus soll vor der Führung aber erst der Apéro gereicht werden. Der zweite Teil des grossen Fests findet im Sorell Hotel Zürichberg statt. «Wir sind gerade noch in der Detailplanung, was das Essen anbelangt», sagt Katrin Andres. Gutbürgerlich, traditionell und regional soll es aber sein. «Im Herbst ist sicher Wild ein Thema, wir denken aber auch an Zürcher Geschnetzeltes.»