Ein Symbol für das Dolcefarniente | Coopzeitung
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SPEZIALAUSGABE ITALIEN

Ein Symbol für das Dolcefarniente

Es ist 1933, als die Moka Express, eine Miniatur-Kaffeemaschine, in Italien lanciert wird. Heute ist sie das Alltagsprodukt von Millionen von Menschen und ein Kultobjekt. Im Gespräch mit der Bialetti-Expertin Elisa Albanese.

FOTOS
Simone Bergamaschi/parallelozero, Bialetti/zvg
02. August 2021
Moment der Entschleunigung:Elisa Albanese (40), Leiterin der Kommunikation bei Bialetti. Hier in der Unternehmenszentralein Coccaglio (Brescia).

Moment der Entschleunigung:Elisa Albanese (40), Leiterin der Kommunikation bei Bialetti. Hier in der Unternehmenszentralein Coccaglio (Brescia).

Wer hat eigentlich die berühmte Bialetti-Moka-Maschine erfunden?

Alfonso Bialetti, der von 1888 bis 1970 lebte, ist der Erfinder der Moka-Maschine und zugleich Firmengründer. Es ist eine etwas kuriose Geschichte, denn die Idee für den Moka-Mechanismus kam ihm beim Betrachten der Waschmaschine seiner Frau. Sie bestand aus einem Gefäss mit einem Stahlrohr in der Mitte. Die Wäsche wurde in das Gefäss gelegt, das von unten beheizt wurde, und sobald das Wasser kochte, lief dieses durch das Rohr nach oben und verteilte die Seife gleichmässig in der Wäsche.

Was hat es mit der besonderen Form der Moka auf sich?

Das ikonische Design ist von der Faltenrock-Mode der damaligen Zeit inspiriert, hat aber auch einen funktionalen Grund: Die Moka Express, das Original, unterscheidet sich von Imitaten dadurch, dass sie acht Seitenflächen hat. Das ist der optimale Aufbau für eine ideale Verteilung der Hitze und schliesslich auch für ein perfektes Kaffee-Ergebnis.

Und wer ist das kleine Männchen mit dem Schnurrbart?

Das Signet wurde 1958 geboren, erst 25 Jahre nach der Kommerzialisierung der Maschine. Es repräsentiert Renato Bialetti, den Sohn von Alfonso. Er war es, der das richtige Gespür für die Marke Bialetti entwickelte und sie zum Erfolg führte. Die eigentliche Verbreitung der Moka-Maschine geschah mit dem Aufkommen des Fernsehens und dank Werbespots, in denen der kleine Mann mit dem Schnurrbart der Protagonist war (die Werbespots wurden von 1957 bis 1977 ausgestrahlt, Anm. d. Red.) und die ihn so bei italienischen Familien populär machten.

Seit der Gründung hat Bialetti mehrere Modelle produziert. Aber der Klassiker wird weiterhin – dem Original sehr ähnlich – hergestellt.

Kaffee-Puristinnen und -Puristen verwenden nur die Moka Express. Es gibt sogar Moka-Maschinen für Induktionskochfelder. Auch  handelt es sich bei der Moka Express um ein Designobjekt, das sich sogar einen Platz in der Dauerausstellung des Museums of Modern Art in New York ergattert hat. Sie ist eines dieser italienischen Objekte, die so ikonisch sind wie die Vespa und der Cinquecento, die ebenfalls Designgeschichte geschriebenhaben. Ein Objekt wird aber nicht nur aus ästhetischen Gründen zu einer Ikone, sondern auch wegen seiner Eigenschaft, das Leben der Menschen zu prägen, es zu vereinfachen. Meiner Meinung nach sind es beide Elemente, die den Erfolg der Moka-Maschine begründen. Einerseits ist das Design sehr schön und wohlproportioniert, andererseits hat es den Lebensstil der Menschen nachhaltig verändert. 

Das unverwechselbare Glucksen der Moka Express kennen Tausende von Menschen.

 

«Früher wurde ein Espresso stets ausserhalb der Wohnung getrunken.»

Elisa Albanese

Inwiefern?

Früher wurde ein Espresso stets ausserhalb der Wohnung getrunken. Mit der Moka Express ist er zu einem Heim- produkt für das Volk geworden. Man kann wirklich sagen, dass diese Kaffeemaschine die italienische Art der Kaffee- zubereitung repräsentiert und in den italienischen Familien eine eigentliche Kaffee-Tradition hervorgerufen hat. Auch bietet sie uns multisensorische Erlebnisse. 

Wie das?

Die Moka-Maschine erzeugt ja ein sehr leises Geräusch. Dieses unverwechselbare Glucksen gibt es jetzt als Handy- klingel- und Weckton. Und dann ist da ja auch der Geruch: Kapselsysteme verströmen den Kaffeeduft in der Wohnung nicht auf die Art, wie es die Moka vermag. Für uns ist sie ein Symbol für das süsse Leben, für ein morgendliches Aufwachen im Einklang mit der Welt. Sie repräsentiert eine Art des Kaffeetrinkens, die die Menschen dazu bewegt, sich hinzusetzen und zu entspannen. Und sie ist ein Symbol dafür, dass man auch Dinge geniessen kann, die etwas mehr Zeit benötigen. Denn die Zubereitung eines Moka-Kaffees dauert fünf bis sechs Minuten. 

Manch einem Konsumenten könnte das zu lang sein? 

Das stimmt und deshalb nehmen Kapselsysteme auch so stark zu. Wir sehen aber auch, dass sich die beiden Systeme gut ergänzen und zu unterschiedlichen Tageszeiten eingesetzt werden. Wenn Sie etwa morgens in Eile sind, wählen Sie die Kapseln. Im letzten Jahr stellten wir fest, dass der Markt für gemahlenen Kaffee, der viele Jahre lang leicht rückläufig war, wieder zunimmt. Weil die Italienerinnen und Italiener, wenn sie Zeit haben, lieber den Kaffee mit einer Moka zubereiten.

Die Moka ist also fit für die Zukunft?

Auf jeden Fall. In Italien haben bereits 60 Prozent der Haushalte eine Moka. In diesem Jahr werden wir rund fünf Millionen Maschinen produzieren – eine Zahl, die im Vergleich zum Vorjahr gestiegen ist. Ausserdem ist sie richtig nachhaltig: Die Moka wird nur mit Wasser und ohne jegliche Reinigungsmittel gesäubert. Sie produziert nur Abfälle, die biologisch auch abbaubar sind. Und sie hat eine durchschnittliche Lebensdauer von etwa zehn Jahren. Zudem kann jede ihrer Komponenten ersetzt werden. 

Frisch gebrüht!

Ein Stück duftendes Italien

Das klassische Modell von Bialetti hat sein Design seit seiner Einführung 1933 fast unverändert beibehalten. Eine Grosse Auswahl des Bialetti Sortiments finden Sie auf coop.ch.