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Das sind die Besten

Vier Finalistinnen und ein Finalist haben mit dem Schwingbesen jongliert, das Rührgerät zum Glühen gebracht und mit viel Leidenschaft ihre Version eines perfekten Schoggikuchens gebacken. Nur eine oder einer  kann gewinnen. Jetzt hat die Jury entschieden. 

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Heiner H. Schmitt
22. Oktober 2021
Gewinnerin Mirjam Lex schwingt den goldenen Schwingbesen, und alle Finalisten präsentieren – flankiert von der Jury – ihre Kunstwerke.

Gewinnerin Mirjam Lex schwingt den goldenen Schwingbesen, und alle Finalisten präsentieren – flankiert von der Jury – ihre Kunstwerke.

«Ein Schokoladenkuchen muss feucht sein, intensiv nach Schoggi duften und genauso schmecken», sagt Christian Hümbs (40). «Und das i-Tüpfelchen ist eine knusprige Kruste», ergänzt Sibylle Sager (54). Die beiden sind Experten: Sager ist die bekannte TV-Köchin aus der Sendung «al dente» und leitet seit Jahren bei Betty Bossi die Rezeptredaktion. Und Hümbs ist Chef-Pâtissier im Luxushotel Dolder Grand in Zürich. Beide stellen die Jury des Schoggi-kuchen-Wettbewerbs, den die Coopzeitung vor einiger Zeit ausgeschrieben hatte. Zum Finale wurden vier Hobby-bäckerinnen und ein Hobbybäcker in die Betty-Bossi-Testküche nach Zürich Altstetten eingeladen, um das eigene Rezept vor der Jury zuzubereiten. 

«Heute bevorzuge ich das Chili-Rezept mit der pikanten Note.»

 

Viel experimentiert hat Alessia Kleiner (27) aus Oberwinterthur ZH. «Am Ende habe ich mich für ein Rezept mit weisser Schokolade und Himbeeren entschieden; die Früchte harmonieren toll mit der Schokolade und geben dem Kuchen eine fruchtige Note.» Auch Mirjam Lex (45) verwendet eine besondere Zutat, die es ganz schön in sich hat. «Mein Partner und ich ziehen Chilis. In meinem Kuchen sind sie nebst Schokolade und Fleur de Sel eine wichtige Komponente.» Die Hochbautechnikerin aus Volketswil ZH liebt Schoggikuchen seit ihrer Kindheit. Damals konnte er nicht süss genug sein. «Heute bevorzuge ich das Chili-Rezept mit der pikanten Note.»

Backen mit Routine und Kreativität

Obwohl die Finalisten für die Zubereitung der Kuchen nur eine Stunde Zeit haben, ist Natascia Lo Manto (39) aus Selzach SO die Ruhe selbst. «Ich kann mein Rezept im Schlaf», meint sie lachend. Ihr Kuchen, der durch Jogurt besonders feucht ist, gehört quasi zum Familieninventar. «Für Kindergeburtstage schneide ich Figuren daraus und dekoriere mit Fondant.» Die Routine von Natascia Lo Manto, die bei der Kantons-polizei Solothurn arbeitet, zeigt sich in der Praxis: Schon nach einer halben Stunde ist ihr Werk im Ofen.

Fast ebenso routiniert ist Pius Isenring. Der 71-Jährige aus Egnach TG ist der einzige Mann im Finale. «Ich koche und backe gern, schon in den 1980ern war ich in einer Hobbykoch-Gruppe.» Sein Kuchen enthält viele gemahlene Haselnüsse – und einen geriebenen Apfel. «Ich komme ja aus dem Apfelkanton Thurgau und bringe damit ein wenig Heimat in mein Rezept.»

Mehr als fünf Jahrzehnte jünger als Finalist Isenring ist Joelle Warthmann aus Uster ZH. Die 19-Jährige führt den «Crazy Kitchen»-Foodblog, den sie im Rahmen ihrer Maturaarbeit startete. Auch das Rezept für ihren Kuchen hat sie selbst entwickelt. «Die Besonderheit ist, dass er ohne Mehl auskommt», erklärt sie. Am Ende dekoriert sie mit einer dicken Schicht Aprikosenkonfi, Mandelscheiben und Pflaumenstücken.

Das Profi-Urteil

Als die Jury zur Beurteilung kommt, steigt bei allen die Spannung. Zuerst gibt es ein Feedback für den Kuchen von Alessia Kleiner: «Er sieht super aus, kompakt und fest», meint Sibylle Sager. «Doch im Mund fühlt er sich eher wie ein Pudding an.» Und Christian Hümbs meint: «Dein Kuchen ist zwar sehr fein, aber vor lauter Himbeere schmeckt man kaum noch die Schokolade!»

«Er hat eine perfekte Konsistenz, ist luftig und dennoch kompakt.»

 

Nun gehen die beiden Experten mit dem Kuchen von Pensionär Pius Isenring ins Gericht. «Ich war sehr gespannt auf das fruchtige Apfelelement», so der Dolder-Pâtissier. «Leider schmeckt man das nicht raus.» Und Sibylle Sager meint: «Er hat eine perfekte Konsistenz, ist luftig und dennoch kompakt. Aber die vielen Haselnüsse sind zu dominant.» Auch Hümbs schmeckt er zu wenig nach Schoggi. Sein Tipp: «Verwende beim nächsten Mal weniger Nüsse, dafür statt Weizenmehl Buchweizenmehl. Das bewahrt dir eine leichte nussige Note.»

Bei Natascia Lo Mantos Variante lobt Juror Hümbs: «Er hat die perfekte Konsistenz zum Schnitzen von Themenkuchen – wenn die Kandidaten in meiner Backshow dein Rezept hätten, wären sie happy.» Sibylle Sager jedoch fehlt das gewisse Etwas. «Obwohl du Jogurt verwendest, schmeckt man es kaum raus, hier hatte ich mir ein wenig mehr erwartet.»

Zu viel Konfi verwendet

«Dir ist ein super glutenfreier Kuchen gelungen», meint Sibylle Sager anerkennend zu Joelle Warthmann. Hümbs pflichtet ihr bei: «Er macht optisch was her, besitzt eine feste Teigstruktur und schmeckt intensiv nach Schokolade!» Aber: «Durch den Aprikosen- und Mandelbelag kommt mir eher eine Sachertorte in den Sinn als ein Schoggikuchen.» Sibylle Sagers Fazit: «Mit weniger Konfi wäre dein Kuchen mein Favorit.»

Auf den ersten Blick nicht ganz perfekt sieht der Kuchen von Mirjam Lex aus, da er sich in der Mitte ein wenig gesetzt hat. «Das ist ein gutes Zeichen, es zeigt, dass er sich verfestigt hat», erklärt Expertin Sager. «Er schmeckt intensiv nach Schokolade und hat eine schöne Kruste.» Auch Christian Hümbs findet Gefallen. «Am Anfang schmecke ich Salz, aber nicht unangenehm, dann kommt Schokolade, dann Chili – eine tolle Geschmackskombi», lobt er. Die Profis sind sich einig: Die Siegerin heisst Mirjam Lex. Diese lacht vor Freude und nimmt sichtlich gerührt den goldenen Schwingbesen als Trophäe in Empfang. Herzlichen Glückwunsch! 

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