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Reportage

Klein, aber oho

Rapsöl ist ein beliebtes einheimisches Speiseöl. Was viele nicht wissen: Die kleinen Samen, aus denen dieses Öl gepresst wird, kann man auch essen. Ein Rapsbauer erzählt, was es braucht, bis die köstlichen Produkte auf dem Tisch stehen.

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Kostas Maros
15. Juli 2021
Im April kontrollierte Produzent Hansruedi Waldmeier regelmässig den Zustand der Rapspflanzen.

Im April kontrollierte Produzent Hansruedi Waldmeier regelmässig den Zustand der Rapspflanzen.

Wer kennt sie nicht, die gelb blühenden Felder, die im Frühling so hell in der Landschaft aufleuchten?Das ist Raps, wissenschaftlicher Name Brassica napus. Verwandt mit Kohl, Radieschen und Senf. Eine zu den Kreuzblütlern gehörende Nutzpflanze, aus deren Samen man Speiseöl gewinnt. «Das klingt aber ziemlich nüchtern», meint Hansruedi Waldmeier. Der 38-jährige Landwirt aus Möhlin AG bewirtschaftet mit Ehefrau Esther (37) einen Bio-Betrieb. Schon seine Eltern haben 1997 auf biologische Landwirtschaft umgestellt. Seit sechs Jahren baut er Bio-Raps an und weiss aus Erfahrung, dass dies mit einigen Emotionen verbunden ist.

Das Wetter macht, was es will

«Gerade in diesem Jahr machen wir wettertechnisch einiges mit», erklärt er, sich auf die Temperatur-Kapriolen beziehend. Raps ist eine Risikokultur. Das bedeutet, es gibt viele Schädlinge und Krankheiten, die ihn befallen und den Ertrag mindern können. So begünstigte das nasse Winterhalbjahr die Kohlhernie, einen Erreger, der die Wurzeln befällt, sodass die Pflanze abstirbt.

«Ich setze oft homöopathische Mittel ein, damit behandle ich die Felder mehrmals pro Woche»

 

Im Bio-Landbau sind die Herausforderungen besonders gross. So kann Hansruedi Waldmeier den Frass-Schädlingen nicht mit chemisch-synthetischen Pestiziden zu Leibe rücken. «Ich setze oft homöopathische Mittel ein, damit behandle ich die Felder mehrmals pro Woche», sagt er. Und er achtet auf die Fruchtfolge: Da einige Schädlinge und Erreger lange Zeit im Boden verbleiben, baut er erst nach sechs Jahren auf dem gleichen Feld wieder Raps an.

Aus den Rapsblüten entstehen die Schoten mit den begehrten schwarzen Rapskernen – nun sind die Schoten reif.

Eine weitere Schwierigkeit ergibt sich aktuell aus der – für das Auge zwar schönen – langen Blütezeit im Frühling. «Die Raps-Schoten haben einen unterschiedlichen Reifegrad», erklärt Waldmeier. Während einige Schoten noch grün sind, sind andere bereits abgereift und braun. Somit ist es nicht einfach, den richtigen Ernte-Zeitpunkt zu bestimmen.

Öl und Kerne vom Raps

Alles in allem ist der Landwirt aber doch zufrieden mit seinen Pflanzen: «Wenn wir jetzt noch während ein paar aufeinanderfolgenden Tagen Sonnenschein haben, ist die letzte Hürde genommen und ich kann dreschen.» Rund zwei bis dreieinhalb Tonnen der kleinen Samenkörner kann er dann pro Hektare ernten. Bei Hansruedi Waldmeier ist das ein ganzer Anhänger voll.

Die schwarzen Winzlinge aus dem Innern der Schoten sind die begehrte Frucht. Aus ihnen presst man das hochwertige Öl mit dem mild-nussigen Geschmack, welches auch Familie Waldmeier mit den beiden Töchtern Enya (16) und Elina (3) schätzt. «Wir verwenden es gerne für die Salatsauce», sagt der Produzent. Aber man kann auch die Samen essen. Die kaum stecknadelgros­sen Kügelchen schmecken im Müesli, Kuchen oder als knackige Garnitur. Äusserst vielfältig einsetzbar also und hoffentlich bald so beliebt wie das Öl. Das würde auch Hansruedi Waldmeier freuen, der so viel Sorgfalt in die Pflege der Pflanzen gesteckt hat.

Der Superfood mit Heimvorteil

Bio-Campiuns

Bei Coop gibt es eine eigene Marke handverlesener Schweizer Lebensmittel in Bio-Suisse-Qualität, die eine bewusste ­Ernährung unterstützen. Sie enthalten relevante Mengen an bestimmten Vitaminen, Mineralstoffen oder anderen wertvollen Inhaltsstoffen oder haben eine besonders ausgewogene Zusammensetzung: die Bio-Campiuns. Der Name «Campiuns» ist rätoromanisch und bedeutet «Helden». Bevor ein Produkt den Bio-Campiuns-Titel tragen darf, muss es von der Coop-Fachstelle für Ernährung und der Schweizerischen Gesellschaft für Ernährung (SGE) geprüft und freigegeben werden. 

Aktuell enthält das Sortiment drei Produkte aus oder mit Schweizer Bio-Raps