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BIO-Special

Vertrauen ist gut…

Wo bio drauf steht, muss bio drin sein. Deshalb werden Bio-Produkte und ihre Inhaltsstoffe genau unter die Lupe genommen, zum Beispiel von «bio.inspecta».

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Getty images, Shutterstock, Alamy, Peter mosimann
01. Februar 2021
Bio oder nicht bio? Dieser Frage gehen die Kontrolleure der «bio.inspecta» nach.

Bio oder nicht bio? Dieser Frage gehen die Kontrolleure der «bio.inspecta» nach.

Unabhängig

In der Schweiz gibt es vier Bio-Kontroll- und Zertifizierungsstellen, die vom Bund eingesetzt sind, eine davon ist «bio.inspecta». Sie überprüfen, ob die Richtlinien der Bio-Verordnung beim Anbau, in der Verarbeitung und im Handel von Bio-Lebensmitteln eingehalten werden. Sind alle Bedingungen erfüllt, darf ein Betrieb ein Bio-Label führen. «bio.inspecta» macht auch Zertifizierungen für Bio Suisse: Nur wer die strengen Anforderungen erfüllt, darf die Knospe verwenden.

Rückverfolgbar bis aufs Feld

Will zum Beispiel ein Bäcker ein Bio-Brot herstellen, muss er deklarieren, woher er das Mehl dafür bezieht. Der Müller wiederum muss angeben, wer ihm das Korn für das Bio-Mehl liefert und so weiter. Im Zweifelsfall kann «bio.inspecta» bei den entsprechenden Kontrollstellen im Ausland nachfragen. Bei Knospe-Produkten kann man sogar bis aufs Feld zurückverfolgen, woher der Rohstoff kommt und wie er angebaut und verarbeitet wurde. Die Zertifizierung erfolgt in zwei Schritten: Vor Ort kontrolliert ein Mitarbeiter der  «bio.inspecta», ob die Vorgaben in der Produktion eingehalten und alle erforderlichen Nachweise vorhanden sind. Er kann auch Proben nehmen, die im Labor untersucht werden.  Ist alles in Ordnung, erfolgt die Zertifizierung durch eine weitere Person. Dieses Vier-Augen-Prinzip ist ein weiterer Kontrollmechanismus.

Dieses Vier-Augen-Prinzip ist ein weiterer Kontrollmechanismus.

 

Die Zutaten? Sind bio!

Wird ein Produkt in Bio-Qualität hergestellt, so müssen alle darin enthaltenen landwirtschaftlichen Rohstoffe ebenfalls bio sein, also zum Beispiel die Eier, die Milch oder das Mehl. Es ist Pflicht, dass diese Bio-Rohstoffe getrennt von den konventionellen gelagert und verarbeitet werden, entweder auf einer separaten Produktionsstrasse oder nachdem  zuvor alle Maschinen nach Vorschrift gereinigt worden sind. Der Verarbeiter muss dem Kontrolleur nicht nur zeigen, wie er arbeitet, sondern ihm auch Rechenschaft über seine Lieferanten ablegen.

Achtung, Kontrolle

Die Kontrolle findet in der Regel einmal pro Jahr statt und geschieht auf Anmeldung. So kann der Betrieb alle nötigen Unterlagen bereitstellen. Zusätzlich werden mindestens zehn Prozent der Betriebe unangemeldet ein zweites Mal kontrolliert. Zertifiziert wird nicht der gesamte Betrieb, sondern jedes einzelne seiner Bio-Produkte. Auf Produkten von Coop Naturaplan ist jeweils eine Zertifizierungsnummer zu sehen. So weiss der Konsument, dass dieses Produkt alle Auflagen der Knospe von Bio Suisse erfüllt.

Interview

Das Bio-Sortiment bei Coop

Das Bio-Sortiment bei Coop wächst stetig. Michael Scheidegger, verantwortlich für Produkte mit Nachhaltigkeitslabel, erklärt, warum auch Produkte aus dem Ausland die Knospe von Bio Suisse tragen und weshalb Bio mehr ist als gutes Marketing. 

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Bio aus dem Ausland

Griechisch für Leben? Bios! Wie sich die Konsumwelt mit Leben erfüllen lässt,  darum geht es in diesem Bio-Spezial. Etwa in Sizilien: Dort gedeihen Zitrusfrüchte ebenso gut wie Ideen. Ein Produzent setzte früh auf Bio – Coop-Kunden profitieren bis heute davon. Die Villa Borghese in Rom (I) kennt man. Aber wer weiss schon, dass ein Spross des Fürstenhauses in Sizilien Bio-Landwirt ist? Die Eltern von Giangiacomo Borghese (56) hatten ein verfallenes Landgut wiederaufgebaut. Als er fern in der Hauptstadt studierte, schickten sie ihm frische, naturbelassene Orangen von zu Hause, die auch bei seinen Kollegen gut ankamen – der Beginn einer Erfolgsgeschichte. 

Seit 25 Jahren liefert die «Azienda Agricola Il Biviere» Zitrusfrüchte an Coop.

 

Paradies auf Erden

Seit 25 Jahren liefert die «Azienda Agricola Il Biviere» Zitrusfrüchte an Coop. Der Familienbetrieb liegt im Osten Siziliens auf dem fruchtbaren Boden eines trockengelegten Sees mit Blick auf den Vulkan Ätna. Neben Blut- und Blondorangen, Zitronen, Clementinen und rosa Grapefruit gedeihen dort auch Plattpfirsiche und Aprikosen – alles in Bio-Suisse-Qualität und Demeter-zertifiziert.

Verwurzelt in Sizilien

Das Gut «Il Biviere di Lentini» hatte 1392 König Martin I. von Sizilien einem Vorfahren von Giangiacomo Borghese als Lehen gegeben. Heute legt der fürstliche Familienvater, hier mit Gattin Virginia (37), Sohn Giulio (4, in der Mitte) und Tochter Luce (2), grossen Wert auf Landwirtschaft im Einklang mit der Natur, aber auch auf Online-Vermarktung.


Bekenntnis zum Bio-Wein

Steilvorlage für die Knospe

Wo heute Reben wachsen, hatte einst der Rhonegletscher alles bedeckt. Als er sich am Ende der letzten Eiszeit nach und nach zurückzog, hinterliess er unten den Genfersee und oben an den Hängen einen fruchtbaren Mix aus grobem Geröll und feinem Sand. Dieses ganz spezielle Terroir prägt die hier angebauten Weine. Seit 2007 gehört die einzigartige Terrassenlandschaft des Lavaux mit mehr als 1000 Jahren Weinbautradition zum Unesco-Welterbe. Noch sind Bio-Winzer im Waadtland eher eine rare Spezies. Zu den Pionieren des Lavaux gehört Gérald Vallélian, der die Domaine des Faverges jetzt komplett auf Bio umstellt.

Engagiert für das Erbe

Neben seinem Beruf als Winzer und Kellermeister ist Gérald Vallélian auch Gemeindepräsident von Saint-Saphorin. Und als Vizepräsident im Verein «Lavaux Patrimoine mondial» engagiert er sich für den Erhalt und die Entwicklung dieser einzigartigen und aussergewöhnlichen Kulturlandschaft. Auf den steilen Terrassen von Saint-Saphorin geniessen die Reben sehr viel Sonne – und eine grandiose Aussicht über den Genfersee.

Auf den steilen Terrassen von Saint-Saphorin geniessen die Reben sehr viel Sonne – und eine grandiose Aussicht über den Genfersee.

 

Biodynamische Expertimente

Gérald Vallélian (55) kam vor 17 Jahren als Kellermeister zur Domaine des Faverges und übernahm einen kleineren Teil der Rebberge, den er ab 2009 umstellte. Er bekam 2015 die Bio-Suisse-Zertifizierung, und seit Herbst letzten Jahres bewirtschaftet er die gesamten Rebberge des Weinguts nach Bio-Regeln. Stets auf der Suche nach neuen Lösungen hat Vallélian auch mit Methoden der Biodynamik experimentiert und neue Rebsorten getestet. Dabei arbeitet er mit dem landwirtschaftlichen Bildungszentrum Agrilogie Marcelin in Morges VD ebenso zusammen wie mit dem Forschungsinstitut für biologischen Landbau (FiBL) in Frick AG.

Tradition der Mönche

Dass die Rebberge im waadtländischen Lavaux dem Staat Freiburg gehören, hängt mit der Geschichte des Zisterzienserklosters von Hauterive FR zusammen. Die Mönche der 1138 gegründeten Abtei hatten über Jahrhunderte hinweg die Domaine des Faverges bewirtschaftet. Sie konnten das Gut auch unter der Berner Herrschaft behalten. Erst mit der Auflösung des Klosters 1848 ging das Weingut in Staatsbesitz über. Daran hat sich auch nichts geändert, als die Abtei in den 1970er-Jahren wiederbelebt wurde.

Erhältlich in ausgewählten Coop-Supermärkten oder unter: www.mondovino.ch