Es kugelt so fein | Coopzeitung
X

Beliebte Themen

Kulinarik

Es kugelt so fein

Fest in der europäischen Backkultur verankert, ist der Gugelhopf ein Gebäck, das niemals aus der Mode kommt. Im Elsass werden die Kuchen gerade im Miniformat gefeiert – Betty Bossi widmet ihnen ein ganzes Buch.

FOTOS
Corinne Sporrer, Carole Arbenz
17. Mai 2021

Wer schon mal durch ein elsässisches Dörfchen schlenderte und in den Auslagen der Bäckereien die Kouglofs bestaunte, weiss, wie wichtig den Bewohnern der französischen Grenzregion das Traditionsgebäck ist.

Tradition hin oder her – die Schweizerin Vanessa Dawe (52), die seit 20 Jahren in Strassburg lebt, wollte das traditionelle Gebäck auf elegante Art neu interpretieren. Sie holte mehrere Konditorinnen und Konditoren mit an Bord und gründete vor sieben Jahren die Firma LeKouglof. Nun stellt sie Mini-Gugelhopfe in den unterschiedlichsten Geschmacksrichtungen her: grün mit Pistazie, rosa mit Erdbeere, braun mit Schokolade. Kouglofs – die elsässische Variante des Gugelhopfs – werden traditionell mit Hefeteig in Tonformen hergestellt, die von Generation zu Generation weitergegeben werden. Diese verleihen ihnen den charakteristischen Geschmack. Die schornsteinförmige Öffnung in der Mitte der Form ermöglicht eine gute Verteilung der Hitze während des Backens. Die süsse Variante besteht aus einem mit Rosinen angereicherten Briocheteig. Die pikante Version enthält Speck und Nüsse.

 Vanessa Dawe von LeKouglof

Der Gugelhopf wird auch in anderen Ländern wie Österreich, Deutschland und der Schweiz geschätzt. In unseren Nachbarländern ändert sich sein Name übrigens etwas: Der Hopf wird dort zum Hupf. Hierzulande wird er sogar im Inventar des Kulinarischen Erbes der Schweiz aufgeführt. Dieses besagt, dass der Gugelhopf zum ersten Mal 1691 in einem Backbuch erwähnt wurde.

Ein königliches Gebäck

Um den Gugelhopf ranken sich viele Legenden. Eine davon besagt, dass Königin Marie-Antoinette (1755–1793) den Gugelhopf aus Österreich nach Versailles (F) mitbrachte, natürlich mit einem Umweg über das Elsass. In Anspielung darauf hat LeKouglof-Gründerin Vanessa Dawe ihre Kreationen «Les Kaprices de Marie-Antoinette» genannt. Eine andere Geschichte erzählt, dass Stanislaus Leszczynski (1677–1766), polnischer König und Herzog von Lothringen, den Kouglof im Elsass eingeführt haben soll. Und zwar mit viel Puderzucker bestreut, mit Rum beträufelt und flambiert.

Funda Kara (28) ist Kulturvermittlerin im «Ecomusée d’alsace», einem Freilichtmuseum, das die volkstümlichen Traditionen der Region lebendig hält. Sie sagt, dass der Kouglof in der kulinarischen Tradition des Elsass nach wie vor einen wichtigen Platz innehabe – und das seit

drei Jahrhunderten. In ihrer Lieblingslegende geht es um die Heiligen Drei Könige: «Ein Konditor aus Ribeauvillé namens Kügel soll die aus Bethlehem zurückkehrenden Heiligen Drei Könige bewirtet haben. Zum Dank dafür buken ihm diese einen besonderen Kuchen in Form eines Turbans: Der erste Gugelhopf war geboren.»

Wenn Sie jetzt auch Lust auf einen saftigen Gugelhopf bekommen haben, dann versuchen Sie doch eines der Rezepte aus dem neuen Backbuch von Betty Bossi «Gugelhopf – süss & pikant». Einen kleinen Einblick geben die auf dieser Seite präsentierten Rezepte. 

Buchtipp

Gugelhopf-Variationen

Süss oder salzig, im Mini-Format oder gross ... Ganz schlicht, mit Glasur oder mit üppigen Toppings, mit Rühr- oder mit Hefeteig: Im neuen Betty-Bossi-Backbuch «Gugelhopf – süss & pikant» ist für jeden etwas dabei. Darin finden sich originelle Kreationen, wie etwa ein Vollkorngugelhopf, der als Sandwich angerichtet wird, oder ein Schwarzwälder Gugelhopf. Diejenigen, die die Klassiker bevorzugen, probieren den getränkten Zitronen-Hupf.

«Gugelhopf – süss & pikant», Betty Bossi, Fr. 21.95.