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Die Seele eines Bourbon

In der kalifornischen Weinwelt ist das Bourbon-Fieber ausgebrochen. Kräftige Rotweine entwickeln beim Finishing in Bourbon-Fässern rauchige Aromen – und Wein-Fans sind begeistert.

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Vlad Kutepov
10. September 2021

Ob Teebeutel, Röntgenstrahlen oder Kartoffelchips: All diese genialen Erfindungen hat die Welt dem Zufall zu verdanken. Sie wurden durch Glück, Vergesslichkeit oder dank einem Miss-geschick entdeckt. Auch die inzwischen heiss begehrten, rauchigen Tropfen des Weinguts «1000 Stories», das in Kalifornien, nördlich von San Francisco (USA) seinen Sitz hat, sind ein Produkt des Zufalls. «Anfang der 1980-er Jahre, als Bob Blue, unser Kellermeister, gerade anfing, seinen eigenen Wein herzustellen, war es für uns hier in Amerika nicht einfach, an Barriquefässer aus französischer Eiche zu kommen, der Preis war exorbitant hoch», erzählt Gabriela Marble (29), Managerin bei Fetzer Vineyards, der Muttergesellschaft des Weinguts.  Bob Blue (heute 65) machte aus der Not eine Tugend. «Er nahm einfach alte Bourbonfässer, säuberte sie und benutzte sie für den Ausbau des Weins.» Trotz der intensiven Reinigung fanden Aromen aus den alten Whiskey-Fässern den Weg in seine Weine.

«Bourbon Barrel Aged»:Dieses fast als Gütesiegel zubezeichnende Attribut bedeutet, dass der Wein im Bourbon-Fassgereift ist.

 

Einige Jahre vergingen, Eichenfässer waren nun auch für die US-Winzer verfügbar. Doch Bob Blue erinnerte sich an die alten Zeiten. Und er experimentierte wieder mit Whiskey-Fässern – dieses Mal ohne sie zu reinigen. «Statt die Eigenschaften des Bourbons zu überdecken, nutzte er dessen besondere aromatische Nuancen, um dem Wein Komplexität zu verleihen.» Damit war der Wein «1000 Stories» geboren.

Bis zu drei Monate im Whiskey-Fass

Heute baut Bob Blue seinen Zinfandel, den amerikanischen Cousin des apulischen Primitivo, zunächst in französischen und amerikanischen Eichenfässern aus. Dann füllt er ihn in kleinen Chargen für etwa drei Monate in die ehemaligen Bourbon-Fässer – und verkostet den Wein ständig. «Manchmal nehmen wir ihn auch schon nach zwei Monaten heraus», so Blue, «damit er nicht zu intensiv wird.» Geprägt ist das Aroma des Tropfens gar nicht mal so sehr von kräftigen Holznoten, wie man eigentlich vermuten könnte. Vielmehr lassen sich typische Röst- und Vanillenoten herauslesen, die an die getoasteten, also ausgebrannten Whiskeyfässer erinnern. Aber auch Heu- und Kräuternoten sind enthalten. All diese Aromen verbinden sich perfekt mit der komplexen Fruchtigkeit des Ursprungweins.

Meist handelt es sich bei den Roten, die diesen Prozess durchlaufen, um kräftige Sorten wie Cabernet Sauvignon oder eben Zinfandel. Neuerdings findet sich aber auch ein Chardonnay im Bourbonfass. «Erst dachten wir, dass es schwierig sein würde, dieses Verfahren auf weisse Trauben anzuwenden. Aber als wir anfingen, mit Chardonnay zu arbeiten, entdeckten wir grosses Potenzial», freut sich Bob Blue. «In der Tat treten die Bourbon-Aromen in Weissweinen deutlicher hervor als in Roten.» Doch der Zinfandel bleibt das Zugpferd. Er trifft offenbar den Nerv einer ganzen Generation – vor allem Wein-Fans in US-Metropolen fahren auf den Roten mit der Bourbon-Seele ab. Kein Wunder: Er mundet vorzüglich zu einem Rindfleisch-Burger, gefüllt mit Speck, Käse und Barbecue-Sauce. Und macht sich ideal zu Wild, grillierten Würsten oder, wie es Gabriela Marble mag, zur gebratenen Schweinekeule mit Rosmarin oder einer Ente mit Balsamico-Essig.

Mondovino-Highlights

Sattes Rubinrot, in der Nase vollreife Beerenaromatik, Vanille, deutliche Bourbon-Whiskey-Note, am Gaumen sehr seiden, feines Tannin, milde Säure, dichte Fruchtsüsse bis ins Finale. Entdecken Sie jetzt die Mondovino-Wein-Highlights auf coop.ch. 

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